Es ist eine ohnmächtige Wut. Sie macht die Tote nicht wieder lebendig, heilt keine Verletzung und nimmt niemandem die Bilder aus dem Kopf. Sie findet keinen Ort, an dem sie etwas reparieren könnte. Also läuft sie im Kreis und stößt immer wieder gegen dieselbe Erkenntnis: Islamisten sind Faschisten.
Sie nennen Unterwerfung Glauben, Hierarchie göttliche Ordnung, die Verfolgung abweichenden Lebens Moral und Gewalt die Durchsetzung einer höheren Wahrheit. Das Vokabular ist religiös, die Struktur ist faschistisch. Wer Menschen das Recht auf ihre eigene Existenz abspricht, weil sie anders lieben, anders leben oder sich einer vorgeschriebenen Ordnung entziehen, folgt derselben autoritären Mechanik, ganz gleich, welches heilige Buch, welche Nation oder welche angebliche natürliche Ordnung dafür herhalten muss.
Natürlich werden auch völkische Rassisten diese Tat benutzen. Sie werden aus einem mutmaßlichen Islamisten Millionen Muslime machen, aus einem Täter ganze Bevölkerungsgruppen und aus den Opfern Munition für ihren eigenen Hass. Ihr Rassismus macht den Islamismus keinen Millimeter weniger faschistisch. Er zeigt lediglich, wie gut verschiedene Faschismen voneinander leben können. Gemeinsam verachten sie Freiheit, Selbstbestimmung und queeres Leben; uneinig sind sie vor allem darüber, wem die Welt gehören soll, nachdem alle anderen daraus entfernt wurden.
Und dann fiel mir dieser Text wieder ein. Darum poste ich ihn heute.
Ich beginne bei mir.
Meine Wahrnehmung steht im Zentrum.
Was ich fühle, gilt.
Was ich denke, ordnet sich.
(Ich bin ein Faschist)
Ich nehme Raum ein.
Meine Bedürfnisse drängen nach vorne.
Rücksicht fühlt sich wie Verzögerung an.
Empathie wirkt wie Umweg.
(Ich bin ein Faschist)
Ich erkenne Muster.
Alles ordnet sich in richtig und falsch.
Grauzonen kosten Zeit.
Zeit fühlt sich wie Verlust an.
(Ich bin ein Faschist)
Ich schätze Klarheit.
Widerspruch erzeugt Reibung.
Reibung erzeugt Ärger.
Ärger verlangt nach Auflösung.
(Ich bin ein Faschist)
Ich liebe Ordnung.
Hierarchien beruhigen.
Führung entlastet.
Gehorsam schafft Ruhe.
(Ich bin ein Faschist)
Ich definiere Zugehörigkeit.
Nähe entsteht durch Ähnlichkeit.
Abweichung erzeugt Distanz.
Distanz erzeugt Misstrauen.
(Ich bin ein Faschist)
Ich erkläre mir die Welt.
Komplexität verdichtet sich zu Erzählungen.
Erzählungen geben Halt.
Halt fühlt sich wie Wahrheit an.
(Ich bin ein Faschist)
Ich schütze mein Bild.
Kritik trifft mein Fundament.
Mein Fundament trägt mich.
Alles, was es erschüttert, greift mich an.
(Ich bin ein Faschist)
Ich finde Schuldige.
Schuld ordnet Gefühle.
Schuld entlastet Verantwortung.
Verantwortung lastet schwer.
(Ich bin ein Faschist)
Ich wähle Stärke.
Härte wirkt effizient.
Effizienz wirkt überlegen.
Überlegenheit fühlt sich richtig an.
(Ich bin ein Faschist)
Ich rechtfertige Mittel.
Zwecke wachsen über Zweifel.
Zweifel bremsen Bewegung.
Bewegung verlangt Opfer.
(Ich bin ein Faschist)
Ich handle.
Aktion ersetzt Abwägung.
Tempo ersetzt Denken.
Ergebnis ersetzt Moral.
(Ich bin ein Faschist)
Ich sehe mich im Recht.
Mein Recht fordert Durchsetzung.
Durchsetzung fordert Gewalt.
Gewalt fühlt sich notwendig an.
Ich bin ein Faschist.

