Zitat von Tim Falkenrot am 9. September 2026, 18:25 UhrManchmal lohnt es sich, einen Schritt zurückzutreten und zuzuhören, wie andere auf das schauen, was gerade in Deutschland passiert. Der Blick von außen ist bemerkenswert deutlich.
Die französische Tageszeitung Le Monde bezeichnet den Wahlsieg der AfD als eine „harte Lektion“ für Friedrich Merz. Fast 44 Prozent für eine Partei mit einem radikalen, xenophoben und nationalistischen Programm seien kein regionaler Ausrutscher. Das Ergebnis zeige vielmehr, dass das politische Modell der Bundesrepublik, das nach 1945 auf der Zurückweisung politischer Extreme und dem gesellschaftlichen Konsens aufgebaut wurde, ins Wanken gerate. Ganz Europa habe Grund zur Sorge.
Der britische Guardian spricht von einem „seismischen Wandel“ in der deutschen Politik. Die AfD habe nicht einfach eine Landtagswahl gewonnen. Ihr Erfolg stelle den demokratischen Konsens der Nachkriegszeit vor eine grundlegende Herausforderung. Gleichzeitig warnt die Zeitung davor, Sachsen-Anhalt isoliert zu betrachten. Der Aufstieg der extremen Rechten sei Teil einer gesamteuropäischen Entwicklung.
Der Politikwissenschaftler Tarik Abou-Chadi von der University of Oxford mahnt allerdings zur Differenzierung. Sachsen-Anhalt sei eine besondere Region und dürfe nicht allein als Grundlage für weitreichende Schlussfolgerungen über die gesamte AfD-Wählerschaft dienen.
Aber selbst diese Einordnung macht das Ergebnis nicht kleiner. Denn laut einer von Matthijs Rooduijn von der Universität Amsterdam geleiteten internationalen Forschungsarbeit stimmen inzwischen mehr als 23 Prozent der europäischen Wähler bei nationalen Wahlen für rechtsextreme oder rechtspopulistische Parteien. Mitte der 1990er Jahre waren es noch ungefähr fünf Prozent.
Die spanische El País nennt das Ergebnis deshalb ein „Alarmsignal für die Demokratien“. Die Zeitung sieht darin nicht nur einen deutschen Rechtsruck, sondern eine Entwicklung, die Europa insgesamt betrifft. Die AfD sei inzwischen eine zentrale politische Kraft geworden. Ein möglicher erster rechtsextremer Landesregierungschef seit 1945 wäre deshalb weit mehr als ein regionales Ereignis.
Noch grundsätzlicher fällt die Einschätzung von Marcus Böick, Professor für Neuere Deutsche Geschichte an der University of Cambridge, aus. Gegenüber der brasilianischen Zeitung Folha de S.Paulo bezeichnete er den Erfolg der AfD als historischen Bruch in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Er sieht die Gefahr, dass zentrale demokratische Grundlagen, die nach 1949 bewusst geschaffen wurden, unter Druck geraten.
Besonders beunruhigend findet Böick, dass die AfD in Regionen erfolgreich sei, in denen sich viele Menschen von den etablierten Parteien und Institutionen nicht mehr vertreten fühlen. Die Partei fülle dort zunehmend politische und gesellschaftliche Räume, die andere Institutionen hinterlassen hätten.
Auch der Council on Foreign Relations beobachtete den Aufstieg der AfD bereits vor der Wahl mit großer Sorge. Die Experten Liana Fix und Rafaela Uzan beschrieben Sachsen-Anhalt als möglichen regionalen Ausgangspunkt, von dem aus die AfD ihren Einfluss weiter ausbauen und sogar die Bundespolitik stärker unter Druck setzen könnte.
Die Financial Times blickt ebenfalls weit über Sachsen-Anhalt hinaus. Sie beschreibt das Ergebnis als Ausdruck tiefer gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Spannungen. Sinkende Einkommen, Bevölkerungsverlust, strukturelle Probleme, die Krise traditioneller Parteien und eine zunehmende Entfremdung zwischen ländlichen Regionen und politischer Mitte. Die AfD habe dabei besonders enttäuschte Arbeitnehmer und bisherige Nichtwähler mobilisiert.
Auch aus Italien wird das Ergebnis nicht als gewöhnlicher deutscher Landtagswahlabend betrachtet. Der Corriere della Sera beschäftigt sich bereits mit den möglichen Wegen der AfD zur Regierungsbildung und mit der Frage, ob Sachsen-Anhalt zum ersten politischen Labor einer AfD-geführten Landesregierung werden könnte.
Vielleicht ist genau das der Punkt, über den wir nachdenken sollten.
Während wir hier über Sitzverteilungen, mögliche Koalitionen und die Frage diskutieren, ob 43,8 Prozent nun „wirklich so schlimm“ sind, betrachten internationale Medien und Wissenschaftler das Ergebnis als Teil einer viel größeren Entwicklung. Eine Entwicklung, die nicht an der Landesgrenze von Sachsen-Anhalt endet und die ganz Deutschland betrifft. Eine Entwicklung, die inzwischen auch außerhalb Deutschlands als Warnsignal wahrgenommen wird.
Nicht Deutschland allein schaut auf Sachsen-Anhalt. Europa schaut auf Deutschland und die Welt schaut inzwischen ziemlich genau auf Deutschland.
Manchmal lohnt es sich, einen Schritt zurückzutreten und zuzuhören, wie andere auf das schauen, was gerade in Deutschland passiert. Der Blick von außen ist bemerkenswert deutlich.
Die französische Tageszeitung Le Monde bezeichnet den Wahlsieg der AfD als eine „harte Lektion“ für Friedrich Merz. Fast 44 Prozent für eine Partei mit einem radikalen, xenophoben und nationalistischen Programm seien kein regionaler Ausrutscher. Das Ergebnis zeige vielmehr, dass das politische Modell der Bundesrepublik, das nach 1945 auf der Zurückweisung politischer Extreme und dem gesellschaftlichen Konsens aufgebaut wurde, ins Wanken gerate. Ganz Europa habe Grund zur Sorge.
Der britische Guardian spricht von einem „seismischen Wandel“ in der deutschen Politik. Die AfD habe nicht einfach eine Landtagswahl gewonnen. Ihr Erfolg stelle den demokratischen Konsens der Nachkriegszeit vor eine grundlegende Herausforderung. Gleichzeitig warnt die Zeitung davor, Sachsen-Anhalt isoliert zu betrachten. Der Aufstieg der extremen Rechten sei Teil einer gesamteuropäischen Entwicklung.
Der Politikwissenschaftler Tarik Abou-Chadi von der University of Oxford mahnt allerdings zur Differenzierung. Sachsen-Anhalt sei eine besondere Region und dürfe nicht allein als Grundlage für weitreichende Schlussfolgerungen über die gesamte AfD-Wählerschaft dienen.
Aber selbst diese Einordnung macht das Ergebnis nicht kleiner. Denn laut einer von Matthijs Rooduijn von der Universität Amsterdam geleiteten internationalen Forschungsarbeit stimmen inzwischen mehr als 23 Prozent der europäischen Wähler bei nationalen Wahlen für rechtsextreme oder rechtspopulistische Parteien. Mitte der 1990er Jahre waren es noch ungefähr fünf Prozent.
Die spanische El País nennt das Ergebnis deshalb ein „Alarmsignal für die Demokratien“. Die Zeitung sieht darin nicht nur einen deutschen Rechtsruck, sondern eine Entwicklung, die Europa insgesamt betrifft. Die AfD sei inzwischen eine zentrale politische Kraft geworden. Ein möglicher erster rechtsextremer Landesregierungschef seit 1945 wäre deshalb weit mehr als ein regionales Ereignis.
Noch grundsätzlicher fällt die Einschätzung von Marcus Böick, Professor für Neuere Deutsche Geschichte an der University of Cambridge, aus. Gegenüber der brasilianischen Zeitung Folha de S.Paulo bezeichnete er den Erfolg der AfD als historischen Bruch in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Er sieht die Gefahr, dass zentrale demokratische Grundlagen, die nach 1949 bewusst geschaffen wurden, unter Druck geraten.
Besonders beunruhigend findet Böick, dass die AfD in Regionen erfolgreich sei, in denen sich viele Menschen von den etablierten Parteien und Institutionen nicht mehr vertreten fühlen. Die Partei fülle dort zunehmend politische und gesellschaftliche Räume, die andere Institutionen hinterlassen hätten.
Auch der Council on Foreign Relations beobachtete den Aufstieg der AfD bereits vor der Wahl mit großer Sorge. Die Experten Liana Fix und Rafaela Uzan beschrieben Sachsen-Anhalt als möglichen regionalen Ausgangspunkt, von dem aus die AfD ihren Einfluss weiter ausbauen und sogar die Bundespolitik stärker unter Druck setzen könnte.
Die Financial Times blickt ebenfalls weit über Sachsen-Anhalt hinaus. Sie beschreibt das Ergebnis als Ausdruck tiefer gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Spannungen. Sinkende Einkommen, Bevölkerungsverlust, strukturelle Probleme, die Krise traditioneller Parteien und eine zunehmende Entfremdung zwischen ländlichen Regionen und politischer Mitte. Die AfD habe dabei besonders enttäuschte Arbeitnehmer und bisherige Nichtwähler mobilisiert.
Auch aus Italien wird das Ergebnis nicht als gewöhnlicher deutscher Landtagswahlabend betrachtet. Der Corriere della Sera beschäftigt sich bereits mit den möglichen Wegen der AfD zur Regierungsbildung und mit der Frage, ob Sachsen-Anhalt zum ersten politischen Labor einer AfD-geführten Landesregierung werden könnte.
Vielleicht ist genau das der Punkt, über den wir nachdenken sollten.
Während wir hier über Sitzverteilungen, mögliche Koalitionen und die Frage diskutieren, ob 43,8 Prozent nun „wirklich so schlimm“ sind, betrachten internationale Medien und Wissenschaftler das Ergebnis als Teil einer viel größeren Entwicklung. Eine Entwicklung, die nicht an der Landesgrenze von Sachsen-Anhalt endet und die ganz Deutschland betrifft. Eine Entwicklung, die inzwischen auch außerhalb Deutschlands als Warnsignal wahrgenommen wird.
Nicht Deutschland allein schaut auf Sachsen-Anhalt. Europa schaut auf Deutschland und die Welt schaut inzwischen ziemlich genau auf Deutschland.
