Offener Brief an Enxhi Seli-Zacharias
Ich duze dich in diesem Text bewusst. Du hast Menschen auf offener Straße geduzt, denen du mit Kamera, Parteigefolge und Landtagsmandat gegenüberstandest. Du hast ihnen keine Achtung entgegengebracht. Also bekommst du hier auch keine formale Achtung vorgespielt. Das „Sie“ steht für Distanz mit Restrespekt. Diesen Restrespekt hast du auf diesem Gehweg selbst zerstört.
Du bist mit der AfD durch Ückendorf gezogen und hast Menschen zum Putzen aufgefordert. Vor allem Sinti und Roma standen im Fokus. Du hast ihnen Besen und Kehrblech in die Hand gedrückt, sie gefilmt und das Ganze später als Erfolg verkauft. Du hast daraus ein politisches Video gemacht. Du hast keine Hilfe organisiert, keine Verantwortung benannt, keine Ursache angegriffen. Du hast Menschen vorgeführt.
Der Kern deiner Aktion war Antiziganismus. Roma werden seit Jahrhunderten als schmutzig, störend, minderwertig und unerwünscht markiert. Genau dieses Bild hast du benutzt. Du hast es aufgenommen, auf die Straße gestellt und für deine Partei verwertbar gemacht. Der Besen war kein Werkzeug. Er war ein Zeichen der Unterordnung. Du wolltest zeigen, wer befiehlt und wer gehorchen soll.
Du kommst aus Albanien. Dort erleben Roma und verwandte Minderheiten seit langer Zeit massive Ausgrenzung. Armut, Schulsegregation, soziale Verachtung, schlechter Zugang zu Arbeit, Bildung und Wohnen. Dieser Hass ist in vielen Teilen Südosteuropas tief verankert. Und genau diesen kulturellen Antiziganismus hast du hier sichtbar gemacht. Du hast ihn nach Deutschland mitgebracht, politisch übersetzt und mit der AfD-Kamera verstärkt.
Du hast durch dieses Land Türen geöffnet bekommen. Du bist hier zur Schule gegangen, hast studiert, sitzt heute im Parlament. Dieses Land hat dir ermöglicht, anzukommen. Jetzt nutzt du deine angekommene Position, um andere Menschen öffentlich nach unten zu drücken. Du bist durch eine offene Tür gegangen und stellst dich jetzt von innen dagegen.
Besonders schäbig ist deine Auswahl. Du bist zu denen gegangen, die sich am wenigsten wehren können. Du bist zu Menschen gegangen, die ohnehin stigmatisiert sind. Du bist zu einer Minderheit gegangen, die in Deutschland verfolgt, entrechtet, deportiert und ermordet wurde. Sinti und Roma kennen die deutsche Geschichte besser als viele, die heute wieder „Ordnung“ rufen. Und du stellst Angehörige dieser Minderheit mit Besen vor eine Kamera.
Das ist weder Kommunalpolitik, noch ein Einsatz für Sauberkeit. Das ist rassistische Vorführung. Du hast Armut ethnisiert. Du hast ein soziales Problem einer Minderheit angehängt. Du hast Verantwortung nach unten geschoben, weil es für dein Video besser aussah.
Du hättest Vermieter benennen können. Du hättest die Stadt angreifen können. Du hättest über Schrottimmobilien, Ausbeutung, überforderte Verwaltung und jahrelanges Wegsehen sprechen können. Du hast dich für den einfachsten Weg entschieden: Du hast Menschen markiert, die ohnehin am Rand stehen.
Dieses Video zeigt keine Ordnung. Es zeigt dich. Es zeigt eine Politikerin, die ihren eigenen Hass mitbringt und ihre eigene Migrationserfahrung in Herrschaft über andere verwandelt. Es zeigt eine Frau, die selbst aufgenommen wurde und nun anderen das Recht auf Würde abspricht. Es zeigt eine AfD-Abgeordnete, die Antiziganismus nicht zufällig berührt, sondern aus ganzem Herzen fühlt und politisch einsetzt.
Das Mädchen mit dem Besen ist kein Symbol für Dreck. Es ist ein Beweis für deine Kälte.

