Zitat von Kolle am 9. September 2026, 13:19 Uhr
Heidi Reichinnek spricht im Bundestag aus, was viele Menschen längst empfinden: Sie merken, dass sie verarscht werden. Und die Sitzungsleitung? Beanstandet die Wortwahl. Das sei keine parlamentarische Sprache.
Ach so. Wenn Menschen sich zwischen einer bezahlten Rechnung und einem vollen Kühlschrank entscheiden müssen, sollen sie ihren Frust bitte erst durch die parlamentarische Benimmschule schicken?
„Ich fühle mich hinsichtlich meiner sozialen Lebensrealität unzureichend berücksichtigt.“ Klingt gepflegter. Beschreibt aber verdammt schlecht, wie es sich anfühlt, jeden Monat zu rechnen und trotzdem nicht hinzukommen.
Und während „verarscht“ offenbar die sprachliche Alarmanlage auslöst, spricht Alice Weidel im Bundestag von „muslimischen Stämmen“.
Da wird’s schwierig, nu.
Ein derbes Wort, das den Frust über soziale Verhältnisse beschreibt, ist also nicht parlamentarisch genug. Aber eine Formulierung, die muslimische Menschen sprachlich zu „Stämmen“ zusammenkehrt, steht im Raum?
Vielleicht stimmt dann nicht die Härte der Worte, sondern der Maßstab, mit dem sie bewertet werden.
Genau deshalb braucht es klare Sprache. Weil hinter einem Haushalt Menschen stehen. Die Mieterin, die Angst vor der nächsten Erhöhung hat. Der Beschäftigte, dessen Lohn kaum bis Monatsende reicht. Die Rentnerin, die nach einem langen Arbeitsleben jeden Einkauf durchrechnen muss.
Die Linke bringt diese Probleme direkt und ungeschönt in den Bundestag. Und mit ihnen eine Sprache, in der Menschen ihren eigenen Alltag wiedererkennen. Heidi Reichinnek spricht aus, was sonst gern hinter Zahlenkolonnen und wohlklingenden Floskeln verschwindet.
Natürlich darf ein Parlament Regeln haben. Aber wer beim Wort „verarscht“ besonders empfindlich reagiert, sollte mindestens genauso genau hinhören, wenn dort von „muslimischen Stämmen“ gesprochen wird.
Mich stört dieses Wort jedenfalls deutlich weniger als eine Politik, bei der für die Sorgen der Menschen immer Verständnis übrig ist – aber angeblich kein Geld.
Ein Parlament muss die Sprache der Menschen aushalten. Auch dann, wenn sie unbequem wird. Gerade dann.
Und vielleicht sollte die parlamentarische Empörung nicht dort am lautesten sein, wo die Sprache derb ist, sondern dort, wo Sprache Menschen pauschalisiert und ausgrenzt. ✊🐻
Heidi Reichinnek spricht im Bundestag aus, was viele Menschen längst empfinden: Sie merken, dass sie verarscht werden. Und die Sitzungsleitung? Beanstandet die Wortwahl. Das sei keine parlamentarische Sprache.
Ach so. Wenn Menschen sich zwischen einer bezahlten Rechnung und einem vollen Kühlschrank entscheiden müssen, sollen sie ihren Frust bitte erst durch die parlamentarische Benimmschule schicken?
„Ich fühle mich hinsichtlich meiner sozialen Lebensrealität unzureichend berücksichtigt.“ Klingt gepflegter. Beschreibt aber verdammt schlecht, wie es sich anfühlt, jeden Monat zu rechnen und trotzdem nicht hinzukommen.
Und während „verarscht“ offenbar die sprachliche Alarmanlage auslöst, spricht Alice Weidel im Bundestag von „muslimischen Stämmen“.
Da wird’s schwierig, nu.
Ein derbes Wort, das den Frust über soziale Verhältnisse beschreibt, ist also nicht parlamentarisch genug. Aber eine Formulierung, die muslimische Menschen sprachlich zu „Stämmen“ zusammenkehrt, steht im Raum?
Vielleicht stimmt dann nicht die Härte der Worte, sondern der Maßstab, mit dem sie bewertet werden.
Genau deshalb braucht es klare Sprache. Weil hinter einem Haushalt Menschen stehen. Die Mieterin, die Angst vor der nächsten Erhöhung hat. Der Beschäftigte, dessen Lohn kaum bis Monatsende reicht. Die Rentnerin, die nach einem langen Arbeitsleben jeden Einkauf durchrechnen muss.
Die Linke bringt diese Probleme direkt und ungeschönt in den Bundestag. Und mit ihnen eine Sprache, in der Menschen ihren eigenen Alltag wiedererkennen. Heidi Reichinnek spricht aus, was sonst gern hinter Zahlenkolonnen und wohlklingenden Floskeln verschwindet.
Natürlich darf ein Parlament Regeln haben. Aber wer beim Wort „verarscht“ besonders empfindlich reagiert, sollte mindestens genauso genau hinhören, wenn dort von „muslimischen Stämmen“ gesprochen wird.
Mich stört dieses Wort jedenfalls deutlich weniger als eine Politik, bei der für die Sorgen der Menschen immer Verständnis übrig ist – aber angeblich kein Geld.
Ein Parlament muss die Sprache der Menschen aushalten. Auch dann, wenn sie unbequem wird. Gerade dann.
Und vielleicht sollte die parlamentarische Empörung nicht dort am lautesten sein, wo die Sprache derb ist, sondern dort, wo Sprache Menschen pauschalisiert und ausgrenzt. ✊🐻
