Über ein Jahrzehnt des Bedauerns, Machtinteressen und die spätere Erfindung edler Motive
Als Hitler 1933 an die Macht kam, begann keine rätselhafte Entwicklung, deren Ziel erst zwölf Jahre später erkennbar wurde. Die Nationalsozialisten beseitigten die Demokratie, zerschlugen die Gewerkschaften, verhafteten Kommunisten, Sozialdemokraten und andere politische Gegner, errichteten Konzentrationslager, verbrannten Bücher und machten aus Antisemitismus Regierungspolitik. Das alles geschah öffentlich, begleitet von Reden, Gesetzen, Aufmärschen, Zeitungsartikeln und Bildern. Niemand musste eine geheime Akte finden, um zu erkennen, wohin die Reise ging. Man musste nur hinsehen. Und sie sahen hin.
Die Regierungen Europas sahen hin. Die Vereinigten Staaten sahen hin. Diplomaten schrieben Berichte, Journalisten schickten Meldungen, jüdische Organisationen warnten, Flüchtlinge erzählten, was ihnen widerfahren war. Es fehlte weder an Informationen noch an Gelegenheiten. Es fehlte an dem politischen Willen, aus dem Wissen eine Konsequenz zu ziehen. Die Verfolgten waren bekannt. Ihre Verfolgung war bedauerlich. Bedauern hatte damals bereits jene vollendete Form erreicht, in der es bis heute zuverlässig funktioniert: als moralische Regung ohne praktische Folgen.
Nach dem Krieg erzählten dieselben Staaten eine andere Geschichte. Plötzlich hatten sie gegen Hitler gekämpft, weil Hitler ein Faschist war. Plötzlich war der Krieg eine große Rettungsaktion der freien Welt gewesen, der militärische Arm einer Menschlichkeit, die es einfach nicht mehr ausgehalten hatte. Die Jahre des Zusehens, Verhandelns, Beschwichtigens, Abweisens und Opferns verschwanden hinter den Bildern der befreiten Lager. Das Ende wurde zum Anfang umgeschrieben. Weil die Alliierten den Faschismus schließlich besiegten, sollte der Antifaschismus ihr ursprüngliches Motiv gewesen sein.
Verfickt nochmal, wäre das wahr, hätten sie früher anfangen können.
SIE WUSSTEN ES
Schon in den ersten Monaten der nationalsozialistischen Herrschaft war zu sehen, was Hitler aus Deutschland machte. Die Verordnung nach dem Reichstagsbrand setzte zentrale Grundrechte außer Kraft. Das Ermächtigungsgesetz beseitigte die parlamentarische Kontrolle. Parteien wurden verboten oder lösten sich unter dem Druck selbst auf. Gewerkschaftshäuser wurden besetzt, ihre Funktionäre verhaftet, ihr Vermögen geraubt. In Dachau saßen politische Gefangene, während ausländische Regierungen weiter diplomatische Beziehungen pflegten und Unternehmen weiter Geschäfte machten. Der Faschismus war kein dunkles Gerücht am Rand Europas. Er trug Uniform, veranstaltete Reichsparteitage und verschickte Einladungen.
Für die Mächtigen des Westens war das Regime lange keine unerträgliche Abweichung. Hitler vernichtete die organisierte Linke, entmachtete Gewerkschaften und erklärte den Bolschewismus zum Weltfeind. Damit erledigte er jene Arbeit, die konservative Eliten und große Teile des Kapitals mit bemerkenswerter Sympathie betrachteten. Ein Deutschland, das Kommunisten einsperrte, erschien vielen gefährlich und zugleich nützlich. Der Faschismus bedrohte Menschen, deren Leben in den außenpolitischen Bilanzen wenig wog. Er bedrohte noch nicht die Besitzstände jener Staaten, die über Krieg und Frieden entschieden.
Die westliche Politik beruhte dabei auf keiner heimlichen Liebe zu jedem Detail des Nationalsozialismus. Sie beruhte auf Prioritäten. Eine revolutionäre Arbeiterbewegung, die Eigentumsverhältnisse infrage stellte, galt als fundamentale Gefahr. Ein autoritärer Staat, der diese Bewegung zertrat, galt als Problem, mit dem man verhandeln konnte. Antisemitische Gesetze, politische Gefangene und staatlicher Terror erzeugten schlechte Presse. Eine kommunistische Machtverschiebung hätte schlechte Bilanzen erzeugt. Zwischen beidem fand das Gewissen erstaunlich sicher den Platz, an dem es den wenigsten Schaden anrichtete.
1935 machten die Nürnberger Gesetze deutsche Juden zu Menschen minderen Rechts. Ihre Ausgrenzung war jetzt amtlich, systematisch und für die ganze Welt lesbar. 1936 veranstaltete Berlin die Olympischen Spiele. Die internationale Staatengemeinschaft reiste an, grüßte, marschierte, gewann Medaillen und bestätigte dem Regime damit, dass eine Diktatur nur ordentlich dekoriert sein musste, um als Gastgeber durchzugehen. Die antisemitischen Schilder wurden für die Gäste teilweise entfernt. Man wollte niemandem den Aufenthalt verderben. Den deutschen Juden blieb das Land erhalten, nachdem seine Kulisse wieder abgebaut war.
Im März 1938 wurde Österreich dem Deutschen Reich angeschlossen. Juden wurden auf offener Straße gedemütigt und misshandelt. Ihre Wohnungen, Geschäfte und Vermögen wurden geraubt. Wer fliehen wollte, brauchte ein Land, das ihn hineinließ. Die Welt reagierte mit jener Mischung aus Entsetzen und Verwaltung, die Verfolgte bis heute zuverlässig an Grenzen stranden lässt. Man erkannte das Leid an. Man erkannte daraus keine Verpflichtung.
ÉVIAN – MITGEFÜHL OHNE VISUM
Im Juli 1938 trafen sich im französischen Évian Vertreter von 32 Staaten, um über die jüdischen Flüchtlinge aus Deutschland und Österreich zu beraten. Die Konferenz hätte der Augenblick sein können, in dem die angeblich zivilisierte Welt ihre Türen öffnete. Sie wurde der Augenblick, in dem sie gemeinsam erklärte, weshalb diese Türen leider geschlossen bleiben mussten. Die Delegierten äußerten Mitgefühl, nannten die Lage tragisch und versicherten einander ihrer menschlichen Anteilnahme. Fast alle weigerten sich, eine nennenswerte Zahl zusätzlicher Flüchtlinge aufzunehmen.

Die Vereinigten Staaten hielten an ihren Quoten fest. Großbritannien wollte Palästina aus der Debatte heraushalten und begrenzte auch dort die Einwanderung immer stärker. Andere Staaten verwiesen auf Arbeitsmärkte, gesellschaftliche Spannungen und ihre angeblich erschöpfte Aufnahmefähigkeit. Das Vokabular wechselte, die Grenze blieb zu. Am Ende besaßen die Verfolgten eine internationale Bestätigung ihres Elends und weiterhin keinen Ort, an den sie fliehen konnten.
Évian sagt mehr über die damalige Welt als jede spätere Gedenkrede. Niemand leugnete dort die Gefahr. Niemand musste von der Existenz der Verfolgung überzeugt werden. Die Staaten anerkannten das Problem ausdrücklich und lehnten seine Lösung anschließend ab. Sie behandelten jüdische Flüchtlinge wie eine unangenehme Rechnung, für die jeder sein Bedauern, aber keiner seine Unterschrift hergeben wollte. Mitgefühl wurde zur höflichen Form der Zurückweisung. Es durfte den Sitzungssaal verlassen. Die Menschen durften es nicht.
Vier Monate später brannten während der Novemberpogrome Synagogen. Geschäfte wurden zerstört, Wohnungen verwüstet, Menschen misshandelt und ermordet. Rund 30.000 jüdische Männer wurden in Konzentrationslager verschleppt. Danach ließ sich die Verfolgung nur noch mit geschlossenen Augen verharmlosen. Die Regierungen protestierten. Zeitungen veröffentlichten erschütterte Kommentare. Die Grenzen blieben, wo sie waren.
Im Mai 1939 verließ die St. Louis Hamburg mit 937 Passagieren, fast alle jüdische Flüchtlinge. Sie hatten Visa oder Landegenehmigungen für Kuba gekauft und glaubten, dem deutschen Zugriff entkommen zu sein. Kuba ließ die meisten von ihnen nicht an Land. Auch die Vereinigten Staaten und Kanada verweigerten die Aufnahme. Das Schiff fuhr so nah an Florida vorbei, dass die Passagiere nachts die Lichter von Miami sehen konnten. Die amerikanische Küstenwache beobachtete die Fahrt. Die freie Welt lag beleuchtet am Horizont und passte auf, dass die Verfolgten ihr nicht zu nahe kamen.
Die St. Louis musste nach Europa zurückkehren und erreichte Antwerpen. Großbritannien, Frankreich, Belgien und die Niederlande verteilten die Passagiere unter sich. Ein Teil war in Großbritannien sicher. Die übrigen gerieten nach dem deutschen Angriff auf Westeuropa erneut in die Gewalt des Regimes, vor dem sie geflohen waren. Nach Angaben des United States Holocaust Memorial Museum wurden 254 der Passagiere im Holocaust ermordet. Diese Menschen starben Jahre nach einer Konferenz, auf der 32 Staaten erklärt hatten, wie leid ihnen alles tat.
Das Schiff wurde später zum Symbol, und Symbole besitzen für Staaten einen unschätzbaren Vorteil: Man kann sie betrauern, ohne die Politik zu ändern, die sie hervorgebracht hat. Die St. Louis war kein tragischer Zufall. Sie war die schwimmende Konsequenz von Évian. Sie zeigte, was geschieht, wenn jedes Land die Verfolgung verurteilt und die Verfolgten ablehnt. Der Antisemitismus herrschte in Deutschland mit mörderischer Gewalt. Außerhalb Deutschlands sorgten Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, wirtschaftliche Interessen und politische Feigheit dafür, dass seine Opfer kaum entkommen konnten.
EIN LAND NACH DEM ANDEREN
Während die Grenzen für Flüchtlinge geschlossen blieben, wurden sie für Hitler verhandelbar. Nach Österreich verlangte er das Sudetenland. Großbritannien, Frankreich und Italien trafen sich im September 1938 mit Hitler und überließen ihm im Münchner Abkommen Teile der Tschechoslowakei. Die tschechoslowakische Regierung saß nicht einmal mit am Tisch, als ihr Staatsgebiet verteilt wurde. Die Großmächte nannten das Friedenspolitik. Für die Menschen, die sie gerade einem faschistischen Staat auslieferten, war es eine etwas weniger festliche Veranstaltung.
Der britische Premierminister Neville Chamberlain kehrte aus München zurück und verkündete Frieden für seine Zeit. Der Satz wurde später als tragischer Irrtum behandelt, beinahe wie eine falsche Wettervorhersage. München war mehr als ein Irrtum. Es war die Entscheidung, den Preis für den erhofften Frieden von anderen bezahlen zu lassen. Hitler durfte nehmen, solange er Länder nahm, deren Verlust die westlichen Mächte für verkraftbar hielten. Jede Konzession wurde mit der Hoffnung versehen, sie sei die letzte. Diese Hoffnung kostete vor allem fremdes Land und fremdes Leben.
Im März 1939 besetzte Deutschland die verbliebenen tschechischen Gebiete. Damit war selbst die Ausrede vom Selbstbestimmungsrecht der Deutschen erledigt. Hitler hatte offen gezeigt, dass sein Programm auf Expansion zielte. Trotzdem folgte kein antifaschistischer Befreiungsschlag. Es folgten Garantien, Verhandlungen, Aufrüstung und das angestrengte Bemühen, einen Krieg zu vermeiden, dessen Kosten nun allmählich in den eigenen Büchern auftauchten.
Am 1. September 1939 griff Deutschland Polen an. Großbritannien und Frankreich erklärten dem Deutschen Reich zwei Tage später den Krieg. Damit endete die Phase, in der Hitler fast kostenlos expandieren konnte. Für Polen änderte die Kriegserklärung zunächst wenig. An der Westfront begann der sogenannte Sitzkrieg. Frankreich führte einen begrenzten Vorstoß ins Saargebiet durch und zog sich bald wieder zurück. Die angekündigte Entlastung blieb aus. Während Deutschland Polen im Westen überrannte und die Sowjetunion am 17. September von Osten einmarschierte, erfüllten die Verbündeten ihre Pflicht hauptsächlich auf Papier.
Die Kriegserklärung war trotzdem der Wendepunkt. Großbritannien und Frankreich hatten erkannt, dass die deutsche Expansion keine Reihe isolierter Forderungen war. Hitler stellte die europäische Machtordnung infrage, bedrohte ihre Sicherheit, ihre Bündnisse und ihre Stellung als Großmächte. Jetzt waren ihre eigenen Interessen berührt. Jetzt wurde aus dem Regime, mit dem man verhandelt, dem man Länder überlassen und dessen Opfer man abweisen konnte, ein militärischer Gegner.
Das Leiden der Juden hatte diese Schwelle nicht erreicht. Die Konzentrationslager hatten sie nicht erreicht. Die Zerschlagung der Demokratie hatte sie nicht erreicht. Österreich und die Tschechoslowakei hatten sie nicht erreicht. Polen erreichte sie, weil hinter Polen kein Ende der deutschen Expansion mehr glaubhaft zu erwarten war. Die Grenze der westlichen Geduld war keine moralische Grenze. Sie war eine Machtgrenze.
Auch danach zog keine einheitliche Front der Menschlichkeit in den Krieg. Die Sowjetunion hatte im August 1939 den deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt geschlossen, Polen mit aufgeteilt und die baltischen Staaten ihrem Einflussbereich zugerechnet. Sie wurde zur kämpfenden Hauptmacht gegen Hitler, nachdem Deutschland sie im Juni 1941 überfallen hatte. Die Vereinigten Staaten traten nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor in den Krieg ein; Deutschland erklärte ihnen wenige Tage später den Krieg. Die jeweiligen Gründe waren militärisch, geopolitisch und ökonomisch. Die Rettung der europäischen Juden stand auf keiner Kriegserklärung.
Selbst als die systematische Vernichtung bekannt war, blieb die Rettung der Verfolgten den strategischen Zielen untergeordnet. Die Alliierten kämpften um den Sieg über Deutschland. Dieser Sieg beendete schließlich die nationalsozialistische Herrschaft, öffnete die Lager und rettete die Menschen, die noch lebten. Das Ergebnis war eine Befreiung. Es macht aus den Jahren davor keine Phase heimlichen Antifaschismus. Eine Feuerwehr, die erst kommt, als das Nachbarhaus auf den eigenen Dachstuhl übergreift, löscht am Ende ebenfalls den Brand. Ihre Einsatzzeit bleibt trotzdem lesbar.
SCHON DAMALS WAREN SIE LÜGNER
Der Mechanismus war älter als Hitler. Auch die Abschaffung der Sklaverei wurde später als moralische Großtat jener Staaten erzählt, die zuvor an ihr verdient hatten. Selbstverständlich gab es Abolitionisten, Aufstände versklavter Menschen und jahrzehntelange Kämpfe aus echter Überzeugung. Als der britische Staat 1833 handelte, waren wirtschaftliche und politische Veränderungen weit fortgeschritten. Der industrielle Kapitalismus bevorzugte zunehmend die freie Lohnarbeit, bei der Unternehmen Arbeitskraft kaufen konnten, ohne den Menschen als Eigentum erhalten zu müssen. Großbritannien entschädigte die ehemaligen Sklavenhalter mit 20 Millionen Pfund. Die Befreiten erhielten nichts. Moralischer Fortschritt, geliefert mit einer Rechnung an die Täter.
Die Staaten hatten sich schon damals eine Bewegung angeeignet, deren Risiko andere getragen hatten. Sie verwandelten eine erkämpfte und ökonomisch brauchbar gewordene Veränderung in den Beweis ihrer eigenen Menschlichkeit. Beim Faschismus wiederholten sie das Verfahren. Andere hatten gewarnt, Widerstand geleistet, Verfolgte versteckt, gegen geschlossene Grenzen gekämpft und dafür mit Freiheit oder Leben bezahlt. Nach dem Sieg stellten sich die Regierungen vor diese Toten und ließen sich als Antifaschisten fotografieren.
DER ANTIFASCHISMUS DER SIEGER
Nach 1945 benötigten die westlichen Alliierten eine Geschichte, die ihren Sieg erklärte und ihre Ordnung adelte. Sie konnten schlecht verkünden, Hitler über Jahre gewähren gelassen zu haben, solange er andere Menschen, andere politische Bewegungen und andere Länder vernichtete. Sie konnten kaum eine freie Welt feiern, die jüdische Flüchtlinge vor ihren beleuchteten Küsten hatte umkehren lassen. Aus strategischem Handeln wurde daher moralische Entschlossenheit. Aus dem Schutz eigener Interessen wurde die Rettung der Zivilisation. Aus einem Krieg, der den Faschismus besiegte, wurde rückwirkend ein Krieg, der begonnen worden war, um den Faschismus zu besiegen.
Die neue Erzählung funktionierte, weil ihr Ergebnis wahr war. Die alliierten Armeen zerschlugen das nationalsozialistische Regime. Soldaten starben im Kampf gegen eine mörderische Diktatur. Partisanen, Widerstandskämpfer und Zivilisten riskierten alles. Viele handelten aus echtem Antifaschismus. Ihre Motive gehören ihnen. Regierungen dürfen sie nicht beschlagnahmen wie Feindvermögen und anschließend in die eigene Biografie eintragen.
Der Unterschied liegt zwischen Menschen, die aus Überzeugung handelten, und Staaten, die ihre Interessen verfolgten. Menschen warnten, als Warnen gefährlich war. Menschen versteckten Verfolgte, als darauf Gefängnis oder Tod stand. Menschen kämpften gegen Faschisten, als ihre Regierungen noch Verträge mit ihnen schlossen. Der spätere Sieg gab den Staaten die Gelegenheit, sich mit diesem Mut zu schmücken. Wer am Ende dieselbe Uniformfarbe trug, bekam rückwirkend dieselbe Gesinnung ausgestellt.
So entstand der antifaschistische Westen: nach dem Faschismus. In den Gedenkreden war er immer entschlossen gewesen. In den Schulbüchern hatte er aus den Fehlern der Geschichte gelernt, bevor er sie beging. Seine Grenzen, seine Geschäfte, seine Konferenzen und seine geopferten Länder wurden zu bedauerlichen Randnotizen einer Heldengeschichte. Die Opfer erschienen darin als Grund des Handelns, nachdem sie während ihres Lebens als Grund zum Bedauern behandelt worden waren.
Dieselben Staaten, die ihre ökonomisch und politisch nützlich gewordene Abschaffung der Sklaverei später als moralischen Fortschritt verbuchten, erklärten auch ihren Krieg gegen Hitler nachträglich zur antifaschistischen Rettungstat. Sie handelten, als ihr Kapital, ihre Sicherheit, ihre Imperien und ihre Stellung in der Welt bedroht waren. Danach schrieben sie Menschlichkeit auf die Rechnung und reichten sie der Geschichte ein.
Die Moral kam pünktlich zur Siegerehrung. Während des Verbrechens stand sie an der Grenze und erklärte den Verfolgten ihr tiefstes Bedauern.
Quellen und Hinweise
- Viktor Dorn: Wohlstand auf Menschenknochen
- United States Holocaust Memorial Museum: Die Konferenz von Évian
- Yad Vashem: Die Konferenz von Évian im Juli 1938
- United States Holocaust Memorial Museum: Die Fahrt der St. Louis
- United States Holocaust Memorial Museum: Die Vereinigten Staaten und der Holocaust
- UCL Centre for the Study of the Legacies of British Slavery: Entschädigung britischer Sklavenhalter

