Da einigen unter euch bekannt ist, dass auch mir bald ein Umzug in eine neue Bärenhöhle in einem weit entfernten Wald bevorsteht, schrieb mich jemand aus der Community an.
Ihm geht’s gerade ähnlich – und ehrlich gesagt hatte ich dieses Thema so gar nicht auf dem Schirm.
Er muss berufsbedingt umziehen. Ja, liebe AfD-Fans: berufsbedingt.
So viel zum Stammtischmärchen, Linke würden nicht arbeiten.

Er ist Single und hat sich deshalb schon bei Tinder in seiner neuen Region angemeldet.
Es kam zu einem Match, man schrieb ein wenig – bis diese Nachricht kam:
„Mit über 40 noch mal so weit umziehen? Hast du in deinem Leben nichts erreicht?
Das habe ich mit 16 bis 20 gemacht. Wir passen nicht zusammen.“
Natürlich muss niemand jemanden daten. Darum geht’s gar nicht.
Mich beschäftigt vielmehr die Haltung dahinter. Als gäbe es den einen richtigen Lebenslauf:
Ausbildung, Job, Haus, Familie – und danach bloß nichts mehr verändern.
Aber das Leben spielt selten nach Drehbuch.
Menschen ziehen wegen der Arbeit um, wegen der Liebe, wegen der Familie oder einfach, weil sie noch einmal neu anfangen wollen.
Manche mit 20, manche mit 40 oder 60. Keiner dieser Wege ist weniger wert.
Wir alle tragen solche Denkmuster in uns. Durch Erziehung, Freundeskreis oder unser Umfeld. Das ist erst einmal normal.
Auch Positives lernen wir so – zum Beispiel, dass wir bei Rot an der Ampel stehen bleiben.
Entscheidend ist, ob wir bereit sind, unsere eigenen Überzeugungen regelmäßig zu hinterfragen.
Ich nehme mich da ausdrücklich nicht aus. Geboren in den frühen 1980ern, aufgewachsen in der DDR und später mitten im rechten sächsischen Sumpf der 90er und frühen 2000er. Irgendwann habe ich begriffen:
Immer anderen die Schuld für das eigene Leben zu geben, ist bequem – verbessert aber nichts.
Wir alle haben unterschiedliche Lebenswege.Am Ende sind wir trotzdem einfach Menschen.
Vielleicht sollten wir öfter neugierig nachfragen, statt vorschnell zu urteilen.
.. ✊🐻🪓🔥
#AfDVerbotJetzt

