Bei der AfD läuft wirtschaftspolitisch gern dieselbe Platte: Fabrik macht dicht → Industrie verschwindet → Deutschland bald Kartoffelacker mit WLAN.
Nu ja. So’n Mumpitz.
Denn Wirtschaft verändert sich. Das nennt man Strukturwandel. Und den gibt’s nicht erst, seit irgendwer „Deindustrialisierung“ dreimal vorm Spiegel gesagt hat.
Die Industrialisierung verdrängte massenhaft landwirtschaftliche Arbeit. Maschinen ersetzten Handarbeit. Automatisierung veränderte Fabriken. Computer machten ganze Tätigkeiten überflüssig.

Und solche Umbrüche wurden immer wieder von düsteren Prognosen über Arbeitsplätze, Wohlstand und wirtschaftlichen Niedergang begleitet.
Komischerweise ist die deutsche Wirtschaft immer noch da.
Mehr noch: Gemessen am nominalen BIP liegt Deutschland heute direkt hinter den Wirtschaftsgiganten USA und China.
Das kleine Deutschland. Mit rund 83 Millionen Menschen, vergleichsweise wenig eigenen Rohstoffen und Arbeitnehmerrechten, bei denen „billiger geht immer“ nicht unbedingt als Wirtschaftspolitik durchgeht.
Und trotzdem: eine der größten Volkswirtschaften der Erde.
Auch heute steht die Industrie teilweise unter Druck. Standorte schließen, Beschäftigte verlieren Jobs, internationale Konkurrenz wächst. Das sind reale Probleme. Die kleinzureden wäre genauso Mumpitz.
Aber daraus den Untergang einer ganzen Volkswirtschaft zu stricken, ist Stammtischökonomie mit Sirene.
Denn das reale, kalenderbereinigte BIP lag im 2. Quartal 2026 um 1,0 % über dem Vorjahresquartal.
Und der reale Auftragsbestand im Verarbeitenden Gewerbe lag im Juli sogar 10,9 % über dem Vorjahresmonat – laut Destatis auf Rekordniveau, wobei ein erheblicher Anteil aus dem sonstigen Fahrzeugbau stammt.
Also alles super? Nö.
Aber „Wir erleben Probleme und Strukturwandel“ ist etwas völlig anderes als „Deutschland wird deindustrialisiert und geht unter“.
Eine Volkswirtschaft ist kein Museum. Branchen wachsen, schrumpfen, verschwinden und neue entstehen.
Wandel muss man gestalten: mit Investitionen, moderner Infrastruktur, Forschung und sozialer Absicherung.
Wandel ist nicht Untergang.
Alles andere ist wirtschaftspolitisches Endzeit-Geseier mit Taschenrechner.

