Zitat von Tim Falkenrot am 17. September 2026, 01:13 UhrPETER HAHNE
VOM ZDF-JOURNALISTEN ZUM SPRACHROHR DER RECHTEN MEDIENBLASE
Peter Hahne geht mir schon seit längerer Zeit auf die Nerven. Nicht unbedingt weil er konservativ ist oder die Regierung kritisiert. Auch nicht, weil er unangenehme Fragen stellt. Das gehört zum politischen und journalistischen Geschäft. Interessant ist vielmehr, was aus dem ehemaligen ZDF-Journalisten geworden ist.
Hahne war über Jahrzehnte Teil des öffentlich-rechtlichen Journalismus. heute, heute-journal, Berlin direkt, stellvertretender Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios und bis 2017 seine eigene Talkshow. Ein Mann also, dessen berufliche Biografie untrennbar mit jenem Mediensystem verbunden ist, das er heute regelmäßig attackiert.
Aber nun lohnt sich ein Blick auf seine Entwicklung. Denn Peter Hahne ist nicht eines Morgens aufgewacht und ist plötzlich rechts gewesen. Die Entwicklung begann wesentlich früher. Schon 2015 schrieb Hahne unter der Überschrift „Kein Sozialamt für die Welt“ über Flüchtlinge und Migration. Die Wortwahl sorgte damals für Kritik, weil sie an einen NPD-Wahlkampfslogan erinnerte. Hahne war also schon lange vor Corona konservativ, migrationskritisch und gesellschaftspolitisch deutlich rechts der politischen Mitte. Das sollte man nicht verschweigen.
Aber dann kam Corona. Das scheint bei Hahne etwas beschleunigt zu haben. Aus der Kritik an einzelnen politischen Entscheidungen wurde zunehmend eine fundamentale Abrechnung mit Institutionen.
Medien? Hofberichterstattung. Wissenschaft? Ideologisch. Politik? Manipuliert. Corona-Maßnahmen? Beinahe diktatorisch.
Hahne bewegte sich zunehmend in einem Milieu, in dem nicht mehr nur einzelne Entscheidungen kritisiert wurden, sondern das gesamte politische und mediale System als korrupt, manipuliert oder ideologisch dargestellt wurde. 2021 schrieb Hahne bei Tichys Einblick beispielsweise von einer „gewollten Spaltung unserer Gesellschaft“ und stellte die Behandlung von Corona-Kritikern in einen Zusammenhang mit staatlicher Repression.
Später trat er gemeinsam mit Akteuren des Querdenker- und rechten Medienmilieus auf. Kritik an Corona-Maßnahmen ist nicht extremistisch. Aber wenn aus dieser Kritik ein geschlossenes Weltbild entsteht, in dem Medien, Politik, Wissenschaft und staatliche Institutionen grundsätzlich als Teil einer Verschwörung erscheinen, verändert sich etwas. Dann braucht man irgendwann seine eigene Informationswelt. Und genau dort landet Peter Hahne.
Heute ist er gern gesehener Gast bei NIUS, AUF1, Tichys Einblick und der Jungen Freiheit. Das allein wäre noch kein Beweis für eine politische Radikalisierung. Interessant ist vielmehr, was Hahne dort inzwischen sagt. Bei AUF1 wurde Hahne im Februar 2026 mit einem Gespräch präsentiert, dessen Themenliste sich liest wie ein Inhaltsverzeichnis des gegenwärtigen rechten Kulturkampfes: Corona. „Ideologie“. Gender. Die „Brandmauer“. Eliten. Die AfD.
Hahne sagt dort einen bemerkenswerten Satz:„Nirgendwo haben Sie eine solche Breite von Berufen wie in der AfD.“ Er spricht anschließend davon, der AfD die Chance zu geben zu zeigen, ob sie hält, was sie verspricht. Das ist keine neutrale journalistische Beobachtung. Das ist politische Positionierung. Nein, daraus folgt nicht, dass Peter Hahne AfD-Mitglied ist. Dafür gibt es keinen Beleg. Aber ein Parteibuch ist auch nicht notwendig, um politische Nähe zu erkennen.
Noch deutlicher wird es bei NIUS. Im September 2026 attackierte Hahne die Grünen wegen ihrer positiven Aussagen über Menschen mit Migrationsgeschichte. Dabei sagte er ausdrücklich, dass es ihm nicht um Menschen gehe, die sich integrieren, Deutsch lernen, arbeiten und sich an die Gesetze halten. Das ist eine wichtige Differenzierung. Aber anschließend stellte er die Migrationsdebatte stark über ausreisepflichtige Migranten und Abschiebungen dar. Dann lobte er den AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund: „Man muss den ja nicht verherrlichen. Aber der Mann ist mitten im Volk.“
Das muss man nicht interpretieren. Das hat Hahne selbst gesagt. Aber genau hier würde ich auch mit dem Begriff „Rassist“ vorsichtig umgehen. Hahnes Migrationsrhetorik ist nicht unproblematisch, aber wir sind ja analytisch stärker, wenn wir konkret bleiben. Wir müssen ihm nicht einfach ein Etikett aufkleben. Wir können zeigen, welche Narrative er bedient.
Migration wird mit Kontrollverlust verbunden. Politische Gegner werden als realitätsfern dargestellt. Die AfD wird als authentische Stimme des Volkes präsentiert. Die Brandmauer wird zum undemokratischen Hindernis erklärt. Gleichzeitig wird das etablierte politische und mediale System als ideologisch und volksfern beschrieben. Das ist ein ziemlich geschlossenes politisches Weltbild.
Und dann kommt Russland.
Peter Hahne ist nicht einfach deshalb ein „Putin-Fan“, weil er Diplomatie fordert oder Waffenlieferungen kritisiert. Friedenspolitik ist kein rechtes Eigentum. Aber auch hier zählt das Gesamtbild. Hahne tritt in einem politischen Umfeld auf, in dem westliche Unterstützung für die Ukraine, die NATO und die deutsche Russlandpolitik regelmäßig als Kriegstreiberei dargestellt werden.
Seine Forderung nach „Frieden“ steht damit zunehmend in einem politischen Deutungsrahmen, der sich mit dem rechten und russlandfreundlichen Milieu überschneidet. Das bedeutet nicht automatisch, dass Hahne russische Propaganda betreibt. Es bedeutet aber, dass seine Positionen in einem politischen Umfeld anschlussfähig sind, in dem genau solche Narrative eine zentrale Rolle spielen.
Damit sind wir bei der eigentlichen Frage: Was ist aus Peter Hahne geworden?
Ich glaube nicht, dass irgendwann ein kleiner Rechtsextremist aus ihm herausgebrochen ist. Das wäre viel zu einfach. Viel interessanter ist eine andere Entwicklung. Peter Hahne scheint seine eigene politische Verschiebung nicht als Verschiebung wahrzunehmen. Er sieht sich vermutlich nicht als jemanden, der nach rechts gerückt ist. Er sieht sich als jemanden, der „endlich ausspricht, was andere nicht mehr sagen dürfen“. Das ist ein entscheidender Mechanismus. Nicht ich habe mich verändert**, die anderen sind nach links gerückt.** Ich bin nicht radikaler geworden**, die Gesellschaft ist verrückt geworden.** Meine Positionen haben sich verschoben**, die Medien sind ideologisch geworden.**
Damit lässt sich fast jede politische Radikalisierung als persönliches Erwachen verkaufen. Deshalb finde ich die Geschichte von Peter Hahne so interessant. Denn hier haben wir keinen anonymen Telegram-Account oder einen 25-jährigen YouTuber, der irgendwann entdeckt hat, dass Empörung Klicks bringt. Wir haben einen ehemaligen ZDF‑Journalisten. Einen Mann, der jahrzehntelang Teil des etablierten Journalismus war und heute seine alte journalistische Autorität nutzt, um genau dieses System zu bekämpfen.
Er sitzt bei NIUS, bei AUF1, spricht mit der Jungen Freiheit, kritisiert die Brandmauer, stellt die AfD positiv dar, verbindet Migration mit Kontrollverlust, erklärt Corona zur historischen Katastrophe und ruft sein Publikum zum politischen „Aufstand gegen Idiotie und Ideologie“ auf.
Das ist keine journalistische Beobachtung mehr, sondern politische Aktivität. Peter Hahne ist also nicht einfach „vom ZDF nach rechts abgebogen“. Er ist ein Beispiel dafür, wie ein ehemaliger Vertreter des etablierten Mediensystems selbst Teil eines neuen rechten Mediensystems werden kann.
Die interessanteste Frage ist, wie viel journalistische Glaubwürdigkeit übrig bleibt, wenn die alte berufliche Autorität benutzt wird, um ein völlig anderes politisches Weltbild zu verkaufen? Peter Hahne muss darauf keine Antwort geben.
Seine öffentlichen Auftritte geben bereits eine ziemlich deutliche.
PETER HAHNE
VOM ZDF-JOURNALISTEN ZUM SPRACHROHR DER RECHTEN MEDIENBLASE
Peter Hahne geht mir schon seit längerer Zeit auf die Nerven. Nicht unbedingt weil er konservativ ist oder die Regierung kritisiert. Auch nicht, weil er unangenehme Fragen stellt. Das gehört zum politischen und journalistischen Geschäft. Interessant ist vielmehr, was aus dem ehemaligen ZDF-Journalisten geworden ist.
Hahne war über Jahrzehnte Teil des öffentlich-rechtlichen Journalismus. heute, heute-journal, Berlin direkt, stellvertretender Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios und bis 2017 seine eigene Talkshow. Ein Mann also, dessen berufliche Biografie untrennbar mit jenem Mediensystem verbunden ist, das er heute regelmäßig attackiert.
Aber nun lohnt sich ein Blick auf seine Entwicklung. Denn Peter Hahne ist nicht eines Morgens aufgewacht und ist plötzlich rechts gewesen. Die Entwicklung begann wesentlich früher. Schon 2015 schrieb Hahne unter der Überschrift „Kein Sozialamt für die Welt“ über Flüchtlinge und Migration. Die Wortwahl sorgte damals für Kritik, weil sie an einen NPD-Wahlkampfslogan erinnerte. Hahne war also schon lange vor Corona konservativ, migrationskritisch und gesellschaftspolitisch deutlich rechts der politischen Mitte. Das sollte man nicht verschweigen.
Aber dann kam Corona. Das scheint bei Hahne etwas beschleunigt zu haben. Aus der Kritik an einzelnen politischen Entscheidungen wurde zunehmend eine fundamentale Abrechnung mit Institutionen.
Medien? Hofberichterstattung. Wissenschaft? Ideologisch. Politik? Manipuliert. Corona-Maßnahmen? Beinahe diktatorisch.
Hahne bewegte sich zunehmend in einem Milieu, in dem nicht mehr nur einzelne Entscheidungen kritisiert wurden, sondern das gesamte politische und mediale System als korrupt, manipuliert oder ideologisch dargestellt wurde. 2021 schrieb Hahne bei Tichys Einblick beispielsweise von einer „gewollten Spaltung unserer Gesellschaft“ und stellte die Behandlung von Corona-Kritikern in einen Zusammenhang mit staatlicher Repression.
Später trat er gemeinsam mit Akteuren des Querdenker- und rechten Medienmilieus auf. Kritik an Corona-Maßnahmen ist nicht extremistisch. Aber wenn aus dieser Kritik ein geschlossenes Weltbild entsteht, in dem Medien, Politik, Wissenschaft und staatliche Institutionen grundsätzlich als Teil einer Verschwörung erscheinen, verändert sich etwas. Dann braucht man irgendwann seine eigene Informationswelt. Und genau dort landet Peter Hahne.
Heute ist er gern gesehener Gast bei NIUS, AUF1, Tichys Einblick und der Jungen Freiheit. Das allein wäre noch kein Beweis für eine politische Radikalisierung. Interessant ist vielmehr, was Hahne dort inzwischen sagt. Bei AUF1 wurde Hahne im Februar 2026 mit einem Gespräch präsentiert, dessen Themenliste sich liest wie ein Inhaltsverzeichnis des gegenwärtigen rechten Kulturkampfes: Corona. „Ideologie“. Gender. Die „Brandmauer“. Eliten. Die AfD.
Hahne sagt dort einen bemerkenswerten Satz:„Nirgendwo haben Sie eine solche Breite von Berufen wie in der AfD.“ Er spricht anschließend davon, der AfD die Chance zu geben zu zeigen, ob sie hält, was sie verspricht. Das ist keine neutrale journalistische Beobachtung. Das ist politische Positionierung. Nein, daraus folgt nicht, dass Peter Hahne AfD-Mitglied ist. Dafür gibt es keinen Beleg. Aber ein Parteibuch ist auch nicht notwendig, um politische Nähe zu erkennen.
Noch deutlicher wird es bei NIUS. Im September 2026 attackierte Hahne die Grünen wegen ihrer positiven Aussagen über Menschen mit Migrationsgeschichte. Dabei sagte er ausdrücklich, dass es ihm nicht um Menschen gehe, die sich integrieren, Deutsch lernen, arbeiten und sich an die Gesetze halten. Das ist eine wichtige Differenzierung. Aber anschließend stellte er die Migrationsdebatte stark über ausreisepflichtige Migranten und Abschiebungen dar. Dann lobte er den AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund: „Man muss den ja nicht verherrlichen. Aber der Mann ist mitten im Volk.“
Das muss man nicht interpretieren. Das hat Hahne selbst gesagt. Aber genau hier würde ich auch mit dem Begriff „Rassist“ vorsichtig umgehen. Hahnes Migrationsrhetorik ist nicht unproblematisch, aber wir sind ja analytisch stärker, wenn wir konkret bleiben. Wir müssen ihm nicht einfach ein Etikett aufkleben. Wir können zeigen, welche Narrative er bedient.
Migration wird mit Kontrollverlust verbunden. Politische Gegner werden als realitätsfern dargestellt. Die AfD wird als authentische Stimme des Volkes präsentiert. Die Brandmauer wird zum undemokratischen Hindernis erklärt. Gleichzeitig wird das etablierte politische und mediale System als ideologisch und volksfern beschrieben. Das ist ein ziemlich geschlossenes politisches Weltbild.
Und dann kommt Russland.
Peter Hahne ist nicht einfach deshalb ein „Putin-Fan“, weil er Diplomatie fordert oder Waffenlieferungen kritisiert. Friedenspolitik ist kein rechtes Eigentum. Aber auch hier zählt das Gesamtbild. Hahne tritt in einem politischen Umfeld auf, in dem westliche Unterstützung für die Ukraine, die NATO und die deutsche Russlandpolitik regelmäßig als Kriegstreiberei dargestellt werden.
Seine Forderung nach „Frieden“ steht damit zunehmend in einem politischen Deutungsrahmen, der sich mit dem rechten und russlandfreundlichen Milieu überschneidet. Das bedeutet nicht automatisch, dass Hahne russische Propaganda betreibt. Es bedeutet aber, dass seine Positionen in einem politischen Umfeld anschlussfähig sind, in dem genau solche Narrative eine zentrale Rolle spielen.
Damit sind wir bei der eigentlichen Frage: Was ist aus Peter Hahne geworden?
Ich glaube nicht, dass irgendwann ein kleiner Rechtsextremist aus ihm herausgebrochen ist. Das wäre viel zu einfach. Viel interessanter ist eine andere Entwicklung. Peter Hahne scheint seine eigene politische Verschiebung nicht als Verschiebung wahrzunehmen. Er sieht sich vermutlich nicht als jemanden, der nach rechts gerückt ist. Er sieht sich als jemanden, der „endlich ausspricht, was andere nicht mehr sagen dürfen“. Das ist ein entscheidender Mechanismus. Nicht ich habe mich verändert**, die anderen sind nach links gerückt.** Ich bin nicht radikaler geworden**, die Gesellschaft ist verrückt geworden.** Meine Positionen haben sich verschoben**, die Medien sind ideologisch geworden.**
Damit lässt sich fast jede politische Radikalisierung als persönliches Erwachen verkaufen. Deshalb finde ich die Geschichte von Peter Hahne so interessant. Denn hier haben wir keinen anonymen Telegram-Account oder einen 25-jährigen YouTuber, der irgendwann entdeckt hat, dass Empörung Klicks bringt. Wir haben einen ehemaligen ZDF‑Journalisten. Einen Mann, der jahrzehntelang Teil des etablierten Journalismus war und heute seine alte journalistische Autorität nutzt, um genau dieses System zu bekämpfen.
Er sitzt bei NIUS, bei AUF1, spricht mit der Jungen Freiheit, kritisiert die Brandmauer, stellt die AfD positiv dar, verbindet Migration mit Kontrollverlust, erklärt Corona zur historischen Katastrophe und ruft sein Publikum zum politischen „Aufstand gegen Idiotie und Ideologie“ auf.
Das ist keine journalistische Beobachtung mehr, sondern politische Aktivität. Peter Hahne ist also nicht einfach „vom ZDF nach rechts abgebogen“. Er ist ein Beispiel dafür, wie ein ehemaliger Vertreter des etablierten Mediensystems selbst Teil eines neuen rechten Mediensystems werden kann.
Die interessanteste Frage ist, wie viel journalistische Glaubwürdigkeit übrig bleibt, wenn die alte berufliche Autorität benutzt wird, um ein völlig anderes politisches Weltbild zu verkaufen? Peter Hahne muss darauf keine Antwort geben.
Seine öffentlichen Auftritte geben bereits eine ziemlich deutliche.
