PARTEI DER HUMANISTEN
Fakten. Freiheit. Fortschritt.
Wie viel Staat braucht eine freie Gesellschaft?
Sie nennt sich Partei der Humanisten. Ihr politisches Fundament klingt zunächst ziemlich sympathisch. Wissenschaft statt Bauchgefühl, individuelle Freiheit, Menschenrechte und eine konsequente Trennung von Staat und Religion.
Doch was steckt dahinter?
Die Partei der Humanisten, kurz PdH, wurde 2014 gegründet. Bei der Bundestagswahl 2025 trat sie in vier Bundesländern an. Ihr eigener Anspruch ist, Politik soll sich stärker an wissenschaftlichen Erkenntnissen orientieren und nicht an Ideologie, Tradition oder bloßen Behauptungen. Das zeigt sich besonders bei gesellschaftspolitischen Fragen.
Die PdH will Schwangerschaftsabbrüche und Leihmutterschaft legalisieren, Drogen entkriminalisieren und die Kirchensteuer abschaffen. Religiösen Unterricht möchte sie durch Ethikunterricht ersetzen. Auch bei Fragen persönlicher Lebensführung setzt die Partei stark auf individuelle Selbstbestimmung.
Bis hierhin klingt das nach einem konsequenten Liberalismus. Interessant aber wird es beim Staat.
Denn die Humanisten wollen keineswegs einfach einen möglichst kleinen Staat. Kritische Infrastruktur wie Strom- und Gasnetze, Straßen und Schienen soll in staatlicher Hand bleiben. Auch Krankenhäuser sollen öffentlich organisiert werden. Gleichzeitig fordert die Partei eine allgemeine Gesundheitsversicherung, bessere Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen und Maßnahmen gegen soziale Probleme wie Obdachlosigkeit.
Auch beim Klimaschutz setzt die PdH nicht auf einen Rückzug des Staates. Sie fordert eine faktenbasierte Klimapolitik, will den Emissionshandel ausweiten und ein Klimageld einführen. Beim Wohnen setzt sie auf bezahlbaren Wohnraum und Housing First. Außerdem gehört ein Grundeinkommen zu ihren Forderungen.
Damit unterscheidet sie sich deutlich von den Libertären aus unserem ersten Parteiencheck. Während DIE LIBERTÄREN den Staat möglichst weit zurückdrängen wollen, akzeptiert die PdH einen starken Staat dort, wo sie öffentliche Interessen und Grundversorgung betroffen sieht. Das macht sie politisch schwerer einzuordnen. Sie ist gesellschaftspolitisch ausgesprochen liberal. Wirtschaftspolitisch setzt sie auf Wettbewerb und marktwirtschaftliche Instrumente, ist aber keineswegs gegen staatliche Verantwortung. Gleichzeitig verbindet sie ihre Freiheitsidee mit einem Anspruch auf soziale Absicherung.
Hier liegt ein interessanter Punkt. Politik nach wissenschaftlichen Erkenntnissen klingt zunächst nach einer ziemlich vernünftigen Idee. Wissenschaft kann uns allerdings nicht sagen, welche politischen Ziele eine Gesellschaft verfolgen soll. Sie kann erklären, welche Folgen eine bestimmte Maßnahme wahrscheinlich hat. Ob wir dafür mehr Steuern, mehr Staat, mehr Umverteilung oder mehr individuelle Freiheit wollen, ist letztlich eine politische und gesellschaftliche Entscheidung.
Die PdH versucht also, Politik stärker zu rationalisieren. Das kann eine Stärke sein, weil Fakten gegenüber Desinformation und politischem Bauchgefühl an Bedeutung gewinnen. Es kann aber auch problematisch werden, wenn aus wissenschaftlicher Erkenntnis plötzlich der Anspruch entsteht, politische Wertentscheidungen seien nur noch eine Frage der richtigen Daten.
Denn Demokratie besteht nicht nur daraus, die richtige Antwort zu berechnen. Sie besteht auch darin, darüber zu streiten, welche Gesellschaft wir überhaupt wollen.
Mein Fazit
Die Partei der Humanisten ist keine zweite FDP und auch keine libertäre Partei. Sie verbindet gesellschaftliche Freiheit mit einem handlungsfähigen Staat und einem starken Vertrauen in Wissenschaft und Rationalität. Einige ihrer Forderungen sind ausgesprochen progressiv, andere deutlich wirtschaftsliberal. Gerade deshalb ist sie interessant. Wer nur in den Kategorien „links“ und „rechts“ denkt, wird bei der PdH schnell an Grenzen stoßen. Vielleicht ist genau das die spannendste Erkenntnis dieses Parteienchecks. Politische Parteien passen nicht immer sauber in Schubladen. Manchmal muss man tatsächlich ihr Programm lesen.
Was für ein revolutionärer Gedanke.

