Zitat von Tim Falkenrot am 3. Oktober 2026, 16:33 UhrICH BIN WÜTEND.
Wütend darüber, weil ich unter einem Bericht über die Wahl zur Oberbürgermeisterin in Göttingen Onyeka Oshionwu Kommentare lese, bei denen einem langsam die Worte fehlen.
„Haben wir keine deutschen Politiker mehr?“
„Gibt es noch Kandidaten mit deutschen Namen?“
„Sind das eigentlich Deutsche?“
„Liegt Göttingen in Afrika?“
„Deutschland hat fertig.“
„Niedersachsen ist verloren.“
„Ihr habt sie doch nicht mehr alle.“
Und einer schreibt sinngemäß, Deutschland und seine Städte würden „übernommen“ und irgendwann würden die „Landsleute“ dieser Menschen die Politik bestimmen.
Das ist nicht einfach Kritik an den Grünen. Das ist völkisches Denken! Da wird ein Mensch nicht mehr danach beurteilt, was er kann, was er politisch will oder was er für seine Stadt leistet. Da wird der Name zum Problem, die vermutete Herkunft, das Aussehen und die Abstammung. Plötzlich steht die Frage im Raum, ob jemand überhaupt „deutsch genug“ ist, um ein politisches Amt auszuüben.
Dabei hat Göttingen eine Oberbürgermeisterin gewählt. Demokratisch und ganz offiziell. Die Göttingerinnen und Göttinger haben entschieden. Sie haben Onyeka Oshionwu in der Stichwahl mit rund 63 Prozent zur Oberbürgermeisterin gewählt.
Das ist Deutschland! Nicht das Deutschland, das manche offenbar gerne hätten. Ein ethnisch sortiertes Deutschland, in dem ein bestimmter Nachname darüber entscheidet, wem ein Amt zusteht. Sondern das Deutschland unserer Verfassung, in dem die Würde des Menschen nicht vom Stammbaum abhängt und in dem politische Ämter nicht nach Hautfarbe, Nachnamen oder vermeintlicher Abstammung vergeben werden.
Deswegen machen mich diese Kommentare so wütend. Denn ich kenne diesen Mist nicht erst seit gestern. Ich lese ihn seit Jahren und er wird immer offener, hemmungsloser. Immer häufiger wird er nicht einmal mehr versteckt.
Das ist das eigentlich Erschreckende. Menschen schreiben öffentlich, dass sie keine Politiker mit bestimmten Namen mehr wollen. Sie sprechen von „Übernahme“, fragen, ob Menschen überhaupt Deutsche seien. Dann bekommt dieser Unsinn nicht zwei Likes von irgendwelchen völlig durchgedrehten Einzelpersonen. Teilweise sind es Hunderte Likes.
Ein Kommentar darüber, dass man die Namen deutscher Politiker bald nicht mehr aussprechen könne, bekommt über 1.100 Likes. „Niedersachsen ist verloren“ bekommt über 1.300 Likes. „Ihr habt sie doch nicht mehr alle“ bekommt über 900 Likes.
Das bedeutet nicht, dass jeder dieser Menschen jede rassistische Aussage identisch versteht aber es zeigt, dass solche Aussagen längst nicht mehr nur irgendwo im dunkelsten Winkel des Internets herumliegen. Sie sind anschlussfähig geworden!
Denn natürlich kommt dieser Hass nicht aus dem Nichts. Seit Jahren arbeitet die extreme Rechte daran, die Gesellschaft in „wir“ und „die“ zu zerlegen. In „echte Deutsche“ und diejenigen, die angeblich nicht dazugehören. „Einheimische“ und „Fremde“.
Menschen, die angeblich ein Recht auf dieses Land haben, und Menschen, die sich dieses Recht erst verdienen müssten. Die AfD hat solche völkischen Vorstellungen nicht erfunden aber sie hat ihnen eine enorme politische Bühne verschafft.
Der Verfassungsschutz beschreibt in seinem Bericht für 2024 bei der AfD ausdrücklich ein ethnisch-abstammungsmäßig geprägtes Volksverständnis und die Verwendung von Erzählungen vom angeblichen „Bevölkerungsaustausch“ und der „Ersetzungsmigration“ und die Bundeszentrale für politische Bildung beschreibt die Entwicklung der AfD als zunehmende Radikalisierung und verweist ebenfalls auf völkisch-nationalistische Vorstellungen von nationaler und kultureller Zugehörigkeit.
Das Gift wirkt.
Es wirkt dort, wo Menschen anfangen, ihre Nachbarn nach ihrem Nachnamen zu sortieren. Dort, wo eine demokratisch gewählte Oberbürgermeisterin nicht nach ihrer Politik beurteilt wird, sondern danach, ob ihr Name „deutsch genug“ klingt und dort, wo jemand behauptet, Deutschland werde „übernommen“, nur weil Menschen mit Einwanderungsgeschichte selbstverständlich Teil dieses Landes sind, wo solche Aussagen nicht mehr mit Scham ausgesprochen werden. Mit einem lachenden Emoji, hundert Likes, tausend Likes.
Ich habe keine Lust mehr, jedes Mal so zu tun, als wäre das alles nur ein bisschen „provokant“. Nein!
Wenn Menschen anderen Menschen aufgrund ihres Namens, ihrer Herkunft oder ihres Aussehens die Zugehörigkeit zu diesem Land absprechen, dann ist das rassistisch. Wenn Menschen davon sprechen, dass Deutschland „übernommen“ werde, dann steckt dahinter ein völkisches Verständnis von Gesellschaft. Wenn solche Aussagen massenhaft Zustimmung bekommen, dann sollten wir nicht darüber diskutieren, ob wir vielleicht etwas zu empfindlich reagieren. Wir sollten darüber reden, warum diese Scheiße wieder so selbstverständlich geworden ist!
Ich will ein Deutschland, in dem ein Mensch Oberbürgermeisterin werden kann, weil Menschen ihr zutrauen, diese Stadt zu führen.
Nicht weil ihr Nachname Müller, Schmidt oder Fischer lautet oder ihre Eltern irgendwo in Deutschland geboren wurden und sie in irgendeine rassistische Schablone passt. Sondern weil sie als Mensch und Politikerin überzeugt.
Rassismus wird nicht dadurch weniger rassistisch, dass er inzwischen 1.100 Likes bekommt.
Er wird dadurch nur sichtbarer.
ICH BIN WÜTEND.
Wütend darüber, weil ich unter einem Bericht über die Wahl zur Oberbürgermeisterin in Göttingen Onyeka Oshionwu Kommentare lese, bei denen einem langsam die Worte fehlen.
„Haben wir keine deutschen Politiker mehr?“
„Gibt es noch Kandidaten mit deutschen Namen?“
„Sind das eigentlich Deutsche?“
„Liegt Göttingen in Afrika?“
„Deutschland hat fertig.“
„Niedersachsen ist verloren.“
„Ihr habt sie doch nicht mehr alle.“
Und einer schreibt sinngemäß, Deutschland und seine Städte würden „übernommen“ und irgendwann würden die „Landsleute“ dieser Menschen die Politik bestimmen.
Das ist nicht einfach Kritik an den Grünen. Das ist völkisches Denken! Da wird ein Mensch nicht mehr danach beurteilt, was er kann, was er politisch will oder was er für seine Stadt leistet. Da wird der Name zum Problem, die vermutete Herkunft, das Aussehen und die Abstammung. Plötzlich steht die Frage im Raum, ob jemand überhaupt „deutsch genug“ ist, um ein politisches Amt auszuüben.
Dabei hat Göttingen eine Oberbürgermeisterin gewählt. Demokratisch und ganz offiziell. Die Göttingerinnen und Göttinger haben entschieden. Sie haben Onyeka Oshionwu in der Stichwahl mit rund 63 Prozent zur Oberbürgermeisterin gewählt.
Das ist Deutschland! Nicht das Deutschland, das manche offenbar gerne hätten. Ein ethnisch sortiertes Deutschland, in dem ein bestimmter Nachname darüber entscheidet, wem ein Amt zusteht. Sondern das Deutschland unserer Verfassung, in dem die Würde des Menschen nicht vom Stammbaum abhängt und in dem politische Ämter nicht nach Hautfarbe, Nachnamen oder vermeintlicher Abstammung vergeben werden.
Deswegen machen mich diese Kommentare so wütend. Denn ich kenne diesen Mist nicht erst seit gestern. Ich lese ihn seit Jahren und er wird immer offener, hemmungsloser. Immer häufiger wird er nicht einmal mehr versteckt.
Das ist das eigentlich Erschreckende. Menschen schreiben öffentlich, dass sie keine Politiker mit bestimmten Namen mehr wollen. Sie sprechen von „Übernahme“, fragen, ob Menschen überhaupt Deutsche seien. Dann bekommt dieser Unsinn nicht zwei Likes von irgendwelchen völlig durchgedrehten Einzelpersonen. Teilweise sind es Hunderte Likes.
Ein Kommentar darüber, dass man die Namen deutscher Politiker bald nicht mehr aussprechen könne, bekommt über 1.100 Likes. „Niedersachsen ist verloren“ bekommt über 1.300 Likes. „Ihr habt sie doch nicht mehr alle“ bekommt über 900 Likes.
Das bedeutet nicht, dass jeder dieser Menschen jede rassistische Aussage identisch versteht aber es zeigt, dass solche Aussagen längst nicht mehr nur irgendwo im dunkelsten Winkel des Internets herumliegen. Sie sind anschlussfähig geworden!
Denn natürlich kommt dieser Hass nicht aus dem Nichts. Seit Jahren arbeitet die extreme Rechte daran, die Gesellschaft in „wir“ und „die“ zu zerlegen. In „echte Deutsche“ und diejenigen, die angeblich nicht dazugehören. „Einheimische“ und „Fremde“.
Menschen, die angeblich ein Recht auf dieses Land haben, und Menschen, die sich dieses Recht erst verdienen müssten. Die AfD hat solche völkischen Vorstellungen nicht erfunden aber sie hat ihnen eine enorme politische Bühne verschafft.
Der Verfassungsschutz beschreibt in seinem Bericht für 2024 bei der AfD ausdrücklich ein ethnisch-abstammungsmäßig geprägtes Volksverständnis und die Verwendung von Erzählungen vom angeblichen „Bevölkerungsaustausch“ und der „Ersetzungsmigration“ und die Bundeszentrale für politische Bildung beschreibt die Entwicklung der AfD als zunehmende Radikalisierung und verweist ebenfalls auf völkisch-nationalistische Vorstellungen von nationaler und kultureller Zugehörigkeit.
Das Gift wirkt.
Es wirkt dort, wo Menschen anfangen, ihre Nachbarn nach ihrem Nachnamen zu sortieren. Dort, wo eine demokratisch gewählte Oberbürgermeisterin nicht nach ihrer Politik beurteilt wird, sondern danach, ob ihr Name „deutsch genug“ klingt und dort, wo jemand behauptet, Deutschland werde „übernommen“, nur weil Menschen mit Einwanderungsgeschichte selbstverständlich Teil dieses Landes sind, wo solche Aussagen nicht mehr mit Scham ausgesprochen werden. Mit einem lachenden Emoji, hundert Likes, tausend Likes.
Ich habe keine Lust mehr, jedes Mal so zu tun, als wäre das alles nur ein bisschen „provokant“. Nein!
Wenn Menschen anderen Menschen aufgrund ihres Namens, ihrer Herkunft oder ihres Aussehens die Zugehörigkeit zu diesem Land absprechen, dann ist das rassistisch. Wenn Menschen davon sprechen, dass Deutschland „übernommen“ werde, dann steckt dahinter ein völkisches Verständnis von Gesellschaft. Wenn solche Aussagen massenhaft Zustimmung bekommen, dann sollten wir nicht darüber diskutieren, ob wir vielleicht etwas zu empfindlich reagieren. Wir sollten darüber reden, warum diese Scheiße wieder so selbstverständlich geworden ist!
Ich will ein Deutschland, in dem ein Mensch Oberbürgermeisterin werden kann, weil Menschen ihr zutrauen, diese Stadt zu führen.
Nicht weil ihr Nachname Müller, Schmidt oder Fischer lautet oder ihre Eltern irgendwo in Deutschland geboren wurden und sie in irgendeine rassistische Schablone passt. Sondern weil sie als Mensch und Politikerin überzeugt.
Rassismus wird nicht dadurch weniger rassistisch, dass er inzwischen 1.100 Likes bekommt.
Er wird dadurch nur sichtbarer.
