Sicher habt ihr schon mehrfach diese verkürzten Hetzbeiträge von AfD MdB’s gesehen und gelesen. Einer davon ist folgender:
30 Vermummte greifen in Hamburg Fußballfans an. Die Ermittlungen laufen noch. Niemand weiß bisher, wer genau dahintersteckt.
Für die AfD und ihre Social-Media-Blase reicht das trotzdem aus. Kaum fällt das Wort „Nazi-Schweine“, steht das Urteil fest: Die Antifa war’s.
Beweise? Braucht man nicht.
Ermittlungen? Überflüssig.
Fakten? Stören nur die Erzählung.
Immer wieder läuft das gleiche Drehbuch ab. Erst wird auf Verdacht gehetzt, dann wird jede Spekulation als Wahrheit verkauft und wenn später neue Erkenntnisse auftauchen, wird es plötzlich ganz still.
Dabei ist die Wirklichkeit komplizierter als die Propaganda.
Ja, es gibt gewaltbereite Linke und Menschen, die Fußballfans pauschal als rechte Biersäufer abstempeln. Das ist genauso dumm wie jeden vermummten Schläger automatisch der Antifa zuzurechnen.
Und ja, es gibt rechtsextreme Gruppen in manchen Fanszenen. Das weiß jeder, der sich mit dem Thema beschäftigt. Aber diese Neonazis sind keine Vertreter des Fußballs. Sie missbrauchen ihn als Bühne für ihre Ideologie.
Die Vereine, die Verbände und unzählige Fangruppen distanzieren sich seit Jahren von Rassismus, Antisemitismus und rechter Gewalt. Nur wird darüber selten gesprochen, weil Empörung mehr Klicks bringt als Realität.
Wer wirklich demokratisch denkt, wartet auf Beweise, bevor er Schuldige benennt.
Wer das nicht tut, betreibt keine Aufklärung. Er betreibt Propaganda.
Jahrelang wurde den eigenen Anhängern eingeredet, Medien seien grundsätzlich unglaubwürdig, Wissenschaft sei politisch gesteuert und Fakten seien nur eine Frage der Perspektive. Übrig bleibt eine Welt, in der die Partei ihre eigene Quelle ist.
Warum bekämpft man unabhängige Medien?
Warum träumt man von der Zerschlagung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks?
Warum wird politische Bildung an Schulen als Feindbild dargestellt?
Schulen sind nicht verpflichtet, gegenüber Demokratie neutral zu sein. Lehrer müssen keine Neutralität gegenüber Menschenfeindlichkeit, Rassismus oder Rechtsextremismus wahren.
Ihre Aufgabe ist es, junge Menschen zu mündigen Bürgern zu machen und sie über Gefahren für die demokratische Grundordnung aufzuklären.
Genau deshalb trifft die AfD politische Bildung so ins Mark.
Denn wer informiert ist, erkennt die Muster.
Die ständigen Angriffe auf Medien, Relativierungen, Geschichtsverdrehungen, nationalistischen Erzählungen. Die permanente Suche nach Feindbildern.
Und wenn dann jemand auf diese Entwicklungen hinweist, wird empört gefragt, wie man überhaupt auf Vergleiche zum Nationalsozialismus kommen könne.
Nicht Kritiker haben diese Parallelen geschaffen.
Viele AfD-Politiker liefern sie selbst. Immer wieder und öffentlich nachlesbar.
Demokratie lebt von Fakten.
Propaganda lebt davon, dass niemand mehr nach ihnen fragt.
Ich bin Tim Falkenrot. Ich schreibe über Politik, Gesellschaft, Medien und über die Entwicklungen, die mir in unserer Gesellschaft zunehmend Sorgen machen.
Dabei geht es mir nicht darum, jedem zu gefallen oder mich irgendwo bequem einzusortieren. Ich habe eine klare politische Haltung und stehe zu ihr. Ich bin antifaschistisch, sozial orientiert und überzeugt davon, dass eine demokratische Gesellschaft mehr braucht als das bloße Abgeben eines Stimmzettels alle paar Jahre.
Mich interessiert vor allem, was hinter politischen Schlagworten und einfachen Antworten steckt. Wie entstehen politische Erzählungen? Warum funktionieren bestimmte Botschaften so gut? Warum glauben Menschen Behauptungen, die einer einfachen Überprüfung kaum standhalten? Und welche Rolle spielen soziale Medien dabei?
Gerade die Entwicklung der vergangenen Jahre hat mir gezeigt, wie schnell aus einzelnen Behauptungen ganze Weltbilder entstehen können. Algorithmen belohnen Aufmerksamkeit, Empörung und Zuspitzung. Wer immer wieder ähnliche Inhalte konsumiert, landet nicht selten in einer digitalen Blase, in der irgendwann jede neue Behauptung zur vermeintlichen Bestätigung der eigenen Sichtweise wird.
Genau dort möchte ich genauer hinschauen.
Ich beschäftige mich deshalb intensiv mit rechter Kommunikation, der AfD, rechten Influencern und den Mediennetzwerken, die politische Inhalte verbreiten und miteinander verbinden. Dabei interessiert mich nicht nur die offensichtliche Hetze. Spannender sind oft die scheinbar harmlosen Übergänge: der vermeintlich „kritische“ Beitrag, die geschickt platzierte Halbwahrheit, das Video mit dem seriösen Anstrich oder der Influencer, der sich selbst als unabhängigen Aufklärer präsentiert.
Aber Widerspruch bedeutet für mich nicht, die eigene politische Seite von jeder Kritik auszunehmen. Auch linke Politik und linke Bewegungen müssen sich Kritik gefallen lassen. Politische Haltung bedeutet für mich nicht, eine eigene Bubble gegen jede Einordnung zu verteidigen. Sie bedeutet auch, Fehler zu erkennen, unbequeme Fragen auszuhalten und die eigene Position gelegentlich zu überprüfen.
Ich komme dabei nicht aus einer politischen Elfenbeinturm-Perspektive. Mein Blick auf Politik ist stark durch meinen Alltag und meine Erfahrungen als Arbeitnehmer geprägt. Arbeit, soziale Gerechtigkeit, Löhne, Tarifpolitik, Mitbestimmung und die Frage, wie politische Entscheidungen tatsächlich im Leben ganz normaler Menschen ankommen, gehören deshalb genauso zu meinen Themen.
Ich erhebe dabei keinen Anspruch darauf, die Welt allein erklären zu können. Aber ich möchte genauer hinschauen, Fragen stellen und dort widersprechen, wo aus Vereinfachung Manipulation wird und aus Meinung vermeintliche Wahrheit.
Klar denken. Haltung zeigen. Widerspruch wagen.
Das ist Falkenrot.
„Wo Meinung als Wahrheit verkauft wird, beginnt für mich der Widerspruch.“
Tim Falkenrot
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