
Umberto Eco (1932-2016) identifizierte 14 Merkmale des „Ur-Faschismus“ und veröffentlichte, diese 1995, in einem Essay. Er ging davon aus, das nicht alle Merkmals vorhanden sein müssen, um von Faschismus zu sprechen.
- Kult der Tradition: Wahrheit gilt als ein für alle Mal in der Vergangenheit verkündet. Fortschritt wird abgelehnt, stattdessen wird auf vermeintlich alte Weisheiten zurückgegriffen.
- Ablehnung der Moderne: Aufklärung, Rationalismus und moderne Werte (wie die Ideale von 1789) werden als Verfall und Niedergang betrachtet.
- Kult der Aktion: Handeln wird über das Denken gestellt. Intellektuelle Reflexion gilt als verdächtig oder gar als „Form der Kastration“.
- Kritik ist Verrat: Jede analytische oder abweichende Kritik wird als illoyal oder gar als Verrat geahndet, da Meinungsverschiedenheiten nicht toleriert werden.
- Angst vor dem Andersartigen: Die Identität der Gruppe wird durch die Ablehnung von allem Fremden, Fremdartigen oder Andersdenkenden definiert.
- Appell an soziale Frustration: Der Ur-Faschismus nährt sich oft von der Verunsicherung, den Ängsten und der Frustration der Mittelklassen, die sich sozial deklassiert fühlen.
- Besessenheit von Verschwörungen: Anhänger fühlen sich bedroht und belagert, oftmals durch eine im Hintergrund operierende, meist internationale Verschwörung.
- Das Feindbild als Stärke und Schwäche zugleich: Die Feinde werden als übermächtig (um die Anhänger einzuschüchtern), aber gleichzeitig als so schwach und lächerlich dargestellt, dass sie leicht besiegt werden können.
- Pazifismus ist Verrat: Das Leben wird als permanenter Kriegszustand verstanden. Es gibt keinen dauerhaften Frieden, Pazifismus ist gleichbedeutend mit der Verbrüderung mit dem Feind.
- Elitedenken und Verachtung der Schwachen: Nach außen hin wird die Massenbewegung propagiert, in der Führungselite dominiert jedoch eine extreme Verachtung gegenüber gesellschaftlich Schwachen und Unterlegenen.
- Kult des Heldentums und Opferbereitschaft: Der Einzelne wird dazu erzogen, ein Held zu sein. Im Zentrum steht der heroische Tod, was dazu führt, dass das tatsächliche Leben der Menschen geringgeschätzt wird.
- Macho-Kult: Machtstrukturen sind streng patriarchalisch. Es herrscht eine generelle Verachtung für Frauen sowie Intoleranz gegenüber unkonventionellen sexuellen Vorlieben.
- Qualitativer Populismus: Die Rechte des Individuums werden beschnitten und der Wille des Volkes („pars pro toto“ – als Ganzes) wird ausschließlich vom charismatischen Führer interpretiert, der die Macht monopolisiert.
- Neusprache (Newspeak): Es wird ein stark vereinfachtes, dogmatisches Vokabular genutzt, um die Sprache zu verarmen und kritisches Denken zu unterbinden.
Diese 14. Punkte machen es möglich, bestehende Parteien und deren Programme und Aussagen, zu vergleichen.
Quellen:
Wikipedia, Faschismustheorie, https://de.wikipedia.org/wiki/Faschismustheorie
„Das Netzwerk, Landkreis Nienburg/Weser“, https://netzwerk-nienburg.de/news.php?p=149

