PARTEIENCHECK #6
DIE PARTEI
Satire. Politik. Provokation.
Ist das noch Satire oder schon Politik?
„Inhalte überwinden.“
Wer mit diesem Satz Wahlkampf macht, hat entweder das politische System verstanden oder endgültig den Verstand verloren. Bei Die PARTEI ist die Antwort traditionell: beides.
Die Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative wurde 2004 gegründet. Ihr bekanntestes Gesicht ist Martin Sonneborn, der seit 2014 im Europäischen Parlament sitzt. Bei der Europawahl 2024 errang Die PARTEI erneut zwei Sitze. Bei der Bundestagswahl 2025 kam sie auf 0,5 Prozent der Zweitstimmen.
Auf den ersten Blick ist Die PARTEI vor allem eines: Satire.
Sie nimmt politische Sprache, Wahlkampfversprechen und die Selbstdarstellung etablierter Parteien auseinander und übertreibt sie so lange, bis der politische Irrsinn sichtbar wird.
Doch damit wäre die Partei zu einfach erklärt. Denn hinter der Satire existieren durchaus ernsthafte politische Positionen. Das Grundsatzprogramm nennt Freiheit, Gleichheit und „Schwesterlichkeit“ als zentrale Werte. Gefordert werden unter anderem der Abbau sozialer Ungleichheit, mehr Gleichstellung, soziale Sicherheit, eine bezahlbare Gesundheitsversorgung, bessere Bildungschancen sowie eine Umverteilung von Arbeit und Reichtum. Auch eine Verkürzung der Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich gehört zu den Forderungen.
Das ist keineswegs nur ein Witz.
Die PARTEI vertritt damit in vielen Bereichen eindeutig progressive und sozialpolitische Positionen. Gleichzeitig benutzt sie die Übertreibung als politisches Werkzeug. Im Bundestagswahlprogramm 2025 wird das besonders deutlich. Dort finden sich beispielsweise Forderungen nach einer Ausweitung der Kinderarbeit, einer staatlichen Überwachung zur Bekämpfung von Armut oder einem öffentlich-rechtlichen Meta-Konzern. Wer diese Forderungen wörtlich liest, hat den entscheidenden Teil der PARTEI-Logik bereits verpasst. Sie sind bewusst absurd formuliert und sollen politische Entwicklungen, gesellschaftliche Widersprüche oder die Sprache anderer Parteien spiegeln und überzeichnen.
Das macht die Partei politisch interessant. Denn Satire kann etwas leisten, was klassische politische Kommunikation häufig nicht schafft. Sie kann Widersprüche sichtbar machen.
Wenn eine Partei beispielsweise soziale Kürzungen mit „Eigenverantwortung“ begründet, kann Satire diese Logik ins Extreme treiben und dadurch zeigen, wie absurd sie wirken kann.
Wenn politische Akteure ihre eigenen Aussagen ständig verändern, kann eine Satirepartei genau diese Widersprüchlichkeit zurückspiegeln und wenn Politiker ihre Wahlprogramme mit großen Versprechen füllen, ohne später dafür verantwortlich gemacht zu werden, kann eine Partei, die sich offen über politische Kommunikation lustig macht, einen ziemlich unangenehmen Spiegel darstellen.
Aber Satire hat auch ein Problem. Sie kann kritisieren, ohne selbst eine umsetzbare Alternative anbieten zu müssen. Das ist ihre Stärke und gleichzeitig ihre Schwäche.
Wer eine Regierung kritisiert, muss irgendwann erklären, was er selbst anders machen würde. Wer dagegen sagt „Wir meinen das gar nicht ernst“, kann sich dieser Verantwortung teilweise entziehen.
Damit stellt sich eine interessante demokratische Frage: Welche Funktion soll eine Partei eigentlich erfüllen? Muss sie regieren wollen, konkrete politische Lösungen anbieten oder kann eine Partei auch dann einen demokratischen Wert besitzen, wenn ihre wichtigste Funktion darin besteht, politische Macht zu beobachten, zu provozieren und lächerlich zu machen?
Die PARTEI beantwortet diese Frage praktisch. Sie sitzt im Europäischen Parlament, stellt kommunale Mandatsträger und nutzt ihre parlamentarischen Möglichkeiten teilweise sehr ernsthaft. Gleichzeitig bleibt die satirische Inszenierung ein zentraler Bestandteil ihrer politischen Identität.
Das unterscheidet sie auch von klassischen Protestparteien. Sie sagt nicht einfach „Das System ist schlecht.“ Sie macht das System selbst zum Gegenstand ihrer politischen Kunst und manchmal funktioniert das erstaunlich gut.
Satire kann Macht entlarven, weil sie die Sprache der Macht zurückspiegelt. Sie kann aber auch zur reinen Show werden. Dann bleibt nur noch der Witz übrig und die politische Aussage verschwindet dahinter.
Genau darin liegt für mich die entscheidende Frage bei Die PARTEI: Wo endet die Satire und wo beginnt politische Verantwortung? Denn Demokratie braucht nicht nur Menschen, die regieren wollen. Sie braucht auch Menschen, die den Regierenden auf die Finger schauen, Widersprüche sichtbar machen und manchmal sehr laut sagen „Moment mal. Merkt eigentlich niemand, wie absurd das gerade ist?“
Mein Fazit
Die PARTEI ist weder einfach eine Spaßpartei noch eine gewöhnliche politische Partei. Sie verbindet Satire mit realen politischen Forderungen und nutzt Humor, Übertreibung und Provokation als politische Werkzeuge.
Ihre ernsthaften Positionen liegen vor allem bei sozialer Gleichheit, Arbeitnehmerrechten, Gleichstellung, Umwelt- und Tierschutz sowie direkter Demokratie. Ihre politische Wirkung entsteht aber nicht nur durch konkrete Gesetzesvorschläge. Sie entsteht auch durch die Frage, die sie anderen Parteien stellt. Wie ernst kann man politische Kommunikation eigentlich noch nehmen, wenn die Realität teilweise absurder ist als jede Satire?
Vielleicht ist Die PARTEI deshalb weniger eine Antwort auf die Frage, wie Deutschland regiert werden sollte. Vielleicht ist sie eine ziemlich laute Erinnerung daran, dass Demokratie auch eine funktionierende politische Öffentlichkeit braucht.
Manchmal braucht diese Öffentlichkeit jemanden, der den ganzen politischen Zirkus betrachtet und sagt: „Das kann doch nicht euer Ernst sein.“

