FALKENROT KANN NICHT DIE KLAPPE HALTEN
Meine zwei Cent zur folgenden Debatte.
Ich habe die Diskussion um Danger Dan die letzten Tage aufmerksam verfolgt. Ehrlich gesagt überrascht mich weniger die Entscheidung des ZDF als die Reaktion darauf.
Das ZDF ist ein öffentlich-rechtlicher Sender. Es trägt Verantwortung für das, was es sendet. Dass dort niemand einen Song ausstrahlen möchte, in dem auch Methoden beschrieben werden, die als Aufruf zu strafbaren Handlungen verstanden werden können, halte ich für nachvollziehbar. Das muss man nicht gut finden, aber man kann es verstehen. Einen Künstler auszuladen ist etwas anderes, als ihm den Mund zu verbieten. Der Song ist weiterhin überall zu hören.
Was mich beschäftigt, ist etwas anderes.
Seit Jahren beobachte ich, wie unterschiedlich wir mit politischer Provokation umgehen. Es scheint oft gar nicht entscheidend zu sein, was gesagt wird. Viel wichtiger ist, wer es sagt.
Wenn Uwe Steimle davon spricht, Politiker „an die Wand zu stellen“, heißt es, jeder wisse doch, dass das satirisch gemeint sei. Wenn er gemeinsam mit führenden AfD-Politikern auf einer Bühne steht und mit ihnen die DDR-Hymne anstimmt, wird das als Provokation, Kunstfreiheit, Satire und Ironie gefeiert. Plötzlich ist der Kontext unglaublich wichtig.
Bei Danger Dan passiert genau das Gegenteil. Dort verschwindet der Kontext beinahe vollständig. Übrig bleiben einzelne Zeilen, die nun als Beweis für eine angeblich gewaltbereite linke Szene herhalten müssen. Genau diese Ausschnitte werden von rechts seit Tagen geteilt. Das überrascht mich nicht. Schließlich lebt ein Teil der politischen Rechten seit Jahren davon, die Antifa als einheitliche, gefährliche Organisation darzustellen. Jede Gelegenheit, dieses Bild zu bestätigen, wird dankbar angenommen.
Deshalb wirkt die aktuelle Empörung auf mich auch nicht besonders ehrlich. Sie kommt ausgerechnet von Menschen, die sonst keine Probleme damit haben, wenn mit drastischen Bildern gespielt wird. Solange sie aus den eigenen Reihen stammen, heißt es, man müsse Satire eben aushalten können. Kommen ähnliche Stilmittel von der anderen Seite, ist plötzlich jede Übertreibung eine Gefahr für die Demokratie.
Genau deshalb finde ich die Entscheidung des ZDF am Ende fast nebensächlich. Viel spannender ist doch, worüber wir tagelang diskutieren. Ein Lied sorgt für Schlagzeilen, während Rechtsextremismus längst zum Alltag geworden ist. Kommunalpolitiker werden bedroht, Journalisten eingeschüchtert, Menschen wegen ihrer Herkunft oder ihrer politischen Haltung angegriffen. All das scheint oft weniger Aufregung auszulösen als ein Song, der sich gegen Faschismus richtet.
Vielleicht sagt diese Debatte am Ende gar nicht so viel über Danger Dan aus. Vielleicht erzählt sie vielmehr etwas über unsere Gesellschaft. Darüber, wie unterschiedlich wir hinschauen. Wie großzügig wir den einen den Kontext erklären und wie gnadenlos wir ihn den anderen verweigern.
Ich weiß, dass viele den Satz kennen „Gewalt erzeugt Gegengewalt“. Ich kann nachvollziehen, warum Menschen irgendwann zu diesem Schluss kommen. Wer sieht, wie Rechtsextremismus immer selbstbewusster auftritt, wie Menschen bedroht werden und demokratische Werte unter Druck geraten, der empfindet Wut. Das ist menschlich.
Trotzdem ziehe ich für mich eine klare Grenze. Ich lehne Gewalt ab. Nicht nur rechte Gewalt. Jede Gewalt!
Gerade heute müssen wir aufpassen, dem politischen Gegner nicht das Bild zu liefern, das er seit Jahren zeichnen möchte. Der Begriff Antifaschismus wird bewusst beschmutzt und auf Gewalt reduziert, obwohl er historisch für den Widerstand gegen Faschismus und die Verteidigung demokratischer Werte steht. Wer jede Antifaschistin und jeden Antifaschisten pauschal mit Gewalt gleichsetzt, betreibt keine ehrliche Auseinandersetzung, sondern politische Propaganda.
Deshalb sollten wir ihnen diese Vorlage nicht liefern. Unsere stärksten Waffen sind Aufklärung, Solidarität, Haltung und der Mut, den Mund aufzumachen. Das mag manchmal langsamer sein als Wut. Aber es ist der Weg, der Menschen überzeugt, statt neue Feindbilder zu schaffen!

