
Vor einiger Zeit habe ich eine Doku in der ZDF-Mediathek geschaut. Es ging um Tradwifes, diesen neuen Trend. Der Film wurde in den USA gedreht.
Gleich zu Beginn sieht man eine junge Frau. Während sie das Frühstück zubereitet, hält sie ihr Kind auf dem Arm. Der Mann fährt zur Arbeit. Sie zeigt ihren Kleiderschrank, hübsche Kleider, die jedoch alle ein bisschen aus der Zeit gefallen scheinen. Dann deutet sie auf zwei besonders hübsche Exemplare, die am Fenster hängen und nicht wirklich zur Hausarbeit passen. Herausgeputzt mit großer Schleife im Haar macht sie ihren Haushalt. Man erfährt, dass sie etwa 18.000 Dollar im Monat verdient, mit Instagram und TikTok-Videos. Sie ist also nicht nur Hausfrau, sondern eine knallharte Unternehmerin.
Ein weiteres Paar wird gezeigt. Es gibt keine Freunde des anderen Geschlechts, wird verraten. Der Ehemann verwaltet den Social Media Account seiner Frau. Obwohl er oft zu Hause ist, beteiligt er sich nicht an der Hausarbeit. Er erzählt, dass es sein Wunsch war, eine Frau zu finden, die sich ausschließlich um die Familie und die Hausarbeit kümmert. Er wolle keine Frau, die ausgeht, die erst noch dies und das erledigen müsse, sondern das Essen auf dem Tisch hat, wenn er nach Hause kommt. Dieses Rollenmodell sei gottgewollt. Der Ehemann habe das Sagen, die Frau muss sich unterwerfen. Dann sagt er einen Satz, der mich schaudern lässt. „Manchmal kommt es vor, dass wir unterschiedlicher Meinung sind. Dann bin ich derjenige, der entscheidet.“
Ich bin sicher, dass er grundsätzlich zugunsten seiner Meinung entscheidet.
Sex wird eine große Rolle eingeräumt. Die Frau habe immer verfügbar zu sein. „Was ist, wenn Sie zu müde für Sex sind?“, wird gefragt. „Gute Frage. Nun, wenn ich müde bin, bin ich ablehnend. Meine Frau hingegen ist offen.“ Aha.
Viel Sex. Gemeinsames Beten. Unterwerfung. Das sei das Geheimrezept ihrer Ehe, verkündet sie in ihrem Podcast. 23.000 Likes, aber sie hätte auch viele Hater, gibt sie zu.
Nächste Szene, jetzt wird es so richtig gruselig. Eine Veranstaltung der rechtspopulistischen Organisation „Turning Point“ wird gezeigt. Mitgründer ist kein Geringerer als Charlie Kirk, ja, genau der. Der heilige Charlie. Wir sehen eine Art Gehirnwäsche von etwa 3000 jungen Frauen zwischen 17 und 19 Jahren. Diese sind zwar freiwillig hier, aber es werden auch die letzten Zweifel ausgeräumt, dass sie die letzte Bastion sind, in diesem Kulturkampf, in dem Feminismus als das absolut Böse dargestellt wird. Auch Kirk steht kurz auf der Bühne und erzählt den Mädchen etwas davon, dass sie sich wohlhabende Ehemänner suchen sollen und dann möglichst jede von ihnen mindestens sieben Kinder bekommen soll.
Eine weitere Prominente tritt auf, Lara Trump, die Schwiegertochter des Präsidenten. Als der Film gedreht wurde, war der Wahlkampf noch in vollem Gange. Sie ruft in die Runde, dass es nur noch 150 Tage bis zum Sieg seien. „Wer wählt zum ersten Mal Donald Trump?“, will sie wissen. Die jungen Frauen jubeln und strecken die Hand nach oben. „Turning Point“ läuft eigentlich als Non Profit Organisation, hat aber 81 Millionen Dollar eingenommen, der größte Teil ist in Trumps Wahlkampf geflossen. Schau mal einer an.
Eine der Rednerinnen wird gefragt, ob sie selbst verheiratet sei und Kinder habe. Nein, und sie wüsste auch nicht, was das Leben noch für sie bereithalten würde. Sie wäre dann natürlich zuhause, bei den Kindern, würde sie auch nicht in die Schule geben, sondern selbst unterrichten. Es wird die Turning Point Academy vorgestellt, christlich, ultrakonservativ. Eine der jungen Frauen berichtet empört, dass sie seit Corona nicht mehr in der Schule gewesen sei. Dort habe es Stände gegeben, an denen Kondome verteilt wurden, es gab Aufkleber mit dem Spruch „gay is ok“. Nein, so etwas wolle sie nicht für ihre Kinder.
Werden die jungen Frauen aufgeklärt, dass ein reines Hausfrauendasein auch Nachteile hat? Selbstverständlich nicht. Die Mädchen strahlen voller Überzeugung, während sie sagen, wie toll es sei, sich dem Mann zu unterwerfen. Ein Vollzeitjob sei so anstrengend, erklärt eine. Sie wolle lieber Rezepte ausprobieren und eine gute Ehefrau sein. „Seid wie eure Großeltern“, heißt es. Aber natürlich wird nicht erwähnt, dass es die Großmutter alles andere als leicht hatte. Weshalb sollte es sonst den Feminismus heutzutage geben?
Fast am Schluss wird auch noch eine Aussteigerin gezeigt. Sie hat sich nach zehn Jahren von ihrem Mann getrennt. Anfangs sei sie so enthusiastisch gewesen wie die jungen Mädchen bei der Turning Point Veranstaltung, sagt sie. Sie wollte alles richtig machen, habe sogar den Kühlschrank nach vorn gezogen, um darunter zu putzen. Innerhalb von sechs Jahren habe sie vier Kinder zur Welt gebracht. Sie habe kaum geschlafen, sei immer nur auf den Beinen gewesen, mit einem Lächeln im Gesicht. Irgendwann sei sie sich bewusst geworden, dass sie nicht glücklich ist. Dass sie auch etwas anderes möchte. Seitdem kämpft sie gegen ihren Mann um die Scheidung. Er legt ihr Steine in den Weg, wo er nur kann, versucht sie einzuschüchtern.
Das Problem ist immer wieder das Geld. Diese Influencerinnen verdienen gut. Sie sind keine wirklichen Hausfrauen, sondern Unternehmerinnen. Nur wenige gelangen wirklich zu Bekanntheit und haben eine große Reichweite, was dann auch die Haushaltskasse klingeln lässt.
Doch die allermeisten dieser Frauen sind nicht abgesichert, im Falle einer Trennung oder dem Tod des Ehemannes stehen sie ohne Geld da.
Selbstverständlich ist es jeder Frau selbst überlassen, nur Hausfrau und Mutter zu sein – wenn sie das selbst wünscht. Die Gefahr sehe ich nur in der Abhängigkeit, ob finanziell – aber auch mental. Sich dem Ehemann zu „unterwerfen“, nur nach seinen Wünschen zu leben, ist so ziemlich das Schrecklichste, was ich mir vorstellen kann.
Und ja, ich weiß, wovon ich rede. Damals gab es den Begriff noch nicht, aber mein Mann versuchte viele Jahre lang, mich auch zu einer Art Tradwife zu formen. Kein Wunder, er kannte es von zuhause so. Meine Schwiegermutter hat mich aufgeklärt, wie ich mich zu verhalten habe. Morgens um sechs mit Kittelschürze bewaffnet in der Küche stehen, den ganzen Tag kochen, waschen, putzen, Hinsetzen ist nur gestattet, wenn etwas zu Nähen ist.
Und ich furchtbare Schwiegertochter habe nicht mitgespielt…
Nochmal: Solange beide auf Augenhöhe sind, sich gegenseitig respektieren, und die Frau ebenfalls aufs Konto zugreifen kann bzw. ein eigenes Konto hat, ist es völlig in Ordnung.
Dass dieser Trend zu den Tradwifes vor allem aus den rechtspopulistischen Kreisen kommt, ist völlig logisch, versucht uns doch die AfD die Vergangenheit schmackhaft zu machen. Wie schön war es damals, da herrschte noch Zucht und Ordnung. Und wenn Mutti unzufrieden war, da gab es halt ein Schlückchen Frauengold. Dann war die Welt wieder im Gleichgewicht.

