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+++Admin A eskaliert+++Aufgeklappt: Willkommen im Land der Maßlosen

Aufgeklappt: Willkommen im Land der Maßlosen

Gute Nachrichten aus dem Westen: Wir haben es geschafft. Wir haben das Telefon in der Mitte durchgebrochen und wieder zusammengeklappt. Für weit über 2.000 Euro gibt es jetzt ein iPhone zum Aufklappen. Wie ein Buch, nur dass man darin keine Seiten umblättert, sondern auf doppelter Fläche dieselben Katzenvideos schaut wie vorher.

 

Wer braucht das? Niemand. Und genau deshalb ist es das perfekte Denkmal unserer Zeit.

 

Das Problem, das niemand hatte

 

Jedes Produkt braucht ein Problem, das es löst. Beim Klapp-Telefon lautet das Problem: Das Display war zu klein. Nicht für die Menschen, die damit telefonieren und Bahntickets kaufen, sondern für die Marketingabteilung, die einen Grund brauchte, warum wir schon wieder ein neues Gerät kaufen sollen.

 

Also hat man ein Problem erfunden, es als Revolution verkauft und mit einem Preisschild versehen, für das man früher einen Gebrauchtwagen bekam. Und wir stellen uns an. Manche übernachten sogar vor dem Laden. Für ein Telefon, das in zwölf Monaten "veraltet" ist, weil im September wieder eines kommt, das ein kleines bisschen anders klappt.

 

Wer Freude daran hat und es sich leisten kann, soll es kaufen. Es ist sein Geld. Aber dass wir es uns leisten *können*, ist der eigentliche Skandal. Und über den reden wir nicht.

 

Der Preis, der nicht auf dem Preisschild steht

 

Während wir an der Ladentheke über Farben diskutieren ("Titan oder lieber Titan?"), wissen anderswo Menschen nicht, was sie heute essen sollen. Mehr als 600 Millionen hungern weltweit. Das ist keine Randnotiz der Statistik, das sind mehr Menschen, als in der gesamten EU leben.

 

Und wir sind an diesem Zustand nicht unbeteiligt. Die Rohstoffe für unsere Glitzerrechtecke kommen oft aus Minen, in denen Menschen für einen Hungerlohn schuften, teils unter Bedingungen, die wir keinem Hund zumuten würden. Kobalt im Kongo, Lithium in Südamerika, Näherinnen in Bangladesch für die Klamotten, mit denen wir auf Instagram so schön Haltung zeigen. Wir nennen das "globale Lieferkette". Klingt sauberer als Ausbeutung. Ist es aber nicht.

 

Die große Verachtung

 

Jetzt kommt der Teil, der mir wirklich den Hals zuschnürt. Wir nehmen uns die Rohstoffe, kaufen die Arbeitskraft zu Dumpingpreisen und exportieren die Folgen unseres Lebensstils in den Süden. Und dann wundern wir uns, dass Menschen von dort zu uns kommen wollen.

 

Was tun wir? Wir stellen uns hin, das Klapp-Telefon in der Hand, und reden von "Wirtschaftsflüchtlingen". Von Leuten, die "unser Sozialsystem belasten". Von Menschen, die "bitte dort bleiben sollen, wo sie sind". Dort, wo wir sie haben bleiben lassen, damit der Kaffee billig, die Schokolade süß und die Marge hoch ist.

 

Das ist, als würde man jemandem das Haus anzünden und sich dann beschweren, dass er auf der eigenen Terrasse steht und friert.

 

Weitere Meisterstücke

 

Das Klapp-Telefon ist nur die Spitze eines sehr gepflegten Eisbergs:

 

**Fast Fashion.** Ein T-Shirt für fünf Euro, zweimal getragen, dann entsorgt, weil es "nicht mehr passt". Gemeint ist: nicht mehr zum Feed. Die Altkleider landen in Afrika und machen dort lokale Textilmärkte kaputt. Danke für die Spende, die niemand wollte.

**Das SUV für den Brötchenholer.** Zwei Tonnen Stahl, um 800 Gramm Gebäck zu transportieren. Der Bäcker ist 400 Meter entfernt, aber man hat ja Sitzheizung.

**Mallorca für 39 Euro.** Billiger als das Taxi zum Flughafen. Das Klima schickt die Rechnung an die Nachgeborenen.

**Der Kühlschrank mit Display.** Er sagt mir, dass die Milch abgelaufen ist. Das konnte mein Großvater mit der Nase. Und er hat sie trotzdem getrunken, weil er wusste, was Hunger ist.

**Die Mülltonne als Zweitkühlschrank.** Ein erheblicher Teil unserer Lebensmittel wird nie gegessen. Das Datum ist abgelaufen, nicht das Essen.

 

Wir leben in einer Gesellschaft, die Dinge kauft, die sie nicht braucht, um Menschen zu beeindrucken, die sie nicht mag. Oft auf Pump. Das ist keine Satire, das ist Konsumverhalten.

 

Wir wissen es besser

 

Das Perfide: Wir wissen das alles. Niemand glaubt ernsthaft, dass der fünfte Pullover im Quartal glücklich macht. Wir haben die Dokus gesehen, die Postings geliked, die Studien überflogen. Wir sind gebildet, informiert und bestens vernetzt. Wir wissen sogar, dass Deutschland seinen Anteil an den Ressourcen des Planeten schon im Frühjahr aufgebraucht hat. Den Rest des Jahres leben wir auf Pump bei anderen.

 

Und trotzdem klicken wir auf "In den Warenkorb". Weil es bequem ist, weil es alle machen, weil es sich kurz gut anfühlt. Das Glück hält ungefähr so lange wie der Akku bei intensiver Nutzung.

 

Mein Handy ist fünf Jahre alt

 

Ich will nicht den Moralapostel geben, dafür bin ich selbst zu sehr Teil des Problems. Aber ein bisschen Stolz erlaube ich mir: Mein Handy ist fünf Jahre alt. Ich könnte mir jedes Jahr ein neues kaufen. Ich tue es nicht. Es telefoniert, es schreibt Nachrichten, es macht Fotos, die mir reichen. Ich bin zufrieden.

 

Wenn es keine Updates mehr gibt, überlege ich mir etwas anderes. Bis dahin wird das Ding benutzt. Das ist nicht heroisch, das ist Vernunft. Früher nannte man das Sparsamkeit. Heute heißt es "bewusster Konsum", und man postet ein Foto davon.

 

Zufriedenheit ist das einzige Produkt, das nicht im Angebot ist. Man kann sie nicht kaufen, nicht abonnieren, nicht in Sonderedition bestellen. Deshalb redet kaum jemand darüber. Es gibt nichts daran zu verdienen.

 

Und jetzt?

 

Überfluss heißt nicht, dass wir viel haben. Überfluss heißt, dass wir nicht mehr wissen, wann genug ist. Und diese Maßlosigkeit schadet nicht nur uns, sie schadet Menschen, die wir nie kennenlernen und die genau deshalb für uns nicht existieren.

 

Hier ein Test für den nächsten Kaufimpuls: Erkläre jemandem, der heute noch nichts gegessen hat, warum du das brauchst. Wenn dir dabei nicht wenigstens ein bisschen schlecht wird, kauf es meinetwegen.

 

Und falls du es kaufst: Klapp es bitte nicht zu laut auf. Irgendwo, wo das Kobalt herkommt, ist gerade Schichtwechsel, und dort hört man das Klicken.

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Transparenzhinweis:

Für die Recherche, die Textrohfassung und das Titelbild wurde KI verwendet