Deutschland.
Hier ist alles möglich. Das Land der unbegrenzten Ignoranz.
Ein Schwarzer Mensch erzählt davon, wie oft ihm Rassismus entgegengebracht wird. Er tut das auf eine sachliche Weise, ohne Anklage, ohne Verbitterung. Sehr reflektiert spricht er über sein Leben.
Die Kommentare darunter sind zum Fremdschämen. Es wird ihm jegliche Intelligenz abgesprochen und weiße Kartoffeln erklären ihm, wie sehr die ewige Opferrolle nervt und dass er immer auf Rassismus herumreitet. Der Rassismus gegen Weiße würde nie thematisiert, es wird angezweifelt, dass er wirklich einen deutschen Nachnamen trägt. Und nicht wenige sind der Überzeugung, dass das nicht wahr sein kann, man hätte schließlich nie etwas davon mitbekommen. Beleidigend wird es auch. Heul doch… Was ist mit Rassismus gegen Deutsche? Warum müssen sich Minderheiten immer in den Vordergrund drängen? Ihm wird kranker Faschismus vorgeworfen und einer spricht sogar davon, dass Rassismus Privatsache ist.
Aber das Geld wird eingesteckt, heißt es unter einem anderen Beitrag über eine Schwarze Musikerin. Auch sie will natürlich nur Aufmerksamkeit.
Hasserfüllte Kommentare, oft dasselbe Geseiere. Opferrolle, alles Lüge, selber schuld, er provoziert schließlich. Natürlich fehlt auch der nette Spruch von der Maus im Pferdestall nicht.
Am schlimmsten trifft es natürlich den Roland, der weiß ist und somit täglich den Rassismus fühlt. Mein Beileid, lieber Roland, du hast es schwer hier in Deutschland. Doch der Roland ist nicht allein, denn auch die Angelika wird täglich rassistisch beleidigt. Wie gut, dass das endlich mal thematisiert wird.
Ähnlich ist es bei Frauen, die von sexuellen Übergriffen berichten. Ihnen wird jegliche Kompetenz abgesprochen. Woher sollen sie auch wissen, wer sie vergewaltigt hat? Ach was, sie waren dabei? Trotzdem. Kann nicht sein. So etwas machen nur Mehmet und Ali, aber auf keinen Fall Wolfgang und Mirko. Und selbst wenn, ist das lange nicht so schlimm, sind ja schließlich deutsche Männer.
Warum um alles in der Welt sollen Frauen selbst darüber bestimmen können, was sie als Belästigung empfinden? Und dann noch die ewigen Feministinnen, die männerhassenden giftspuckenden Zicken, die müssen nur mal ordentlich durchgev***lt werden, dann kommen die schon wieder auf Spur.
Deutschland, in dem Männer der Meinung sind, dass Frauen nicht über ihren eigenen Körper bestimmen dürfen. In dem Rassisten der Meinung sind, selbst viel schlimmer von Rassismus betroffen zu sein. In dem Faschisten der Meinung sind, die Guten zu sein. In dem die Lüge zur Wahrheit wird, und minusintelligente Hohlpfosten auch noch stolz auf ihr Unwissen sind.
Deutschland, in dem voller Neid darauf geschielt wird, wenn der Nachbar anscheinend mehr hat als ich. Deutschland, in dem gern nach unten getrampelt wird. Mir geht es erst gut, wenn es wem anders schlechter geht als mir.
Deutschland, in dem das Relativieren erfunden wurde. Geht es um Migranten, heißt es, was ist mit den deutschen Rentnern? Geht es um Rentner, heißt es, was ist mit den Obdachlosen? Interessant daran ist, dass dem rechten Pöbel alle am Arsch vorbeigehen. Sie taugen nur für Whataboutismen.
Deutschland, in dem es wichtig ist, dass vegane Lebensmittel nicht mehr als Wurst bezeichnet werden dürfen.
Deutschland, in dem Massenbesäufnisse als schützenswerte Kultur gelten.
Deutschland, in dem man Angst vor Regenbögen hat.
Deutschland, in dem Antifaschisten als Feinde dargestellt werden.
Deutschland, in dem die Wirtschaft wichtiger ist als die Menschen.
Deutschland, in dem Politiker ungestraft Steuergelder in Millionenhöhe verschwenden dürfen.
Deutschland, in dem man vom Kanzler beschimpft wird.
Deutschland, in dem man mit Hymnen singen Schulen saniert.
Deutschland, in dem Elfriede ein Problem damit hat, wenn in Universitäten kostenlose Hygieneprodukte angeboten werden, das hat es früher schließlich auch nicht gegeben.
Deutschland, welches alle Weichen zurück in die Vergangenheit stellt, denn warum soll man sich weiterentwickeln, erneuerbare Energien nutzen und endlich mal den Staub abschütteln, der sich über das Land und seine Bürokraten gelegt hat?
Deutschland, das mehr Angst vor Gendersternchen als vor Faschismus hat.
Willkommen in Deutschland.
