Waschtag.
Heute packt man die Wäsche einfach in eine Waschmaschine und holt sie geschleudert wieder heraus. Manche Maschinen haben sogar einen integrierten Trockner, sodass die Wäsche nur noch gefaltet (bei uns heißt es „gelegt“) und verräumt werden muss.
Als ich Kind war, war ein Waschtag viel anstrengender. In jedem Haus gab es eine Waschküche, in der ein großer Kessel stand. Dieser wurde angeheizt, mit Holz und Kohle, und dann wurde darin die Wäsche gewaschen. Mit Hilfe eines Waschbretts (meine Oma nannte es Rumpel, später wurden Musiker darauf aufmerksam), wurde die Wäsche geschrubbt. Wirklich erinnern kann ich mich allerdings nicht daran.

Relativ zeitig hatte meine Mutter schon einen Halbautomaten, eine WM 66, auch Schwarzenberg genannt, die eine große Erleichterung war. Sie stand bei uns im Bad und war im Bezug auf den großen Waschkessel im Keller doch ziemlich klein. Machte man oben den Deckel auf, sah man eine Art Bottich aus Metall, ganz unten befand sich ein Wellenrad.
Einen Wasseranschluss gab es nicht, Wasser musste manuell eingefüllt werden. Gleich daneben befand sich der große Badeofen, dessen Schlauch wurde hineingelegt und dann Wasser bis zu dem kleinen Knubbel in der Rückwand eingelassen. Waschpulver dazu, dann wurde der Schalter auf Heizen gestellt.
Hatte das Wasser die gewünschte Temperatur erreicht, wurde auf „Heizen/Waschen“ gestellt. Vorher hatte man die Wäsche sorgfältig sortiert, die dann nach und nach gewaschen wurde. Viel passte nicht rein, aber der Waschgang dauerte nur wenige Minuten. Währenddessen war Wasser in die Badewanne eingelassen worden, mit einem Becherchen Weichspüler. Dort hinein kam die heiße, tropfnasse Wäsche, meine Mutter (und später auch ich) holte sie immer mit dem Stiel der Saugglocke (Pümpel) heraus, schwenkte sie kurz durch die Badewanne, um sie dann im Waschbecken abzulegen. Die Wäsche wurde dann noch zweimal mit klarem Wasser gespült und schließlich manuell geschleudert.
Auf der Badewanne lag ein Brett, darauf befand sich die Schleuder. Sie wurde ebenfalls oben geöffnet und dann die Wäsche hineingelegt. Möglichst außen, wohl austariert. Tat man das nicht, wurde das Schleudern zum Abenteuer. Schleßlich wurde die Schleuder verschlossen, der Schwenkarm darüber und los ging es. Je besser die Wäsche drin lag, also die Maschine „ausgewuchtet“ war, desto leichter ging es, ansonsten hatte man alle Hände voll zu tun, die Schleuder festzuhalten, damit sie nicht vom Brett sprang.

Bei gutem Wetter wurde die Wäsche im Garten aufgehangen, bei schlechtem Wetter kam sie bei uns auf den Spitzboden, das heißt, vom Dachboden aus noch einmal die Leiter hoch, mit einem schweren Wäschekorb. Sobald sie trocken war, wurde sie abgenommen und gebügelt.
Große Wäschestücke kamen in die Mangel. Die stand bei uns auf dem Dachboden. Vorn war eine Art Tisch, eine Oberfläche, dahinter befanden sich zwei Rollen, davon eine mit einem langen Tuch. Auf dieses Tuch wurde die Wäsche gelegt, schön glatt, und dann durfte ich vorsichtig und langsam an der Kurbel drehen. Das Tuch mit der Wäsche wurde eingezogen und auf die Rolle gepresst. War zwar langwierig, aber nicht so langwierig wie Bügeln. Und mir machte es Spaß, immer aufzupassen, dass die Wäsche faltenfrei auf dem Tuch zu liegen kam.

Auch nach der Wende, als ich dann schon verheiratet und mein Sohn schon geboren war, habe ich meine Wäsche noch bei meinen Eltern auf diese Art und Weise gewaschen. Grund dafür war, dass wir noch keine Waschmaschine besaßen. Also sind wir alle zwei Wochen etwa 100 km zu meinen Eltern gefahren, um dort zu waschen. Zum Glück gab es damals schon Wegwerfwindeln, ich bin nur einmal in die Verlegenheit gekommen, Stoffwindeln zu benutzen, als ich meine „Pampers“ zu Hause vergessen hatte. Nach etwa 24 Stunden, in denen ich meinen Großen etwa alle halbe Stunde wickeln musste, weil er irgendwie permanent nass war, habe ich das Experiment aufgegeben und mir Windeln bei der Nachbarin geborgt.
Wir haben uns dann eine Waschmaschine gekauft, einen Vollautomaten. Ich werde nie vergessen, wie ich davorstand und überlegte, wie zur Hölle ich da jetzt Wasser einfüllen soll. Es war mir unbegreiflich, dass eine einzige Maschine alles übernimmt – das Spülen, das Schleudern… Zum Teil sogar das Trocknen. Freunde meiner Eltern hatten eine solche Wundermaschine und ich durfte sie ausprobieren. Ich war fassungslos, dass so etwas möglich war: Man packte die Schmutzwäsche in die Maschine und holte sie sauber und sogar trocken wieder heraus. Wahnsinn.
Vom Waschkessel und der Wäscherumpel bis hin zum Waschtrockner habe ich alles erlebt. Ist schon irgendwie krass. Vielleicht weiß ich deshalb den heutigen Luxus so zu schätzen.

