Warum Deutschland keinen Untergang erlebt, sondern einen Sanierungsstau
Wenn man die politische Debatte in Deutschland beobachtet, könnte man meinen, wir stünden unmittelbar vor dem Abgrund. Die AfD überzieht das Land mit einer systematischen Propaganda: Sie nimmt jede reale Hürde unseres Alltags und zimmert daraus eine fiktive Apokalypse. Aus jedem Missstand wird der endgültige Zusammenbruch gestrickt. Jede Verzögerung bei Reformen, jede Baustelle und jede Krise wird so umgedreht, als stünde Deutschland kurz vor dem Fall. Die AfD tut so, als gäbe es hier überhaupt kein Verständnis mehr dafür, wie man Krisen bewältigt. Dabei ist diese Untergangserzählung nichts weiter als kalkuliertes Material, das diese Partei braucht, um Ängste zu schüren, ihre eigene Macht auszubauen, die Gesellschaft tief zu spalten und schamlos zu hetzen.
Die Realität sieht nämlich völlig anders aus: Wir als Gesellschaft blicken absolut aufrichtig und nüchtern auf die Lage. Natürlich gibt es Unterschiede in der Art und Weise, wie man diese Probleme angehen möchte – wir streiten über die richtigen Wege, was in einer Demokratie völlig normal ist –, aber im Großen und Ganzen ist uns allen bewusst, wo die Sägen klemmen. Wer monatelang auf einen Facharzttermin wartet, vor bürokratischen Hürden steht oder sieht, wie das System auf Verschleiß fährt, der erlebt echten Frust. Diese Probleme sind real und sie tun weh. Aber wir wissen als Land eben auch, dass wir daran arbeiten müssen und dass eine Verbesserung nicht von jetzt auf gleich geschieht. Wir versuchen jeden Tag, das Beste aus dem herauszuholen, was uns zur Verfügung steht, und gehen die Herausforderungen mit einer handfesten Haltung an.
Dass die Hetze der AfD überhaupt verfängt, liegt allerdings an einer Bundesregierung, die das Thema oft komplett verfehlt. Anstatt die drängenden Probleme unserer Zeit mutig an der Wurzel zu packen, flüchtet sich die Politik in eine einseitige Fixierung auf eine vermeintliche Wirtschaftsstabilität, die an der Lebensrealität vorbeigeht. Zu glauben, man rettet dieses System, indem man die Leute mit hohlen Phrasen zu mehr Arbeit animiert und gleichzeitig an allen Ecken die Gelder streicht, verkennt die Lage der arbeitenden Bevölkerung vollkommen. Eine Wirtschaft stabilisiert sich nicht durch einen harten Sparkurs, während die Säulen des Alltags bröckeln. Mit diesem Versagen lässt die Regierung genau die Lücke offen, in die die extreme Rechte dann mit ihren Horrorgeschichten hineingrätscht.
Dabei hält dieses herbeigeredete Untergangs-Märchen keiner ehrlichen Überprüfung stand. Bei aller berechtigten Wut auf die Regierenden: Dieses Land ist meilenweit von einem Zusammenbruch entfernt. Die Grundinfrastruktur ist nach wie vor solide und extrem stabil. Das Stromnetz läuft, sauberes Wasser kommt verlässlich aus dem Hahn, und die Gerichte arbeiten unabhängig. Selbst in der harten Inflationsphase war die Lebensmittelversorgung immer gesichert. Natürlich gab es zur Corona-Zeit mal leere Regale – das lag damals aber nicht an der Inflation, sondern schlicht an den weltweiten Lockdowns und abgerissenen Lieferketten. Das war eine globale Ausnahmesituation, kein Systemkollaps. Heute flachen die extremen Preissprünge der letzten zwei, drei Jahre langsam ab und das System pendelt sich schrittweise wieder ein. Auch unsere Mobilität steht: Trotz aller berechtigten Klagen über verspätete Züge und hohe Spritpreise funktioniert das große Ganze. Wir meckern über die Qualität im Detail, nicht über den Verlust unserer Existenz.
Wir dürfen uns den klaren Blick nicht von der verlogenen Untergangsrhetorik der AfD rauben lassen. Wir haben in Deutschland kein Problem mit einem fehlenden Fundament, sondern wir haben einen riesigen Sanierungsstau, den wir jetzt Schritt für Schritt abarbeiten müssen. Wir besitzen die Werkzeuge, die materiellen Sicherheiten und die Stabilität, um diese Schwierigkeiten aktiv aus dem Weg zu räumen. Es gilt, die verfehlte Politik der Regierung weiterhin scharf zu kritisieren, aber gleichzeitig den apokalyptischen Lügenbaronen der AfD entschlossen die Stirn zu bieten. Wenn wir uns weigern, auf ihre Horrorgeschichten hereinzufallen, behalten wir die Kraft, um dieses Land aus einer Position der bestehenden Stärke heraus voranzubringen, anstatt uns von politischer Hetze spalten zu lassen.

