Herr Prof. Dr. Ingo Hahn, seines Zeichens Bundestagsabgeordneter der AfD, erklärt auf Facebook, die Meinungsfreiheit stehe in Deutschland auf dem Spiel.
Ausgerechnet in einem frei veröffentlichten Facebook-Beitrag. Öffentlich. Für alle sichtbar. Kommentierbar. Teilbar.
Wenn das der Beleg für fehlende Meinungsfreiheit sein soll, hat sich das Argument schon in den ersten Zeilen selbst widerlegt.

Als Beleg dient eine Umfrage. Darin sagen Menschen, sie hätten Sorge, ihre Meinung nicht mehr frei äußern zu können.
Diese Sorgen sollte man ernst nehmen. Aber Sorgen sind keine Tatsachen. Ein Gefühl ist noch kein Beweis dafür, dass ein Grundrecht abgeschafft wurde.
Und genau hier beginnt der Mumpitz.
Seit Jahren wird Menschen eingeredet, Widerspruch sei Zensur. Kritik sei Einschüchterung. Gesellschaftliche Konsequenzen seien ein Angriff auf die Meinungsfreiheit.
Dabei ist es ganz einfach:
Natürlich dürfen Sie sagen, was Sie denken. Genau dafür schützt Sie Artikel 5 des Grundgesetzes.
Sie dürfen aber nicht erwarten, dass alle anderen höflich schweigen, Beifall klatschen, Ihnen eine Bühne bereitstellen oder jede Entgleisung zur „mutigen Meinung“ erklären.
Meinungsfreiheit bedeutet, reden zu dürfen.
Sie bedeutet nicht, vor Widerspruch geschützt zu sein.
Sie bedeutet nicht, Anspruch auf Zustimmung zu haben.
Und sie bedeutet nicht, dass andere Ihre Aussagen unwidersprochen hinnehmen müssen.
Eine Demokratie lebt vom Streit der Argumente. Von Kritik. Von Gegenrede. Von Menschen, die Behauptungen hinterfragen und Grenzen aufzeigen.
Wer jede Kritik sofort zur Zensur erklärt, verteidigt die Meinungsfreiheit nicht.
Er verwechselt Freiheit mit dem Wunsch, nie Gegenwind zu bekommen.
Das ist kein Angriff auf die Meinungsfreiheit.
Das ist Demokratie.
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#AfDVerbotJetzt

