WASSER
Wasser ist eine wertvolle Ressource. KI verbraucht Wasser – ist allerdings nur ein kleiner Teil eines viel größeren Systems von Wasserverbrauchern. Wer über Wasser spricht, sollte das Gesamtbild betrachten.
Ohne Wasser geht nichts. Kein Leben wäre auf unserem Planeten möglich. Der menschliche Körper besteht im Durchschnitt zu etwa 55 bis 65% aus Wasser, bei Neugeborenen liegt der Anteil sogar bei etwa 75-78%. Unser Gehirn besteht zu etwa 73% aus Wasser und die Lungen zu rund 83%.
Die Erdoberfläche ist zu etwa 71% von Wasser bedeckt. 97,5% der gesamten Wassermenge auf der Erde besteht aus dem Salzwasser der Ozeane. Nur etwa 2,5% sind Süßwasser, wovon der größte Teil (über 68%) als Eis in Gletschern und Polarkappen gebunden ist.
Weltweit betrachtet ist die Landwirtschaft mit ca. 70% der größte Wasserverbraucher (Bewässerung). Die Industrie folgt auf Platz zwei für industrielle Nutzung und Energieproduktion. Darauf entfallen etwa 20%. „Nur“ etwa 10% des Wassers werden für den direkten privaten Verbrauch (Trinken, Putzen, Duschen) genutzt.
Obwohl die Erde reich an Wasser scheint, ist er Zugang zu sauberen Süßwasser stark begrenzt. Nur ca. 0,4% der gesamten Wasserressourcen sind als Trinkwasser für den Menschen leicht zugänglich. Der weltweite Wasserbedarf steigt (durch Bevölkerungswachstum und Konsum), während der Klimawandel den Wasserhaushalt verändert. In vielen Regionen ist die Wasserverfügbarkeit knapp, was zu einer Verschärfung der Konkurrenz um Wasser führt.
Ich denke, es ist deshalb wichtig genau hinzusehen, wie wir, die Menschen, mit dieser lebenswichtigen Ressource umgehen. Und es ist legitim und notwendig, dass JEDE*R sein eigenes Konsumverhalten dahingehend einer Prüfung unterzieht. Vielen Menschen ist gar nicht bewusst, wie viel Wasser sie eigentlich „verschwenden“.
Gerade in Zeiten von viel gefühlten Wahrheiten, unterschlagenen Fakten und/oder schierer Unwissenheit, ist es wichtig, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, wo jeder für sich prüfen kann, wie er einer immer weiter drohenden Wasserverknappung entgegenwirken kann. Dabei sollte man fair bleiben und die „Schuld“ nicht nur bei anderen suchen – das machen nur Kleingeister – sondern sein eigenes Verhalten hinterfragen.
Nun mal ein paar harte Fakten zum Thema Wasserverbrauch:
– Im Jahr 2022 nutzen Betriebe rund 12,75 Milliarden Kubikmeter Wasser. Größter Verbraucher war die Energieversorgung mit 6,59 Milliarden Kubikmetern. 12,75 Milliarden Kubikmeter Wasser entsprechen in etwa einem Viertel der Wassermenge des Bodensees, etwa 2.300 Cheops-Pyramiden oder, würde man diese Menge gleichmäßig über die gesamte Staatsfläche Deutschlands ausschütten, stünde das gesamte Land exakt 3,5 cm unter Wasser.
– Rund 83% des industriell genutzten Wassers in Deutschland wird für Kühlprozesse verwendet.
– Die Landwirtschaft in Deutschland nutzte in 2022 etwa 0,48 Milliarden Kubikmeter Wasser – deutlich weniger als Industrie und Energieversorgung. Weltweit ist das Verhältnis allerdings andersherum: Etwa 70% der globalen Süßwasserentnahmen gehen in die Landwirtschaft.
– Deutschland gilt zwar als wasserreich, trotzdem sind laut aktuellen Einschätzungen bereits etwa 50% der Landkreise zeitweise von Wasserstress betroffen.
– Der durchschnittliche Haushaltsverbrauch in Deutschland liegt bei etwa 126 Litern Trinkwasser pro Person und Tag.
– Der tatsächliche „Wasserfußabdruck“ eines Deutschen liegt aber bei rund 7.200 Litern pro Tag, wenn man Konsumgüter und Lebensmittel mitrechnet. Der Großteil dieses indirekten Verbrauchs entsteht außerhalb Deutschlands, etwa durch Baumwolle, Futtermittel oder Obst aus trockenen Regionen.
– Deutschland verlor in den letzten zwei Jahrzehnten laut Forschenden durchschnittlich etwa 760 Millionen Tonnen Wasser pro Jahr aus seinen natürlichen Speichern.
– Weltweit hat sich der Wasserverbrauch zwischen 1930 und 2000 ungefähr versechsfacht.
– Laut UNESCO leidet bereits heute die Hälfte der Weltbevölkerung zeitweise unter schwerer Wasserknappheit.
– Wasserprobleme entstehen nicht nur durch Verbrauch, sondern auch durch Verschmutzung: In Deutschland erreichen laut Umweltverbänden über 90% der Gewässer keinen guten ökologischen Zustand.
Nachgefragt: „Was ist virtuelles Wasser?“
Diesen Begriff oder „Wasserfußabdruck“ liest und hört man immer wieder. Im Prinzip ist es Wasser, das zur Herstellung eines Produkts (Lebensmittel, Kleidung, Güter) verbraucht, verdunstet oder verschmutzt wird. Es ist nicht direkt im Produkt sichtbar, aber in der Produktion notwendig.
Beispiele:
– für 1 kg Rindfleisch werden ca. 15.400 Liter Wasser verbraucht
– für 1 Jeans werden ca. 11.000 Liter Wasser verbraucht
– für 1 Tasse Kaffee werden etwa 132 Liter Wasser verbraucht
– für 1 kg Butter werden ca. 18.000 Liter Wasser verbraucht
– für 1 kg Schweinefleisch werden ca. 6.000 Liter Wasser verbraucht
– für 1 Liter Kuhmilch werden ca. 600-1.000 Liter Wasser verbraucht
Auch wissenswert: Ein durchschnittlicher westlicher „Normalesser“ verursacht über die Ernährung grob 3.000-5.000 Liter Wasserverbrauch pro Tag indirekt. Eine vegetarische Ernährung reduziert den ernährungsbedingten Wasserfußabdruck typischerweise um etwa 20-35%. Eine vegane Ernährung kann den ernährungsbedingten Wasserverbrauch häufig um 30-50% oder mehr senken, mal davon abgesehen, dass dadurch auch unnötiges Tierleid vermieden wird.
Nachgefragt: „Was kann man tun?“
Der größte Hebel ist fast immer die Reduktion von Rindfleisch, Milchprodukten, Butter oder Käse. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass nicht jede pflanzliche Ernährung automatisch wassersparend ist: Mandeln, Avocados oder Reis können regional hohe Wasserprobleme verursachen.
Trotzdem bleibt die durchschnittliche vegane Ernährung im Gesamtvergleich meist deutlich wasserärmer als eine fleischreiche Mischkost. Etwa 80% des globalen Agrarlandes werden direkt oder indirekt für Tierhaltung genutzt – obwohl tierische Produkte nur einen kleineren Teil der weltweiten Kalorien liefern.
Industrieländer „importieren“ riesige Mengen virtuellen Wassers: Soja aus Südamerika oder Futtermittel aus trockenen Regionen bedeuten, dass der Wasserverbrauch oft im Ausland entsteht. Eine einzige fleischreiche Mahlzeit kann indirekt mehr Wasser verbrauchen als mehrere Tage Duschen. Die Ernährungsweise zählt weltweit zu den größten individuellen Einflussfaktoren auf den persönlichen Wasserfußabdruck.
Nachgefragt: „Wie verhält es sich denn nun mit der KI und dem Wasserverbrauch?
Dass KI-Systeme Wasser verbrauchen, stimmt: Rechenzentren müssen gekühlt werden, und dabei verdunstet Wasser. Laut Angaben von OpenAI-Chef Sam Altman verbraucht eine typische ChatGPT-Anfrage etwa 0,32 Milliliter Wasser. Großzügiger gerechnet – inklusive des Wassers für die Stromerzeugung – landen Expertenschätzungen bei rund 2 Millilitern pro Anfrage.
Diese Zahlen verdienen eine nüchterne Einordnung. Ein einziges Baumwoll-T-Shirt verbraucht in Produktion und Verarbeitung zwischen 2.000 und 2.700 Liter Wasser, eine Jeans rund 8.000 Liter, und ein Kilogramm Rindfleisch kommt auf über 15.000 Liter. Wer also statt einem KI-Bild lieber ein neues Hemd kauft, hat damit rechnerisch den Wasserverbrauch von mehreren Millionen KI-Anfragen verursacht.
Ein Blogger hat diese Verhältnisse konkret durchgerechnet: Für ein Paar Lederschuhe könnte man rund vier Millionen Prompts schreiben – und selbst die Herstellung eines einzigen Blattes Papier entspricht dem Wasserbedarf von etwa 2.550 KI-Anfragen.
Dass ausgerechnet KI als Prügelknabe für Wasserverschwendung herhalten muss, sagt weniger über den tatsächlichen ökologischen Fußabdruck aus als über eine selektive Wahrnehmung, die technologische Neuheiten unter Generalverdacht stellt – während der viel größere Wasserverbrauch in Landwirtschaft, Textilindustrie und Konsumgüterproduktion kaum moralische Empörung auslöst.
Fazit:
Wissenschaftlich gilt inzwischen als relativ gut abgesichert: eine stärker pflanzenbasierte Ernährung reduziert im Durchschnitt deutlich den Wasserverbrauch, den Flächenverbrauch, Treibhausgasemissionen und den Energieverbrauch.
Also, statt auf diejenigen zu zeigen, die auch Wasser verbrauchen, sollte man besser erstmal selbst schauen, was man dazu beitragen kann, um den Wasserverbrauch zu reduzieren.
