Meine aufrichtige Anteilnahme gilt den Opfern, ihren Angehörigen und allen Hinterbliebenen des schrecklichen Anschlags in Stade. Ihnen wünsche ich viel Kraft in einer Zeit, in der Worte kaum Trost spenden können.
Umso mehr empfinde ich Verachtung für die Instrumentalisierung dieser Tat.
Kaum ist die Nachricht über den Anschlag bekannt, rücken für AfD-Abgeordnete und ihr treues Gefolge nicht die Opfer in den Mittelpunkt, sondern sofort die Herkunft des Täters. Das Leid der Betroffenen wird zur politischen Munition.
Und gleichzeitig zeigen sie erneut, wer nach ihrer Vorstellung zur „Remigration“ gehören soll. Es geht längst nicht mehr nur um Menschen ohne Aufenthaltsrecht. Begriffe wie „Passdeutsche“ sind oft genug gefallen. Damit wird deutlich, dass ihre Debatte weit über die Abschiebung illegal Eingewanderter hinausgeht.
Wer ernsthaft behauptet, es gehe „nur um Straftäter“, sollte sich die eigene Rhetorik der vergangenen Jahre noch einmal ansehen. Worte haben Bedeutung. Und sie verraten oft mehr als jede spätere Relativierung.
Der Täter muss mit der ganzen Härte des Rechtsstaats bestraft werden. Das ist selbstverständlich.
Aber wer jede einzelne Gewalttat sofort benutzt, um Millionen Menschen unter Generalverdacht zu stellen oder seine Remigrationsfantasien zu befeuern, zeigt nicht Stärke. Er zeigt, dass ihm politische Verwertung wichtiger ist als Mitgefühl mit den Opfern.

