Er stand vor ihnen wie ein schlecht kalibrierter Lautsprecher: fester Stand, Brust raus, und jedes Wort wurde ein kleines bisschen lauter und langsamer, als hätte Sprache etwas mit Dezibel zu tun.
„SIE… BE… KOM… MEN… JETZT… DIE… UNTER… LAGEN…“

Man konnte förmlich sehen, wie die Silben einzeln ausgeliefert wurden, sorgfältig verpackt, nur leider an die falsche Adresse.
Ich trat einen Schritt näher, beugte mich zu ihm und flüsterte – wirklich geflüstert, aus reiner Höflichkeit gegenüber der Ironie:
„Die sind nicht taub. Die verstehen nur kein Deutsch.“
Man hätte erwarten können, dass dieser Satz seinen Weg findet. Tut er aber nicht.
Stattdessen folgte Stille. Eine besondere Stille. Die Sorte, bei der man glaubt, im Raum habe jemand den Strom abgestellt. Dann hörte ich es. Erst ganz leise.
boing.
Und dann nochmal, diesmal deutlich lauter:
toing.
Ein Zahnrad löste sich. Es war klein, aber ambitioniert. Wahrscheinlich zuständig für „Unterschied zwischen Hören und Verstehen“.
Ein zweites folgte.
Zzzztooing.
Das war eindeutig „Abstraktion“.
Kkrrrzzzzboing.
Ein drittes sprang mit erstaunlicher Energie davon, beschrieb einen eleganten Bogen und verschwand hinter seinem linken Ohr.
Seine Augen begannen dieses langsame Kreisen, das man sonst nur von alten Waschmaschinen kennt, kurz bevor sie beschließen, dass heute kein Schleudergang mehr stattfindet. Ein Ohr zuckte. Nur einmal. Wie ein letzter Reflex aus besseren Zeiten. Der Mund öffnete sich, schloss sich wieder. Der Gedanke nahm Anlauf, rutschte aus und blieb liegen. System Failure.
Man konnte förmlich sehen, wie sein Gehirn versuchte, den Satz zu verarbeiten, ihn drehte, wendete, prüfte – und schließlich in die falsche Schublade legte.
Er nickte schließlich. Zustimmend. Zu irgendetwas. Vielleicht zum Leben an sich.
Und sprach wieder lauter.
Die Menschen vor ihm blieben höflich. Sie waren nicht taub.
Sie verstanden nur weiterhin kein Deutsch.
