Es gibt Aktionen, die sind so schäbig, dass man zweimal hinsehen muss, um die ganze Dreistigkeit zu begreifen. Was sich die AfD-Landtagsabgeordnete Enxhi Seli-Zacharias und ihre Truppe im Juni 2026 im Gelsenkirchener Stadtteil Ückendorf geleistet haben, ist genau so ein Fall.
Da marschieren gut bezahlte Politiker in ein Viertel, in dem vor allem bulgarische Roma-Familien unter oft ohnehin schweren Bedingungen leben, und führen ein Schautheater auf, das an Niedertracht kaum zu überbieten ist. Sie drängen den Menschen vor laufender Kamera Besen und Kehrbleche in die Hand, führen sie vor und hauen im originalen Wortlaut Sätze raus wie: „Die Deutschen haben die Schnauze voll. Guck mal, wie das hier aussieht. Bei dir zu Hause sieht das so aus?“ Das ist kein politischer Protest, das ist offener, dreckiger Antiziganismus mitten auf der Straße.
Aber das eigentlich Entlarvende an dieser ganzen Nummer ist die Kulisse, die sich diese Truppe dafür zusammengebastelt hat. Wer sich das Videomaterial mal genauer anschaut, stolpert über ein Detail, das die ganze Sache komplett lächerlich macht, wenn es nicht so traurig wäre. Die Besen und Kehrbleche, mit denen da angeblich „saubergemacht“ werden sollte, waren blitzblank und nagelneu. Da hingen teilweise noch die Preisschilder und Barcodes aus dem Baumarkt dran. Die Herrschaften sind also vorher extra losgezogen, haben sich mit Requisiten eingedeckt und sind dann ins Viertel gefahren, um wehrlose Menschen zu überrumpeln. Nichts an dieser Aktion war echt, alles war von vorne bis hinten durchkalkuliert.
Genau hier zeigt sich die ganze Kaltblütigkeit dieser modernen Social-Media-Hetze. Es ging nie um den Dreck auf der Straße, es ging nie um die Sorgen der Anwohner. Es ging einzig und allein darum, billigen Content für Instagram und Co. zu produzieren und eine Minderheit gezielt zu demütigen. Man kauft sich im Laden ein paar Besen, benutzt ahnungslose Menschen als Statisten für das eigene Hetzvideo, drückt ihnen das Werkzeug auf und tut so, als wäre man der Herr im Hause. Dass die Betroffenen laut WDR-Recherchen massiv dazu gedrängt wurden und überhaupt nicht freiwillig mitgemacht haben, passt da nur ins Bild. Das ist psychologische Kriegsführung auf dem Rücken der Schwächsten.
Dass die lokale Kirche und der Gelsenkirchener Propst Markus Pottbäcker hier von einer „neuen Dimension“ sprechen und sich scharf gegen diesen Mist stellen, ist die einzig richtige Reaktion. Denn wer anfängt, Menschen im eigenen Wohnviertel auf diese Weise zu bedrängen und zu verunsichern, der will keine Probleme lösen, der will Brände legen. Und der Pfarrer, der sich vor Ort seit Jahren für die Sinti und Roma einsetzt und deshalb nun selbst von der AfD diskreditiert wird, zeigt, wo die eigentliche Arbeit geleistet wird: beim Zusammenhalt, nicht bei der Spaltung. Diese nagelneuen Besen mit ihren Etiketten sind das perfekte Symbol für die rechte Politik von heute: Außen schick verpackt für die Kamera, aber dahinter steckt absolut nichts als künstlich erzeugter Hass für die schnelle Klickzahl.

Quellen:
Bild: Internetfund
https://taz.de/Bericht-zu-Antiziganismus/!6185961/?hl=de-DE
https://katholisch.de/artikel/68906-gelsenkirchener-propst-pottbaecker-kritisiert-afd-video?hl=de-DE
https://cdu-ge.de/news/lokal/865/WDR-Bericht-zu-den-Ereignissen-in-Ueckendorf-AfD-laesst-Migranten-in-Gelsenkirchen-putzen.html?hl=de-DE
