Alle reden von Menschlichkeit. Von Solidarität. Von Empathie.
Worte, die sich leicht rufen lassen. Klingt gut. Klingt edel. Klingt nach Applaus auf einer Demo. Doch die eigentliche Frage wird konsequent verdrängt: Wie weit reicht diese Menschlichkeit wirklich?
Ziehst du eine Grenze beim Fremden, der an deiner Tür klopft? Beim Flüchtling, der deine Grenze übertritt? Oder endet deine Empathie schon beim Bettler, der dir vor dem Supermarkt die Hand hinhält? Würdest du deinen letzten Sack Reis teilen, wenn dein Nachbar verhungert – oder sagst du dir, meine Familie zuerst? Klingt logisch, oder? Klingt menschlich. Biologisch sogar. Hemd ist näher als Hose. Besser der Nachbar stirbt als meine Angehörigen?
Die meisten warten gar nicht, bis es existenziell wird. Moral hört nicht erst beim letzten Bissen auf, sondern viel früher. Empathie reicht oft nur bis zum Gartenzaun. Und selbst da beginnt schon das Zögern: Was, wenn ich selbst zu kurz komme?
Moral ist billig, solange sie nichts kostet. Jeder kann großzügig sein, solange es nur ein Wort ist. Jeder kann für Menschlichkeit sein, solange es eine Schlagzeile bleibt. Aber wenn es ernst wird, wenn Ressourcen knapp werden, wenn es nicht mehr um Likes, sondern um Brot geht, dann kommt der wahre Test erst, wenn du zwischen deinem Teller und dem Teller des anderen entscheiden musst.
Und dann zeigt sich, wer du wirklich bist. Kein guter Mensch. Nur ein Mensch. Einer, der Moral so lange predigt, wie sie keine Opfer verlangt. Einer, der den eigenen Vorteil schützt, während er den großen Worten applaudiert.
Und vielleicht ist genau das der wahre Abgrund:
dass du glaubst, besser zu sein – bis dich jemand zwingt, es zu beweisen.

Und das gilt wohlgemerkt nur für Menschen, die sich selbst als empathisch und menschlich sehen. Stellt euch vor, was dann erst diejenigen tun werden, die schon heute im Überfluss auf jeden Euro Bürgergeld herabschauen, die ihre Teller verteidigen, obwohl kein Krümel davon bedroht ist, wenn ein paar Asylbewerber mehr kommen. Menschen, die schon jetzt Angst um etwas haben, das ihnen niemand nimmt.
Was meint ihr wohl, was diese Leute tun werden, wenn es wirklich knapp wird?
In Krisen kippt die Mitte zuerst. Nicht die Hardcore-Egoisten, die waren es schon immer. Sondern die „vernünftigen Guten“, die plötzlich anfangen, die gleichen Argumente zu nutzen wie die, die sie heute verachten: „Wir müssen zuerst an uns denken.“
80 % der selbsternannten Empathischen werden reagieren wie die 20 % egoistischen, faschistischen Rechten, von denen sie sich heute noch abgrenzen wollen.
