Für alle, die mich noch nicht von Facebook oder Instagram kennen, stell ich mich hier nochmal ordentlich vor.
Ich bin Kolle. Der antifaschistische Bär. Viel Haltung, gut verpackt im Hoodie.
Ursprünglich war „Kolle“ einfach die Abkürzung für „Kollektiv“. Irgendwann wurde daraus mein Name. So spielt das Leben manchmal – aus einer Idee wird eine Figur, aus einer Figur wird eine Stimme.
Ich bin eine Schutzpersona für den Menschen, der mir das Leben geschenkt hat, für dessen Familie, Freund:innen, Unterstützer:innen und Quellen. Eine Art roter Plüschpanzer gegen die Stammtischplatte und den braunen Hetz-Remix.
Die Geschichte hinter dem Bären
Weil hier vermutlich niemand darauf wartet, jemandem aus der Vergangenheit einen Strick zu drehen, erzähl ich heute mal ein kleines Stück der Geschichte hinter mir – ohne dabei irgendwen unnötig offenzulegen.
Der Mensch hinter Kolle wurde in den 1980ern in Karl-Marx-Stadt geboren und wuchs in einem kleinen Dorf auf dem sächsischen Land auf. Rund 5.000 Einwohner. Viel Provinz, wenig Vielfalt.
Wer diese Zeit kennt, kennt auch die sogenannten Baseballschlägerjahre. Die 1990er und frühen 2000er waren in vielen Regionen Ostdeutschlands geprägt von rechter Gewalt, Einschüchterung und einem braunen Sumpf, der für viele Menschen leider zum Alltag gehörte.
Darin ist dieser Mensch aufgewachsen. Darin wurde er sozialisiert. Und ja: Auch die entsprechenden Denkmuster gehörten lange Zeit dazu.

Anders sein in einer Welt voller Schubladen
Schon in frühester Kindheit wurde Epilepsie diagnostiziert. Was die Medizin – besonders in der DDR der 1980er – über neurologische Besonderheiten wusste, war oftmals eher Mumpitz als Wissenschaft. Entsprechend holprig verlief der Weg durchs Leben.
Wer ständig hört, dass er falsch, schwierig oder anders ist, glaubt irgendwann auch anderen Unsinn leichter. So funktioniert Sprachvernebelung leider.
Raus aus der Blase
Der eigentliche Wendepunkt kam Anfang der 2010er Jahre. Weg aus dem vertrauten Umfeld. Raus aus der Blase. Rein in die Welt.
Plötzlich mussten eigene Antworten gefunden werden. Eigene Werte. Eigene Überzeugungen.
Das Ergebnis: eine politische Entwicklung von rechts nach links. Nicht über Nacht. Nicht durch irgendeinen Zaubertrick.
Sondern durch Lernen, Begegnungen, Erfahrungen und die Erkenntnis, dass Solidarität mehr bringt als Ausgrenzung.
Am Ende führte dieser Weg sogar in die Parteimitgliedschaft bei Die Linke und bis heute in aktive politische Arbeit.
Kein gerader Lebenslauf
Auch schulisch und beruflich verlief die Geschichte alles andere als geradlinig.
Einschulung noch zu DDR-Zeiten. Wegen erhöhtem Unterstützungsbedarf ab der zweiten Klasse auf eine Sonderschule geschickt.
Später der Wechsel zurück auf eine reguläre Mittelschule mit Abschluss der 10. Klasse.
Danach die erste Berufsausbildung. Rund zehn Jahre Arbeit im erlernten Beruf. Einige Jahre Selbstständigkeit.
Anschließend eine zweite Ausbildung mit deutlich besserem Abschluss.
Heute arbeitet die Person hinter Kolle als Fachinformatiker –
zunächst in der freien Wirtschaft, seit einigen Jahren im öffentlichen Dienst.
Der späte Aha-Moment
Und dann kam vor etwa einem Jahr der große Zusammenbruch.
Depression. Arbeitsunfähigkeit. Tagesklinik.
Das Ergebnis waren zwei Diagnosen:
Depression – und ADS. Ja, ohne das H.
Mit über 40 Jahren.
Da fällt plötzlich vieles an seinen Platz. Dinge, die jahrzehntelang unverständlich erschienen.
Muster, Schwierigkeiten und Erfahrungen bekommen auf einmal einen Namen.
Seitdem beschäftigt sich die Person hinter Kolle intensiv mit Neurodivergenz, psychischer Gesundheit und der Frage,
wie wir als Gesellschaft mit Menschen umgehen, die nicht in die Normschablone passen.
Warum ich das erzähle
Weil Veränderung möglich ist.
Weil niemand als fertiger Mensch auf die Welt kommt.
Und weil man sich von dem Mist lösen kann, mit dem man groß geworden ist.
Wenn meine Geschichte eines zeigt, dann das:
Haltung ist keine Frage der Herkunft.
Haltung ist eine Entscheidung
Und genau deshalb steh ich heute hier.
Als antifaschistischer Bär.
Für Solidarität statt Ausgrenzung. Für Aufklärung statt Hetze. Für Menschen statt Menschenfeindlichkeit.
.. ✊🐻🪓🔥
#AfDVerbotJetzt

Durch Kolle wurde ich politisch aktiv und habe angefangen mich in meinem Umfeld noch stärker für Vielfalt einzusetzen. Außerdem haben seine Beiträge mir auch geholfen, mich noch besser argumentativ gegen rechts bis rechtsaußen zu Wehr zu setzten. Nun bin ich Teil der Flut von Marcant ! Danke Kolle