
Unweit des ehemaligen Stasi-Gefängnisses „Hohenschönhausen“, in Berlin-Lichtenberg, Freienwalderstraße, befindet sich ein klobiges, mehrstöckiges, Gebäude. Dieses Gebäude trägt den Namen „Heike-Villa„.
Das Gebäude wurde 1910 von den Architekten R. Lotts und Wilhelm Verhülsdonk , für den Maschinenbaufabrikanten Richard Heike, erbaut. Es war eins der ersten Stahlbetonbauten und beherbergte sowohl Ausstellungsräume, wie auch Büro- und Wohnräume.
1945 wurde Richard Heike von der sowjetische Armee erschossen, da er in seinen Werken russische Zwangsarbeiter beschäftigt hatte.
Mit der Erschießung erfolgte auch die Enteignung, unter anderem, die der „Villa Heike“. Mitte Mai 1945 errichtete die sowjetische Geheimpolizei NKWD im Umkreis der Villa ein großes Sperrgebiet. Das Haus wurde Sitz der Berliner Operativgruppe 10. Die Aufgabe der Gruppe war es, Unterlagen über Nazis (mit und ohne Parteibuch) zusammenzutragen, sie auszuwerten, Verhaftungen und Verhöre durchzuführen. Sie nutzte den Keller der Villa als Untersuchungsgefängnis. Schräg gegenüber entstand das „Speziallager 3“, das als Stasi-Haftanstalt Hohenschönhausen, bekannt wurde. Die sowjetische Armeeführung baute, in der Villa Heike, ein umfangreiches Archiv über Nazis auf.
Im März 1951 übergab die so sowjetische Militärführung den gesamten Komplex (Villa Heike, Speziallager 3/Gefängnis und andere Gebäude) an die Staatssicherheit der DDR (Stasi), die 1950 gegründet worden war und unter der Leitung von Wilhelm Zaisser stand. Damit gelangte die Stasi an das NS-Archiv, das sie verwaltete und ausbaute.
Dieses Archiv bildete die Grundlage für die Verurteilungen von Nazis, in der DDR. Obwohl die DDR-Führung bereits, ab 1948, öffentlich, die Ansicht vertrat, dass es keine Nazis mehr auf dem Gebiet der DDR gab, kam es noch bis 1983 zu vereinzelten Verurteilungen, zuletzt von SS-Obersturmführer Heinz Barth, der unter anderem am Massaker im französischen Dorf Oradour-sur-Glane im Jahr 1944 sowie an Erschießungen tschechischer Zivilisten beteiligt gewesen war. Heinz Barth hatte, bis 1983, unter falschem Namen und unauffällig, im Land Brandenburg, gelebt.
Verurteilungen, die nach Mitte der 1950 Jahre durchgeführt wurden, unterlagen der strengsten Geheimhaltung, denn, wo es keine Nazis gab (laut öffentlich geteilter Ansicht, befanden sich alle Nazis im Westen), konnte es auch keine Verurteilungen geben. Tatsächlich befanden sich, in der DDR, rund 1,2 Millionen NSDAP- Mitglieder, darunter ehemalige Wehrmachtsangehörige, SS-Leute und SS-KZ-Aufseher, darunter auch SS-Leute, die in Auschwitz tätig gewesen waren.
Allerdings wählte die DDR-Führung eine Doppelstrategie, im Umgang mit den Nazis. Dabei lotete die Stasi aus, in welchem Umfang sie Nazis verwendeten konnten.
Ein Beispiel ist Josef Settnik, der seine Tätigkeit, als SS-Wachmann, in Auschwitz, gestand und bei der Stasi, ab 1964, als IM „Erwin Mohr“ tätig war. Der Spiegel brachte dazu 2014 einen Beitrag.
Fand die Stasi keine konkrete Verwendung, so machte die Stasi den Personen klar, was sie erwarteten und ließen sie dann, überwacht, in Ruhe.
1990 übernahm das Bundesarchiv, in Berlin, das gesamte Archiv, wo es aufbewahrt wird, und, unter bestimmten Voraussetzungen, Einsicht genommen werden kann.
Quellen:
Spiegel, 24.08.2014, 18.26 Uhr, von Benjamin Schulz, „Wie die Stasi SS-Leute aus Auschwitz erpresste„

