Wie oft muss ich eigentlich noch über Dieter Nuhr schreiben? Okay, nicht hier, sondern bisher auf Facebook.
Eigentlich wollte ich das längst nicht mehr. Aber dieser Mann schafft es immer wieder, die Messlatte ein Stück tiefer zu legen.
Diesmal geht es nicht um sein mittlerweile routinemäßiges Linken-Bashing, das sich regelmäßig mit wenigen Fakten zerlegen lässt. Diesmal geht es um Gewalt gegen Frauen.
Wenn du öffentlich den Eindruck vermittelst, Frauen seien selbst mitverantwortlich, weil sie einen Mann nach dem ersten Date zu sich einladen, dann bedienst du genau jene Denkmuster, gegen die Betroffene seit Jahrzehnten ankämpfen.
Die Verantwortung für Gewalt trägt der Täter. Punkt!
Frauen werden nach dem ersten Date Opfer von Gewalt. Frauen werden nach Monaten Opfer von Gewalt. Frauen werden nach Jahren der Ehe Opfer von Gewalt. Es gibt unzählige Fälle, in denen Gewalt erst begann, als Vertrauen längst aufgebaut war.
Wer daraus eine Geschichte über angeblich leichtsinnige Frauen macht, verharmlost das eigentliche Problem.
Was mich aber fast noch fassungsloser macht, ist etwas anderes.
Dass so etwas im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gesendet wird!
Dass Kolleginnen und Kollegen aus Comedy, Satire und Kabarett dazu weitgehend schweigen und seine Sendung besuchen!
Und dass es immer noch Menschen im Publikum gibt, die darüber lachen, klatschen und jubeln.
Worüber eigentlich?
Über Gewalt gegen Frauen?
Über Täter-Opfer-Umkehr?
Ist das der Zustand, in dem sich unsere gesellschaftliche Empathie inzwischen befindet?
Meine früheren Beiträge trugen den Titel „Dieter, heul leise.“
Heute wünsche ich mir etwas anderes.
Ich wünsche Dieter Nuhr einen Abend in einem abgeschlossenen Raum mit Frauen, die Gewalt in ihrer Beziehung erlebt haben. Frauen, deren Leben durch Schläge, Demütigungen und Angst geprägt wurde. Frauen, die wissen, wie sich Täter-Opfer-Umkehr anfühlt.
Dann soll er ihnen erklären, warum seine Pointe so lustig war.
Und anschließend darf die ARD diese Begegnung gern zur besten Sendezeit übertragen.
Ich bin gespannt, wer danach noch applaudiert.

