WAS ZUM TEUFEL IST MIT DIESEM LAND LOS?
In Gelsenkirchen zieht eine AfD-Politikerin mit Kamera, Besen und Gefolge durch einen Stadtteil und fordert Menschen mit Migrationsgeschichte auf, die Straße zu kehren. Betroffene berichten später von Einschüchterung und öffentlicher Demütigung.
Wenn Politiker der AfD bei Veranstaltungen rechter Burschenschaften auftreten,
wenn Funktionäre aus diesen Netzwerken stammen, völkische Ideen immer wieder ihren Weg in Reden und Programme finden, dann handelt es sich nicht um einzelne Zufälle.
Es sind gemeinsame politische Vorstellungen, aber jeder kann sich eine einfache Frage stellen:
Warum fühlen sich rechtsnationale und völkische Kreise von der AfD so stark angezogen?
Und warum grenzt sich die Partei nicht konsequent von ihnen ab?
Wer heute die AfD wählt, kann nicht mehr behaupten, von alldem nichts gewusst zu haben.
Die Informationen liegen offen auf dem Tisch.
Die Frage ist nur, ob man sie sehen will.
Wegsehen ist auch eine Entscheidung.
In Berlin demonstrieren Tausende gegen die Bundesregierung. Deutschlandfahnen wehen, gegen Migration wird gehetzt, der Rücktritt der Regierung gefordert. Wieder einmal wird Menschen eingeredet, die Ursache aller Probleme stünde nicht in den Chefetagen großer Konzerne, nicht bei Vermögensmillionären, nicht bei politischem Versagen, sondern bei denen, die ohnehin am wenigsten Macht besitzen. Und ein Teil Deutschlands klatscht Beifall.
Habt ihr eigentlich vergessen, was öffentliche Demütigung bedeutet?
Habt ihr vergessen, wohin es führt, wenn Menschen nicht mehr als Individuen betrachtet werden, sondern nur noch als Problemgruppe?
Habt ihr vergessen, dass dieses Land bereits einmal erlebt hat, was passiert, wenn Politiker bestimmte Menschen markieren, ausgrenzen und für gesellschaftliche Missstände verantwortlich machen?
Wann haben wir angefangen zu akzeptieren, dass Menschen öffentlich vorgeführt werden?
Wann haben wir aufgehört, aus unserer Geschichte zu lernen? Wann wurde es normal, ganze Bevölkerungsgruppen für gesellschaftliche Probleme verantwortlich zu machen?
Geschichte wiederholt sich nicht exakt, aber sie sendet Warnsignale. Sie beginnt nicht mit Uniformen, sie beginnt mit Feindbildern, Ausgrenzung und Demütigung.
Mit dem ständigen Einreden, bestimmte Menschen gehörten nicht dazu. Sie lebt von denen, die schweigen und von denen, die wegsehen und applaudieren.
Wer heute noch behauptet, er erkenne die Gefahr nicht, will sie nicht erkennen.
Die Demokratie stirbt selten an einem einzigen Tag.
Sie wird Stück für Stück ausgehöhlt. Wenn Anstand durch Hass ersetzt wird. Wenn wir vergessen, dass die Würde eines Menschen nicht von Herkunft, Religion, Hautfarbe oder Pass abhängt.
Ich werde nicht wegsehen.

