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Mißverständnisse um das Thema: Journalistische Einordnung

[caption id="attachment_4258" align="aligncenter" width="707"] KI-Symbolbild[/caption]

 

Es ist auffällig, das AfD-Anhänger nur selten verstehen, was unter journalistischer Einordnung zu verstehen ist. Da ist dann die Rede von der Beschneidung der Meinungsfreiheit oder der Unterstellung, dass Menschen, die eine journalistische Einordnung fordern, selbst zu dumm wären, eine Aussage einzuordnen.

Anlass solcher Aussagen ist ein Videoformat, bei YouTube, bei dem sich ein Podcaster bekannte Politiker in den Podcast holt und dann den Gast drei Stunden reden lässt.

Wenn man mit dem Politiker über die Kinder, Enkelkinder, sein Hobby, sein Lieblingsessen oder auch sein bevorzugtes Urlaubsziel redet, ist eine Einordnung nicht wichtig. Man plaudert eben über Privates und Alltägliches. Holt man sich aber Politiker in den Podcast, um über Politik und politische Ziele zu reden und lässt man den Gast dann einfach nur reden, setzt man voraus, dass die Zuhörer in der Lage sind, von sich aus, das Gesagte korrekt einzuordnen. Der Moderator geht also davon aus, dass der Zuhörer sich Notizen macht und dies mit Partei- und Wahlprogrammen vergleicht, Aussagen zum Thema kennt und ansonsten mit einem Taschenrechner da sitzt, um das Gesagtes auch einmal nachrechnen zu können.

Wenn der Gast also sagt, dass er Kitas beitragsfrei stellen will, Schulessen kostenlos werden sollen, Steuern, für Reiche, gesenkt werden, muss der Zuhörer die Zahlen über Steuereinnahmen, Ausgaben des Landes, der Städte und Kommunen, zweckgebundene Einnahmen und Fördermittel, im Kopf haben oder recherchiert werden.

Nun stellt sich die Frage, wie viele der Zuhörer die Zahlen kennen oder recherchieren, also, die Aussagen, für sich selbst einordnen können.

  • Für die Zuhörer muss sich die Frage nach der Bezahlbarkeit, durch die Landesregierung, stellen nach dem Zeitpunkt der Umsetzung.
  • Wie hoch sind die Kosten, für die Umsetzung der Pläne?
  • Wie viel Haushaltsgeld brauchen die Städte und Kommunen, um die Pläne umzusetzen?
  • Welche Mittel stehen dem Landeshaushalt dafür zur Verfügung?
  • Muss das Bundesland zur Umsetzung der Pläne, Kredite aufnehmen oder kann sie sich das aus dem Haushaltstopf leisten?
  • Wie hoch verschuldet ist das Bundesland und wie hoch sind die Kredite, die das Bundesland, ohne die Planungen, aufnehmen muß?
  • Welche Prognosen gibt es zu den Steuereinnahmen der nächsten 5 Jahre und wie hoch sind diese?
  • In welchen Bereichen kann das Bundesland, die Städte und Kommunen sparen?
  • Wo kann das Bundesland, die Städten und Kommunen, die Einnahmen erhöhen, um die Pläne umzusetzen, ohne dabei die Bürger zu sehr zu belasten?
  • Wird der Bürger mit zusätzlichen Steuern belastet?

 

Der Bürger hat grundsätzlich das Recht, genau diese Fragen beantwortet zu bekommen, denn letztendlich sind es Steuergelder, die Ausgegeben werden und Steuern zahlt jeder, egal, ob berufstätig oder nicht. 

Kann der Zuhörer diese Fragen nicht, für sich selbst, beantworten, (wovon auszugehen ist), ist es die Aufgabe des Podcasters, in einem politischen Postcast, diese Fragen zu stellen und dabei die Antworten bereits zu kennen und in der Lage zu sein, die Konsequenzen, aus jedem einzelnen Punkt, beurteilen zu können.

Stellt der politische Podcaster die Fragen nicht, kennt er nicht die Zahlen und Konsequenzen, bekommt der Zuhörer nichts weiter als irgendwelche Aussagen, die dann selbst nachzuprüfen sind und voraussetzt, dass jeder Zuhörer sind mit dem Landeshaushalt, bis ins Detail auskennt, denn auch Google kann nicht alle Fragen beantworten.

Wenn jemand also nach einer Einordnung verlangt, dann nicht, weil die Person zu dumm wäre, das nicht einordnen zu wollen, sondern das Problem besteht, das vieles, ohne landesinterne Informationen, statistische Auswertungen und intime Kenntnisse des Landeshaushalts, gar nicht einordnen lässt.

Der Podcast-Zuhörer verzichtet, sofern keine korrekte Einordnung vorgenommen wird, auf wichtige Informationen, aber zahlen muss er dann ggf. doch, nur das der Zuhörer dann aus allen Wolken fällt (wieso hat mir das keiner gesagt?).

Die Einordnung ermöglicht dem Zuhörer zusätzlich, festzustellen, ob der Gast überhaupt weiß, wovon er/sie spricht, wo der Gast ggf. falsch liegt oder lügt oder, sich sogar selbst widerspricht.

Wer also sich einen politischen Podcast anhört, der nichts einordnet, und sogar Menschen beschimpft, die eine Einordnung fordern, ist kein mündiger Bürger, sondern ein Groupie, der nichts weiter will, als Geschichten aus dem Privatleben zu hören, die nette Stimme zu vernehmen und dem Gast alles abzukaufen, was er/sie von sich gibt, ohne etwas zu hinterfragen. Die Rechnung bekommt dann der Zuhörer.

Eine Einordnung von Aussagen hat also nichts mit der Unterdrückung der Meinungsfreiheit oder einer Bevormundung zu tun, sondern mit der Informationspflicht gegenüber den Zuhörern.