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Internalisierte Misogynie - wenn Frauen frauenfeindlich sind

Ein Beitrag über Manspreading.

Als Manspreading bezeichnet man das breitbeinige Sitzen von Männern in der Öffentlichkeit, vor allem in Bussen und Bahnen. Für Frauen ist es teilweise echt unangenehm, da die Männer mehr Platz beanspruchen, als sie eigentlich benötigen würden, und oft genug ergeben sich ungewollte Berührungen.

Natürlich gehen die Männer darunter steil. Wir Frauen seien es, die mit ihren Handtaschen Sitzplätze blockieren. Geschenkt, ist nichts Neues. Was mich jedoch furchtbar sauer macht, sind Kommentare von Frauen, die eine internalisierte Misogynie signalisieren. Von „Männerbashing“ und „Männerhass“ wird gesprochen, sie selbst seien ihr ganzes Leben lang gut mit Männern ausgekommen, und ihnen sei auch nie etwas Negatives passiert.

Es gibt eine Menge solcher Beispiele. Wenn es um die Menstruation geht, kommt neben Paul und Klaus auch noch mindestens eine Beate an, die noch nie wirklich Schmerzen hatte und einfach nicht begreift, dass es Frauen gibt, die einmal im Monat extrem darunter leiden. „Habt euch nicht so“, schreibt sie dann. Sie sei schließlich auch zurechtgekommen. Klar, Beate. Weil du nur zweiTampons pro Tag gebraucht hast und nicht mal eine Tablette schlucken musstest, muss das auch bei allen anderen so sein.

Klar ist es doof, wenn die Kollegin schon wieder ausfällt. Ich selbst habe immer versucht, irgendwie mit Tabletten durchzuhalten, auch wenn ich mich manchmal kaum noch aufrecht halten konnte. Doch dann sage ich mir, dass die Kollegin es eigentlich richtig macht, indem sie sich mit einer Wärmflasche aufs Sofa packt. Durchaus möglich, dass sie mehr Schmerzen hat als ich. Muss sie die Krämpfe ertragen, so wie ich es tue? Nein. Wenn es für sie unerträglich ist, darf sie gern zu Hause bleiben.

Und was ist, wenn es um Gewalt gegen Frauen geht? Diesmal ist es Claudia, die der Meinung ist, dass man es jetzt auch mal gut sein lassen muss. Dieses ständige Männerbashing sei unerträglich. Oh, sorry, Claudia, andere Frauen finden Gewalt unerträglich. Und es tut uns furchtbar leid, dass wir dein rosarotes Wölkchen mit unseren bekloppten Forderungen stören. Forderungen, dass wir ernst genommen werden, Forderungen nach höheren Strafen, Forderungen nach Hilfe und Schutz.

So nervig, also ehrlich.

Claudia kennt selbstverständlich keine einzige Frau, die jemals Opfer von Gewalt geworden ist. Dafür kenne ich umso mehr, Claudia. Ich zähle selbst dazu. Und was machen wir jetzt?

Das sei anekdotische Evidenz, meint Claudia. Puh. Da hat sie ja tatsächlich zwei Wörter in den Raum geworfen, und sie hat recht, es IST anekdotische Evidenz, es ist MEINE Erfahrung. Doch was die liebe Claudia außer Acht lässt, ist, dass auch ihre Geschichte unter anekdotische Evidenz fällt. Es ist nämlich IHRE Erfahrung.

Vielleicht kann die Dame, die auf dem Profilbild ungeheuer nett und sympathisch rüberkommt, mal einen Blick in die Statistiken werfen. Jede dritte Frau in Deutschland wird mindestens einmal in ihrem Leben Opfer von Gewalt. Allerdings wird nicht jeder Übergriff, ob körperlich oder seelisch, angezeigt, die Dunkelziffer ist verdammt hoch.

Der Ausdruck „Pick-me-Girl“ kommt mir in den Sinn. Laut Definition ist das eine Frau, die sich bewusst von anderen Frauen abgrenzt, um männliche Aufmerksamkeit und Bestätigung zu bekommen. Frauen und Frauenthemen werden von ihnen verspottet und kritisiert, um sich besser darzustellen. Auf Männer wirken sie „unkompliziert“ und „entspannt“. Gut möglich, dass das auch auf jene ominöse Claudia zutrifft, ich kenne sie schließlich nicht, aber der Verdacht liegt nahe.

Frauen, die einen derben Scherz verstehen und auch mal genauso derb verbal zurückschießen, sind sehr anziehend für Männer. Auf eine gewisse Weise bin ich auch so, für mich muss nicht immer alles politisch korrekt sein, solange es mich betrifft. Ich bin in der Lage, mich zu wehren, und das wird auch geschätzt. Ich verstehe und ich habe Humor - aber es gibt dann auch mal Situationen, in denen ich mich unwohl fühle, Situationen, bei denen eine Grenze überschritten worden ist.

Situationen, die dann eben kein Spaß mehr sind.

Und genau das ist meiner Meinung nach der springende Punkt. Solange sich beide Seiten wohl fühlen, ist alles erlaubt. Aber nicht alle Frauen sind gleich. Wenn Sabine kein Problem damit hat, dass Manfred ihr auf den Hintern klatscht, muss das bei Paula nicht auch so sein. Und Sabine sollte auch nicht Paula erklären, dass sie übertreibt und sich nicht so anstellen soll.

Ich habe grundsätzlich etwas dagegen, wenn mir jemand meine Gefühle absprechen will. Und da ist es egal, ob es sich um Schmerzen oder psychische Belastungen handelt. Jeder Mensch empfindet anders, jeder Mensch hat persönliche Erfahrungen gemacht und seine eigenen Schlüsse daraus gezogen. Und wenn ich jetzt auch meine Regel nicht mehr habe, könnte ich doch einfach respektieren, dass Frauen zum Beispiel darum kämpfen, Menstruationsprodukte kostenlos oder viel günstiger zu bekommen oder auch ohne Krankenschein zuhause bleiben zu können, wenn es ihnen schlecht geht. Was zur Hölle ist daran falsch, mehr Respekt einzufordern?

Klar, Feminismus – dieses lästige Etwas. Immer diese Frauenrechte. Sollen doch froh sein, dass es ihnen so gut geht!

Jaa, auf dem Papier ist alles prima. Es sind diese Kleinigkeiten wie „Gender Pay Gap“ oder auch die unterschiedlichen Preise im Friseursalon, es ist die Tatsache, dass Frauen kleingeredet werden, dass Männer immer noch darüber bestimmen wollen, ob Frauen ihren Körper für eine Schwangerschaft zur Verfügung stellen wollen oder nicht. Es ist die Tatsache, dass wir nicht ernst genommen werden, dass wir auch im Vergewaltigungsfall noch als schuldig diskreditiert werden. Oder wenn der Mann die Frau verprügelt hat, hatte sie es wohl verdient.

Wir sind diejenigen, an denen die Care-Arbeit hängenbleibt, diejenigen, die Spagat zwischen Kindern, Haushalt und Arbeit machen müssen, diejenigen, die dann im Alter schauen müssen, wo sie bleiben, denn oft genug konnte nur Teilzeit gearbeitet werden oder eben gar nicht. Es ist doch so – zuerst werden die Kinder großgezogen, dann fängt meist schon die Pflege der Eltern an.

Liebe Frauen unter uns:

Lasst uns doch bitte solidarisch miteinander sein.

Lasst uns nicht aufeinander einhacken.

Lasst uns dankbar sein, wenn es uns gut geht, aber sprechen wir nicht anderen ab, dass es bei ihnen nicht so gut läuft.

Lasst uns gemeinsam gegen Misogynie und für Frauenrechte einstehen.

Unsere weiblichen Nachkommen werden es uns danken.