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Ein ganz normaler Tag in Deutschland

Die AfD will Frauen schützen, sagt sie. Alle Migranten, alles, was nicht rein biodeutsch ist, wird abgeschoben. Dann sind unsere Frauen sicher.

Wirklich?

Ich erzähle euch jetzt einmal vom ganz normalen Tag einer ganz normalen Frau.

Morgens, halb sechs in Deutschland.

Der Wecker klingelt. Annika schreckt hoch. Sie hat nur wenige Stunden geschlafen. Müde schleppt sie sich ins Bad und schaut in den Spiegel. Die Augen rot und geschwollen, weil sie sich wieder einmal in den Schlaf geweint hat.

Sie klatscht sich kaltes Wasser ins Gesicht, das hilft ein bisschen. Stellt die Kaffeemaschine an und deckt den Tisch. Michael kommt und setzt sich. Sie gießt ihm schnell Kaffee ein und geht ins Kinderzimmer, um Leni zu wecken. Die Kleine auf dem Arm, kommt sie wieder in die Küche, als Michael die Kaffeetasse durch die Küche schleudert. "Du bist sogar zu blöd, um ordentlichen Kaffee zu kochen!", brüllt er. Die Tasse zerschellt am Kühlschrank, der Kaffee spritzt an die Wand. Leni fängt an zu weinen. Michael ist jetzt voller Wut und verlässt türenknallend die Wohnung.

Annika sammelt die Scherben ein und wischt den Kaffee weg. Leni bekommt ein Brötchen in die Hand gedrückt. "Papa böse?", fragt sie verängstigt. Um Himmels willen. "Nein, Papa hat sich nur geärgert", beruhigt Annika das Kind.

Als sie aus der Wohnung geht, steht die Nachbarin schon da. "Müssen Sie so früh schon solchen Krach machen?", fragt sie. "Andere Leute wollen schlafen!"

Annika beißt die Zähne zusammen. Es bringt nichts, sie hat es schon oft erklärt. Die Nachbarin ist der Überzeugung, dass Annika selbst schuld ist und ihren Mann besser umsorgen soll. Sie entschuldigt sich nur und geht.

Schnell zum Kindergarten. Ein Auto wäre jetzt schön, denkt sie. Können sie sich nicht leisten. Sie kommen gerade so über die Runden.

Dann mit dem Bus zur Arbeit. Der Chef steht schon in der Tür und schaut demonstrativ auf seine Uhr. "Sie sind schon wieder zu spät", knurrt er. Annika entschuldigt sich. Der Bus war ausgefallen. Doch das interessiert den Chef nicht. "Dann müssen Sie einen Bus eher nehmen!" Wieder beißt Annika die Zähne zusammen und nickt.

Es gibt viel zu tun, jetzt, wo viele Kollegen und Kolleginnen remigriert wurden. Doch plötzlich klingelt Annikas Handy. Der Kindergarten. Leni hat Fieber.

Der Chef ist wütend. Ob sie das nicht anders regeln kann, will er wissen. Nein, das kann Annika nicht, das hat sie ihm schon hundertmal erklärt. Ihre Mutter arbeitet selbst noch, Michaels Eltern wohnen weit weg. Freunde hat sie keine, dafür hat ihr Mann gesorgt. Als sie zur Tür geht, hört sie den Chef etwas murmeln, das wie „dann muss ich dir Schlampe eben kündigen“ klingt.

Im Bus sitzen junge Männer, die sie anzüglich betrachten. Sie rafft die Jacke vorn über der Brust zusammen und wünscht sich wieder ein Auto. „Na, Schnecke, wie wäre es mit uns beiden?“, fragt einer. Sie tut, als ob sie es nicht gehört hätte und starrt aus dem Fenster. „Ich habe dich was gefragt“, sagt der Typ und ein Schwall Alkohol- und Zigarettendunst wabert zu ihr hinüber. Lieber Himmel! „Könnten Sie mich bitte in Ruhe lassen?“, sagt sie leise. Die Kerle lachen. „Komm, du Nutte, du bist doch schon scharf auf mich! Hab dich nicht so!“ Der eine, der sie angesprochen hat, tätschelt an ihrem Knie herum. „Da wirst du nicht fündig“, grinsen die anderen. „Du musst schon höher gehen!“

Annika springt auf und steigt aus, als der Bus hält. Eine Station hätte sie noch fahren müssen, aber sicher ist sicher. Zum Glück ist ihr keiner gefolgt. Sie holt Leni aus dem Kindergarten und geht mit ihr zum Arzt. Das Wartezimmer ist voll, es dauert. Seit die nette Ärztin aus Syrien das Land verlassen musste, ist ihr deutscher Kollege allein.

Es ist spät, als Annika mit Leni nach Hause kommt. Leni hat einen Infekt und ist auf ihrem Arm eingeschlafen. Behutsam legt sie die Kleine ins Bett. Michael kommt gleich, da muss das Essen auf dem Tisch stehen. Durch den Arztbesuch konnte sie nicht wie geplant einkaufen, also muss sie sich was einfallen lassen. Rührei. Rührei isst er gern. Schnell schneidet sie eine Zwiebel und brät sie an, während sie das Ei in einer Schüssel verrührt. Kräuter, Gewürze… Ab in die Pfanne damit. Plötzlich hört sie, wie Leni sich übergibt.

Natürlich ist das Ei angebrannt, als Michael in der Tür steht. Er fragt nicht, er schlägt einfach zu. So wie er es immer tut. Dann setzt er sich mit einem Sixpack Bier vor den Fernseher. Als sie das Chaos in der Küche beseitigt, hört sie die Nachrichten mit. Die AfD feiert sich dafür, dass Frauen jetzt sicherer leben können, jetzt, wo die Ausländer alle weg sind.

Als Michael sich dann später im Bett auf sie wälzt, sagt sie nein. Ihr tut alles weh, aber es interessiert ihn nicht. Danach starrt sie mit leeren Augen an die Decke. Wenn sie sich nur trennen könnte. Doch wie soll das funktionieren? Sie hat nur diese Halbtagsstelle, wer weiß, wie lange noch. Dann ist sie alleinerziehend. Sie möchte Leni etwas bieten, sie weiß von der Gefahr der Kinderarmut. Außerdem hat sie Angst vor der Reaktion ihres Mannes.

 

Und so weint sie sich wieder in den Schlaf. So, wie mittlerweile jede Nacht.