Zitat von Viktor Dorn am 23. September 2026, 13:44 UhrDer bekannte Food-Blogger und Senf-Sheriff Markus Söder ist Vorsitzender einer Partei, die außerhalb Bayerns nicht einmal auf dem Wahlzettel steht. Das hindert ihn offenbar nicht daran, Berlin zu erklären, welche Regierung dort finanziell erwünscht ist.
Die Berliner haben gewählt. Die Linke wurde mit 25,7 Prozent stärkste Kraft. 467.719 Berliner gaben ihr ihre Zweitstimme.
Wurstsöders Reaktion darauf: Sollte die Linke die Regierung führen, müsse man den Länderfinanzausgleich neu diskutieren und den gerade erst abgeschlossenen Hauptstadtfinanzierungsvertrag „nochmal aufmachen“. Er bezeichnet die Politik der Linken als „extremistisch“, „antidemokratisch“ und „antisemitisch“ und verbindet seine finanzpolitischen Forderungen ausdrücklich mit der möglichen Zusammensetzung der Berliner Regierung.
Das muss man sich erst einmal leisten.
Die CSU tritt in Berlin gar nicht an. Kein Berliner kann die Partei des Bayern-Berserkers wählen. Kein Berliner kann sie abwählen. Kein CSU-Kandidat musste dort auch nur einen einzigen Menschen überzeugen.
Trotzdem steht der bayerische Wurstextremist am Spielfeldrand und erklärt den Berlinern, dass ihre demokratische Entscheidung womöglich Auswirkungen auf den Geldhahn haben sollte.
Demokratie nach Weißwurstprinzip: Ihr dürft wählen, solange das Ergebnis in München bekömmlich erscheint.
Der neue Hauptstadtfinanzierungsvertrag wurde übrigens erst am 15. September zwischen dem Bund und dem Land Berlin geschlossen. Er umfasst für die Jahre ab 2028 insgesamt rund fünf Milliarden Euro für hauptstadtbedingte Sicherheits- und Kulturaufgaben. Eine Woche später möchte der Leberkäs-Lobbyist das Ding wieder aufschnüren, weil ihm eine mögliche Berliner Regierung politisch missfällt.
Nur: Was er sagt, ist sprachlich, ähnlich wie sein unermesslicher Hunger auf Fleischnebenerzeugnisse in Naturdarm gepresst, erheblich größer als seine tatsächliche Verfügungsgewalt. Er kann Berlin nicht einfach „das Geld entziehen“. Beim Finanzkraftausgleich legt ein Bundesgesetz nach Art. 107 GG fest, nach welchen Kriterien finanzstärkere und finanzschwächere Länder Zu- beziehungsweise Abschläge bekommen. Das hängt an Finanzkraft und gesetzlichen Berechnungsregeln, nicht daran, ob dem Weißwurst-Maulhelden die gewählte Berliner Regierung gefällt. Änderungen brauchen ein Bundesgesetz und die Zustimmung des Bundesrates.
Die CSU tritt ausschließlich in Bayern zur Wahl an. Bei der Bundestagswahl 2025 erhielt sie 2.964.028 Zweitstimmen, bundesweit 6,0 Prozent der gültigen Stimmen. Rechnet man die 2.964.028 CSU-Zweitstimmen auf die gesamte Bevölkerung Deutschlands um, entsprechen sie rund 3,55 Prozent. Also rund 3,6 % der in Deutschland lebenden Menschen haben der CSU bei der Bundestagswahl 2025 ihre Zweitstimme gegeben. Und nicht einmal jeder dieser 3,6 % finden diesen Wurstfürst auch gut.
Auch in der Bundesregierung ist die CSU überproportional sichtbar: Alexander Dobrindt, Dorothee Bär und Alois Rainer führen Bundesministerien. Und weil die Regierung ausdrücklich eine Koalition aus CDU, CSU und SPD ist, wird die CSU formal als eigenständiger Koalitionspartner behandelt und nicht bloß wie irgendein Landesverband der CDU.
Außerhalb Bayerns stellte sie sich dem Wähler gar nicht erst. Über die gemeinsame Konstruktion mit der CDU bekommt sie trotzdem Bundesminister, Koalitionsmacht, eine gemeinsame Bundestagsfraktion und für ihren Vorsitzenden ein Mikrofon, dessen Reichweite offenbar bis ins Berliner Rote Rathaus reicht.
Und ausgerechnet der wurstfressende Vorsitzende dieser ausschließlich in Bayern kandidierenden Partei erklärt nun den Berlinern, welche von ihnen gewählte Regierung finanzielle Konsequenzen nach sich ziehen sollte. Eine Partei mit rund 3,6 Prozent der Gesamtbevölkerung als tatsächlichen Zweitstimmengebern hat einen Vorsitzenden, dessen Reaktionen bei bundespolitischen Entscheidungen regelmäßig mitgedacht werden.
Das hat eine gewisse Eleganz.
Man muss sich diese Konstruktion kurz auf der Zunge zergehen lassen, möglichst zwischen Weißwurst und Senf. Und dann fast Respekt vor der Konstruktion bekommen.
Fast.
Eine SPD, eine Linke oder eine FDP kann intern zehn mächtige Landesfürsten haben, aber am Ende bleibt es eine Partei auf dem Spielbrett. CDU und CSU bleiben dagegen zwei eigenständige Parteien mit zwei Parteiführungen und eigenen Interessen, vermeiden gegenseitigen Wahlkampf und bündeln danach ihre parlamentarische Stärke.
Wäre es Monopoly (was es ja fast ist), sähe es so aus:
Alle spielen mit einer Figur. Die Union spielt mit zwei. Die beiden Figuren dürfen sich gegenseitig nichts wegnehmen, und am Ende zählt ihr Besitz zusammen.
Wurstextremismus eben.
Kleine Wahlfläche.
Große Fresse.
Und wenn jemand falsch wählt, wird mit der Brieftasche gewedelt.
Der bekannte Food-Blogger und Senf-Sheriff Markus Söder ist Vorsitzender einer Partei, die außerhalb Bayerns nicht einmal auf dem Wahlzettel steht. Das hindert ihn offenbar nicht daran, Berlin zu erklären, welche Regierung dort finanziell erwünscht ist.
Die Berliner haben gewählt. Die Linke wurde mit 25,7 Prozent stärkste Kraft. 467.719 Berliner gaben ihr ihre Zweitstimme.
Wurstsöders Reaktion darauf: Sollte die Linke die Regierung führen, müsse man den Länderfinanzausgleich neu diskutieren und den gerade erst abgeschlossenen Hauptstadtfinanzierungsvertrag „nochmal aufmachen“. Er bezeichnet die Politik der Linken als „extremistisch“, „antidemokratisch“ und „antisemitisch“ und verbindet seine finanzpolitischen Forderungen ausdrücklich mit der möglichen Zusammensetzung der Berliner Regierung.

Das muss man sich erst einmal leisten.
Die CSU tritt in Berlin gar nicht an. Kein Berliner kann die Partei des Bayern-Berserkers wählen. Kein Berliner kann sie abwählen. Kein CSU-Kandidat musste dort auch nur einen einzigen Menschen überzeugen.
Trotzdem steht der bayerische Wurstextremist am Spielfeldrand und erklärt den Berlinern, dass ihre demokratische Entscheidung womöglich Auswirkungen auf den Geldhahn haben sollte.
Demokratie nach Weißwurstprinzip: Ihr dürft wählen, solange das Ergebnis in München bekömmlich erscheint.
Der neue Hauptstadtfinanzierungsvertrag wurde übrigens erst am 15. September zwischen dem Bund und dem Land Berlin geschlossen. Er umfasst für die Jahre ab 2028 insgesamt rund fünf Milliarden Euro für hauptstadtbedingte Sicherheits- und Kulturaufgaben. Eine Woche später möchte der Leberkäs-Lobbyist das Ding wieder aufschnüren, weil ihm eine mögliche Berliner Regierung politisch missfällt.
Nur: Was er sagt, ist sprachlich, ähnlich wie sein unermesslicher Hunger auf Fleischnebenerzeugnisse in Naturdarm gepresst, erheblich größer als seine tatsächliche Verfügungsgewalt. Er kann Berlin nicht einfach „das Geld entziehen“. Beim Finanzkraftausgleich legt ein Bundesgesetz nach Art. 107 GG fest, nach welchen Kriterien finanzstärkere und finanzschwächere Länder Zu- beziehungsweise Abschläge bekommen. Das hängt an Finanzkraft und gesetzlichen Berechnungsregeln, nicht daran, ob dem Weißwurst-Maulhelden die gewählte Berliner Regierung gefällt. Änderungen brauchen ein Bundesgesetz und die Zustimmung des Bundesrates.
Die CSU tritt ausschließlich in Bayern zur Wahl an. Bei der Bundestagswahl 2025 erhielt sie 2.964.028 Zweitstimmen, bundesweit 6,0 Prozent der gültigen Stimmen. Rechnet man die 2.964.028 CSU-Zweitstimmen auf die gesamte Bevölkerung Deutschlands um, entsprechen sie rund 3,55 Prozent. Also rund 3,6 % der in Deutschland lebenden Menschen haben der CSU bei der Bundestagswahl 2025 ihre Zweitstimme gegeben. Und nicht einmal jeder dieser 3,6 % finden diesen Wurstfürst auch gut.
Auch in der Bundesregierung ist die CSU überproportional sichtbar: Alexander Dobrindt, Dorothee Bär und Alois Rainer führen Bundesministerien. Und weil die Regierung ausdrücklich eine Koalition aus CDU, CSU und SPD ist, wird die CSU formal als eigenständiger Koalitionspartner behandelt und nicht bloß wie irgendein Landesverband der CDU.
Außerhalb Bayerns stellte sie sich dem Wähler gar nicht erst. Über die gemeinsame Konstruktion mit der CDU bekommt sie trotzdem Bundesminister, Koalitionsmacht, eine gemeinsame Bundestagsfraktion und für ihren Vorsitzenden ein Mikrofon, dessen Reichweite offenbar bis ins Berliner Rote Rathaus reicht.
Und ausgerechnet der wurstfressende Vorsitzende dieser ausschließlich in Bayern kandidierenden Partei erklärt nun den Berlinern, welche von ihnen gewählte Regierung finanzielle Konsequenzen nach sich ziehen sollte. Eine Partei mit rund 3,6 Prozent der Gesamtbevölkerung als tatsächlichen Zweitstimmengebern hat einen Vorsitzenden, dessen Reaktionen bei bundespolitischen Entscheidungen regelmäßig mitgedacht werden.
Das hat eine gewisse Eleganz.
Man muss sich diese Konstruktion kurz auf der Zunge zergehen lassen, möglichst zwischen Weißwurst und Senf. Und dann fast Respekt vor der Konstruktion bekommen.
Fast.
Eine SPD, eine Linke oder eine FDP kann intern zehn mächtige Landesfürsten haben, aber am Ende bleibt es eine Partei auf dem Spielbrett. CDU und CSU bleiben dagegen zwei eigenständige Parteien mit zwei Parteiführungen und eigenen Interessen, vermeiden gegenseitigen Wahlkampf und bündeln danach ihre parlamentarische Stärke.
Wäre es Monopoly (was es ja fast ist), sähe es so aus:
Alle spielen mit einer Figur. Die Union spielt mit zwei. Die beiden Figuren dürfen sich gegenseitig nichts wegnehmen, und am Ende zählt ihr Besitz zusammen.
Wurstextremismus eben.
Kleine Wahlfläche.
Große Fresse.
Und wenn jemand falsch wählt, wird mit der Brieftasche gewedelt.
