← Zurück zu Druckbrot

Bitte oder Registrieren, um Beiträge und Themen zu erstellen.

Waffen töten keine Menschen? Stimmt das?

Immer wieder ploppt irgendwo die Frage auf, ob Waffen Menschen töten. Dies erfolgt oft im Rahmen von Diskussionen zu Fluchtursachen oder wenn es um das Thema Krieg geht, wobei wir wieder bei den Fluchtursachen wären. Ich möchte mich heute mal diesem Thema widmen.

Vorneweg: Eine Waffe allein tötet nicht, denn sie entscheidet nicht selbst, auf wen sie schießt. Eine Rakete hat keine politische Überzeugung. Ein Panzer entwickelt keinen eigenen Entschluss, einen Ort anzugreifen. Wenn das klar ist, dann können wir uns dem entscheidenden Element widmen: dem Menschen.

Ich würde sagen: Menschen MIT WAFFEN töten Menschen.

Ich denke, das bringt es auf den Punkt. Es liegt einzig und allein am Menschen, ob er Gewalt ausübt. Die Waffe macht bestimmte Formen von Gewalt überhaupt erst möglich oder verändert zumindest deren Reichweite, Geschwindigkeit und Zerstörungskraft dramatisch. Die Waffe trägt keine moralische Verantwortung. Derjenige, der sie einsetzt, schon.

Und doch kann man sehr wohl sagen, dass Waffen Menschen töten. Aber auch „Menschen mit Waffen töten Menschen“. Das sind zwei unterschiedliche Aussagen über denselben Vorgang.

Und wie verhält sich das jetzt mit der Waffenproduktion? Das wird interessant, denn Waffen werden nicht zufällig hergestellt. Eine Kaffeemaschine wird hergestellt, um Kaffee zu machen. Ein Feuerlöscher, um Feuer zu löschen. Ein Krankenwagen, um Menschen zu transportieren und zu versorgen. Aber eine Waffe?

Sie wird hergestellt, um Gewalt gegen ein Ziel ausüben oder zumindest glaubhaft damit drohen zu können. Aber Abschreckung funktioniert nur unter einer Voraussetzung: Die andere Seite muss davon ausgehen, dass die Waffe im Ernstfall tatsächlich eingesetzt werden könnte. Und damit dürfte klar sein, dass eine Waffe gerade deshalb eine Waffe ist, weil sie Gewaltanwendung glaubwürdig machen soll. Wenn eine Waffe garantiert niemals eingesetzt werden dürfte und keinerlei Gewaltwirkung hätte, wäre sie als Waffe für diesen Zweck weitgehend nutzlos.

Warum überhaupt Waffen als Abschreckung „notwendig sind“, dürfte im Wesen der Menschheit liegen. Es gibt einfach zu viel Missgunst, Egoismus, Machtgeilheit und Statussymbole, die es zu verteidigen gilt. Wirklich? Wäre der Mensch eine intelligente Lebensform, dann wäre Abschreckung überhaupt nicht notwendig. Aber es ist, wie es ist.

In diesem Zusammenhang gibt es aber noch eine interessante Frage, nämlich die, ob Waffen die Ursache von Kriegen sind bzw. ob sie lediglich ein Werkzeug menschlicher Entscheidungen sind? Darauf gibt es vermutlich keine einfache Antwort. Ein Bürgerkrieg entsteht nicht einfach deshalb, weil irgendwo Gewehre vorhanden sind. Es braucht politische Konflikte, Machtinteressen, Ideologien, Ressourcen, ethnische oder religiöse Spannungen, staatliches Versagen oder andere Faktoren. Aber Waffen können einen Konflikt massiv verändern. Aus einem politischen Konflikt kann bewaffnete Gewalt werden. Aus bewaffneter Gewalt kann ein (Bürger-)Krieg entstehen. Und aus einem (Bürger-)Krieg kann durch moderne Waffen ein Massensterben resultieren. Die Waffe ist also häufig nicht die ursprüngliche Ursache des Konflikts, aber sie kann entscheidend dafür sein, wie viel Gewalt möglich ist und wie lange sie andauert.

Und was ist jetzt mit Waffenexporten? Wenn ein Staat Waffen produziert und exportiert, kann er sagen: „Wir sind nicht dafür verantwortlich, was ein anderer Staat damit macht.“ Das ist allerdings eine ziemlich verkürzte Betrachtung. Denn wenn ich jemandem ein Werkzeug gebe, von dem ich weiß, dass es zur Gewaltanwendung bestimmt ist, und ich weiß möglicherweise sogar, wer es einsetzen wird und gegen wen, dann kann ich mich nicht automatisch moralisch aus der Verantwortung ziehen. Das bedeutet allerdings nicht, dass jeder Waffenexport den Exporteur zum Mörder macht. Es bedeutet vielmehr: Mit der Lieferung von Waffen entsteht zumindest eine Mitverantwortung für die vorhersehbaren Folgen dieser Lieferung.

Die Befürworter von Waffen sagen: „Wir brauchen Waffen, damit niemand uns angreift.“ Der Pazifist sagt: „Je mehr Waffen vorhanden sind, desto größer das Risiko, dass sie eingesetzt werden.“ Beide haben einen Punkt. Denn Waffen können gleichzeitig abschreckend und gefährlich sein. Eine Atombombe beispielsweise kann einen Angriff verhindern, gerade weil alle wissen, was passiert, wenn sie eingesetzt wird. Aber genau diese Eigenschaft macht sie zu einer der gefährlichsten Erfindungen der Menschheitsgeschichte. Das ist kein Widerspruch, sondern das eigentliche Dilemma.

Statt „Menschen mit Waffen töten Menschen“ ist die intellektuell ehrlichere Aussage:

„Menschen entscheiden, Menschen zu töten. Waffen ermöglichen, erleichtern und verstärken diese Gewalt.“

Transparenzhinweis:

Das Bild wurde mit KI erstellt

Andreas Josuweit hat auf diesen Beitrag reagiert.
Andreas Josuweit